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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Lieferengpass Digitoxin: Umstellung auf Digoxin (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Aufgrund eines Lieferengpasses und Produktionsstopps von Digitoxin muss die Indikation zur Digitalis-Therapie streng geprüft werden.
  • Bei HFpEF ohne tachykardes Vorhofflimmern besteht keine Indikation; Digitoxin sollte ersatzlos abgesetzt werden.
  • Die Umstellung auf Digoxin erfordert wegen der langen Halbwertszeit von Digitoxin eine Therapiepause von 2 bis 3 Wochen.
  • Digoxin wird primär renal eliminiert: Bei GFR < 60 ml/min, Alter > 75 Jahre, Frauen oder BMI < 25 kg/m² ist eine Dosisreduktion zwingend.
  • Der Ziel-Serumspiegel für Digoxin liegt bei 0,5–0,9 ng/ml und sollte 7 bis 10 Tage nach Therapiebeginn kontrolliert werden.
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Hintergrund

Aufgrund eines globalen Rohstoffmangels besteht ein massiver Lieferengpass für Digitoxin. Die Produktion von Digimerck wurde komplett eingestellt. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) empfiehlt daher, die Indikation für Digitalis-Glykoside bei jedem Patienten kritisch zu überprüfen.

Eine Indikation besteht grundsätzlich nur bei:

  • Tachykardem Vorhofflimmern, wenn Betablocker oder bradykardisierende Calciumantagonisten nicht ausreichend wirken oder kontraindiziert sind.
  • Fortgeschrittener HFrEF (NYHA II–IV) mit persistierender Symptomatik trotz optimaler medikamentöser Therapie.

Wichtig: Eine Herzinsuffizienz mit erhaltener Pumpfunktion (HFpEF) ohne tachykardes Vorhofflimmern stellt keine Indikation dar. Digitoxin sollte hier ersatzlos abgesetzt werden.

Pharmakologischer Vergleich

Bei bestehender Indikation kann auf Digoxin umgestellt werden. Dabei müssen die pharmakokinetischen Unterschiede zwingend beachtet werden:

EigenschaftDigoxinDigitoxin
Halbwertszeit1–2 Tage (bis 5 Tage bei Niereninsuffizienz)6–7 Tage (unabhängig von Nierenfunktion)
Elimination70–80 % renal60 % renal, 50–75 % hepatisch metabolisiert
Dosisanpassung bei NiereninsuffizienzZwingend notwendigNicht notwendig
Ziel-Serumkonzentration0,5–0,9 ng/ml8–18 ng/ml
Toxische Konzentration> 2 ng/ml> 30 ng/ml

Praktisches Vorgehen bei der Umstellung

Aufgrund der langen Halbwertszeit von Digitoxin darf die Umstellung nicht nahtlos erfolgen.

  • Therapiepause: Zunächst 2 bis 3 Wochen pausieren.
  • Spiegelkontrolle: Digoxin erst starten, wenn der Digitoxin-Spiegel unterhalb des therapeutischen Bereichs (< 8–18 ng/ml) liegt.

Dosierungsschema für Digoxin

Bisherige Digitoxin-DosisEmpfohlene Digoxin-Startdosis
≤ 0,07 mg/Tag0,1 mg/Tag
0,1 mg/Tag0,2 mg/Tag

Risikofaktoren für eine Überdosierung: Bei Vorliegen von mindestens einem der folgenden Faktoren muss von vornherein die reduzierte Dosis von 0,1 mg/Tag gewählt werden:

  • Weibliches Geschlecht
  • GFR < 60 ml/min
  • BMI < 25 kg/m²
  • Alter > 75 Jahre

Spiegelkontrolle und Dosisanpassung

Der Digoxin-Spiegel muss 7 bis 10 Tage nach Therapiebeginn oder Dosisänderung kontrolliert werden.

  • Zielspiegel erreicht (0,5–0,9 ng/ml): Dosis beibehalten.
  • Spiegel zu niedrig: Dosis um 0,05–0,1 mg reduzieren bzw. auf 0,2–0,25 mg steigern (laut Algorithmus anpassen).
  • Spiegel zu hoch: Dosis reduzieren. Liegt der Spiegel deutlich über dem Zielwert, muss die Gabe für 2 Tage (bei Niereninsuffizienz bis zu 5 Tage) pausiert werden.

Spezifische klinische Szenarien

Tachykardes Vorhofflimmern (ohne HFrEF)

  • Betablocker oder bradykardisierende Calciumantagonisten (Verapamil/Diltiazem) sind 1. Wahl.
  • Alternativen: Pulmonalvenenisolation (PVI) oder Amiodaron.
  • Digoxin nur bei fehlender Niereninsuffizienz und fehlenden Risikofaktoren für Überdosierung.

HFrEF mit tachykardem Vorhofflimmern

  • Betablocker sind 1. Wahl.
  • Kontraindikation: Bradykardisierende Calciumantagonisten sind bei HFrEF kontraindiziert!
  • Alternativen: PVI, Amiodaron oder Digoxin (unter Beachtung der Nierenfunktion).

HFrEF ohne tachykardes Vorhofflimmern

  • Keine klare Indikation zum Therapiebeginn mit Herzglykosiden.
  • Optimierung der Standardtherapie (Betablocker, ACE-Hemmer/ARNI, MRA, SGLT2-Inhibitor, Vericiguat).
  • Prüfung von CRT, Herztransplantation oder Assist-Device.

💡Praxis-Tipp

Pausieren Sie die Therapie bei einer Umstellung von Digitoxin auf Digoxin zwingend für 2 bis 3 Wochen. Kontrollieren Sie die Nierenfunktion engmaschig, da Digoxin primär renal eliminiert wird und bei einer GFR < 60 ml/min rasch kumuliert.

Häufig gestellte Fragen

Aufgrund der langen Halbwertszeit von Digitoxin muss eine Therapiepause von 2 bis 3 Wochen eingehalten werden. Der Start von Digoxin darf erst erfolgen, wenn der Digitoxin-Spiegel unter 8–18 ng/ml gesunken ist.
Der Ziel-Serumspiegel für Digoxin liegt bei 0,5–0,9 ng/ml (0,65–1,15 nmol/l). Toxische Konzentrationen beginnen bei > 2 ng/ml.
Patienten mit einer GFR < 60 ml/min, Frauen, Patienten über 75 Jahre sowie Personen mit einem BMI < 25 kg/m² sollten von vornherein mit einer reduzierten Dosis von 0,1 mg/Tag behandelt werden.
Nein. Bei einer HFpEF ohne tachykardes Vorhofflimmern besteht keine Indikation für Digitalis. Digitoxin sollte in diesem Fall ersatzlos abgesetzt werden.
Der Digoxin-Spiegel sollte 7 bis 10 Tage nach Therapiebeginn sowie nach jeder Dosisänderung kontrolliert werden. Bei Niereninsuffizienz oder akuten Erkrankungen sind häufigere Kontrollen empfohlen.

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