eCardiology: Digitale Transformation in der Kardiologie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die DGK hat das eCardiology-Programm etabliert, um die digitale Transformation in der Herzmedizin proaktiv zu gestalten.
- •Fünf Kern-Ausschüsse fokussieren sich auf sektorübergreifende Strategien, Politik, Mobile Health, Precision Digital Health und digitale Fortbildung.
- •Sektorübergreifende Datennutzung (z.B. via ePA und eRezept) ist essenziell zur Überwindung der Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.
- •Klinische Entscheidungsunterstützungssysteme (CDS) sollen die Leitlinienadhärenz im klinischen Alltag verbessern.
- •Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data bilden die Grundlage für eine präzise, individualisierte kardiovaskuläre Medizin (PATIENTome).
Hintergrund
Die Herzmedizin ist historisch eng mit dem technologischen Fortschritt verbunden. Dennoch hat die Digitalisierung ihr Versprechen, den klinischen Alltag zu erleichtern, bisher oft nicht erfüllt. Die Datenflut aus Bildgebung, Labor und Wearables übersteigt die menschliche kognitive Kapazität. Gleichzeitig erschweren Datenschutzvorgaben (DSGVO) und eine mangelhafte Sektorenvernetzung die Datennutzung. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hat daher das Programm eCardiology ins Leben gerufen, um die digitale Transformation proaktiv, arzt- und patientenzentriert zu gestalten.
Struktur der DGK eCardiology
Das Programm gliedert sich in fünf zentrale Ausschüsse, die spezifische Aspekte der digitalen Medizin (Digital Health) adressieren:
| Ausschuss | Kernfokus | Wichtige Ziele und Maßnahmen |
|---|---|---|
| Sektorübergreifende Strategien | Überwindung der Sektorengrenzen | Förderung von ePA, eRezept und Telekardiologie; Etablierung standardisierter Schnittstellen. |
| Gesellschaft und Politik | Politische Rahmenbedingungen | Interaktion mit Entscheidungsträgern; Fokus auf Digitale Integrität (Ethik/Datenschutz). |
| Mobile Health | Leitlinienadhärenz via Apps | Entwicklung und Zertifizierung von Clinical Decision Support (CDS)-Tools und Leitlinien-Apps. |
| Precision Digital Health | KI, Big Data und Genomik | Entwicklung des PATIENTome-Konzepts; Integration multimodaler Daten zur Präzisionsmedizin. |
| Events, Education & Media | Digitale Fortbildung | Ausbau der eAcademy, Webinare (DGK.Online) und Vermittlung digitaler Kompetenzen. |
Sektorübergreifende Strategien
Die Trennung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung führt zu Informationsverlusten. Die DGK fordert den routinemäßigen, datenschutzkonformen Datenaustausch.
- Elektronische Patientenakte (ePA): Ermöglicht Patienten die aktive Verwaltung ihrer Gesundheitsdaten (Patient Empowerment).
- eRezept: Integration in die Telematikinfrastruktur (TI) zur Vereinfachung von Verschreibungen.
- Telekardiologie: Erfordert fest definierte Behandlungsabläufe und zertifizierte telekardiologische Zentren zur Überwachung von Wearables und Devices.
Mobile Health und Clinical Decision Support
Mobile Technologien sollen die Umsetzung von Leitlinien im Alltag verbessern.
- CDS-Tools: Algorithmenbasierte Entscheidungshilfen werden in Krankenhausinformationssysteme oder Apps integriert.
- Zertifizierung: Die DGK begleitet die Entwicklung von Leitlinien-Apps. Bestehende CDS-Apps durchlaufen strenge Qualitätsmanagementsysteme (z. B. DIN 13485 / TÜV Süd).
Precision Digital Health
Die Integration von hochdimensionalen Daten (Genomik, Wearables, Bildgebung) erfordert neue Analysemethoden.
- Künstliche Intelligenz (KI): KI-Systeme können subtile Informationen erkennen. Die DGK fordert strenge Qualitätsstandards und Transparenz für KI-Tools.
- PATIENTome: Ein Konzept zur präzisen Beurteilung der individuellen kardiovaskulären Gesundheit durch Integration aller verfügbaren biologischen und klinischen Daten im Längs- und Querschnitt.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie zertifizierte Clinical Decision Support (CDS)-Apps der Fachgesellschaften, um leitliniengerechte Therapieentscheidungen im komplexen klinischen Alltag abzusichern. Klären Sie Patienten aktiv über die Möglichkeiten und Grenzen von Wearables auf.