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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Kardiovaskuläre Therapie bei HIV-Patienten (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • HIV-Patienten haben ein etwa doppelt so hohes Myokardinfarktrisiko wie die Allgemeinbevölkerung, oft bedingt durch Typ-II-Infarkte.
  • Zur LDL-Senkung sind Pitavastatin und Fluvastatin bevorzugt; Simvastatin und Lovastatin sind streng kontraindiziert.
  • In der Hochdrucktherapie sollten die AT1-Antagonisten Candesartan, Olmesartan oder Telmisartan eingesetzt werden.
  • Als Plättchenhemmer nach akutem Koronarsyndrom ist Prasugrel der Standard, da Clopidogrel und Ticagrelor unberechenbar mit der ART interagieren.
  • Edoxaban ist das Mittel der Wahl bei den direkten oralen Antikoagulanzien (NOACs).
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Hintergrund

HIV-Patienten weisen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risikoprofil auf, bedingt durch die Grunderkrankung und die antiretrovirale Therapie (ART). Das Myokardinfarktrisiko ist etwa doppelt so hoch wie in der Durchschnittsbevölkerung (Männer: 4,4/1000 Personenjahre, Frauen: 3,3/1000 Personenjahre). Bei etwa 50 % der Patienten handelt es sich um einen Typ-II-Infarkt, der durch Spasmen oder Endotheldysfunktion und nicht durch Plaqueruptur verursacht wird. Aufgrund des erheblichen Interaktionspotenzials der ART muss die kardiovaskuläre Begleitmedikation sorgfältig ausgewählt werden.

Arterielle Hypertonie

Die RAAS-Blockade ist effektiv und sicher. Kalziumantagonisten unterliegen jedoch einem CYP3A4-abhängigen Abbau, weshalb ihre Wirkung durch Proteaseinhibitoren (PI) verstärkt und durch Nicht-nukleosidale Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI) verringert werden kann.

WirkstoffklasseBevorzugte SubstanzenBemerkung
AT1-AntagonistenCandesartan, Olmesartan, TelmisartanTelmisartan wurde spezifisch bei HIV untersucht und ist gut wirksam.
AT1-AntagonistenLosartan, ValsartanSchwache bis mittlere Interaktionen möglich.
Kalziumantagonisten-Lercanidipin ist aufgrund starker Interaktionen kontraindiziert.

Lipidsenkung

Auch bei HIV-Patienten wird ein LDL-C-Wert <100 mg/dl angestrebt. Die Erhöhung von LDL-C und Triglyceriden ist teilweise durch die ART bedingt.

StatinEmpfehlungBegründung
Pitavastatin, FluvastatinBevorzugtGeringe CYP3A4-Abhängigkeit. Pitavastatin ist spezifisch bei HIV untersucht.
PravastatinEingeschränktGut verträglich, aber mangelnde Effektivität in der LDL-C-Senkung.
Atorvastatin, RosuvastatinDosisreduktionDosisanpassung erforderlich.
Simvastatin, LovastatinKontraindiziertStarke Interaktionen.

Thrombozytenaggregationshemmung

Nach einem akutem Koronarsyndrom oder einer Stentimplantation ist die Wahl des P2Y12-Inhibitors entscheidend, da Clopidogrel und Ticagrelor unter ART unberechenbare Wirkspiegel aufweisen (Gefahr von unerwarteten Stentthrombosen).

SubstanzEmpfehlungInteraktion mit ART
PrasugrelStandardtherapieKeine relevanten Interaktionen.
AspirinUnkritischKeine relevanten Interaktionen.
ClopidogrelNicht empfohlenAktivierung durch CYP2C19 gestört.
TicagrelorNicht empfohlenDeaktivierung durch CYP3A4 gestört.

Antikoagulation

Bei Phenprocoumon und NOACs ist generell eine leichte Wirkungsverstärkung möglich.

  • Mittel der Wahl: Edoxaban
  • Nicht empfohlen: Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban (sollten wegen starker CYP3A4-Abhängigkeit vermieden werden)

Diabetes mellitus

HIV-Patienten haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus. Zu beachten ist, dass der HbA1c-Wert unter ART um bis zu 1 % abweichen kann.

AntidiabetikumEmpfehlungBesonderheiten
GLP1-Analoga, SGLT2-InhibitorenGut einsetzbarKeine Probleme bekannt.
InsulinGut einsetzbarKeine Wechselwirkungen bekannt.
MetforminMit VorsichtLeicht erhöhtes Risiko für Laktatazidose. Nur bei GFR >60 ml/min einsetzen. Vorsicht bei Lipoatrophie.
SulfonylharnstoffeNicht empfohlenGesteigertes Hypoglykämierisiko.

Rhythmuskontrolle

Zur Frequenzkontrolle bei Vorhofflimmern und anderen Rhythmusstörungen können Betablocker eingesetzt werden. Es bestehen nur geringe Interaktionen mit der ART. Bisoprolol sollte als CYP2D6-unabhängige Substanz mit einfacher Pharmakokinetik bevorzugt werden.

💡Praxis-Tipp

Vermeiden Sie bei HIV-Patienten unter ART zwingend Simvastatin, Lovastatin sowie Lercanidipin aufgrund starker Interaktionen. Setzen Sie nach Stentimplantation bevorzugt Prasugrel ein.

Häufig gestellte Fragen

Pitavastatin oder Fluvastatin, da sie eine geringe CYP3A4-Abhängigkeit aufweisen. Simvastatin und Lovastatin sind kontraindiziert.
Prasugrel ist die Standardtherapie. Clopidogrel und Ticagrelor sind aufgrund unberechenbarer Interaktionen mit der ART nicht zu empfehlen.
Edoxaban. Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban sollten wegen ihrer starken CYP3A4-Abhängigkeit vermieden werden.
Candesartan, Olmesartan und Telmisartan. Bei Kalziumantagonisten bestehen oft starke Interaktionen (Lercanidipin ist sogar kontraindiziert).

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