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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

4. Myokardinfarkt-Definition: Leitlinie (DGK/ESC)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Strikte Trennung zwischen Myokardschaden (Troponin-Erhöhung) und Myokardinfarkt (zusätzliche Ischämie-Zeichen).
  • Einteilung des Myokardinfarkts in fünf Subtypen, inklusive periprozeduraler Infarkte (Typ 4 und 5).
  • Hochsensitives Troponin (hsTn) ist der diagnostische Standard; CK-MB wird nicht mehr zur Primärdiagnostik empfohlen.
  • Ein neuer Rechtsschenkelblock oder eine isolierte ST-Hebung in aVR gelten nun als STEMI-Äquivalente.
  • Einführung neuer Konzepte wie MINOCA (Myokardinfarkt ohne obstruktive Koronarerkrankung).
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Hintergrund

Die 4. Universelle Definition des Myokardinfarkts (ESC/ACCF/AHA/WHF), kommentiert durch die DGK, legt den Schwerpunkt auf die präzise Unterscheidung zwischen einem Myokardschaden und einem echten Myokardinfarkt. Durch die weite Verbreitung hochsensitiver Troponin-Assays (hsTn) werden Myokardschäden häufiger detektiert, dürfen jedoch nicht automatisch mit einem Infarkt gleichgesetzt werden.

Myokardschaden vs. Myokardinfarkt

Die Leitlinie definiert klare Kriterien zur Abgrenzung:

EntitätDefinitionKriterien
MyokardschadenNachweis von kardialem Troponin (cTn) > 99. Perzentile (ULN)Akut: Relevanter Anstieg/Abfall der cTn-Werte.<br>Chronisch: Stabil erhöhte Werte (≤20 % Schwankung).
MyokardinfarktAkuter Myokardschaden im Kontext einer myokardialen IschämiecTn-Anstieg/Abfall + mind. 1 Ischämiezeichen (Symptome, EKG-Veränderungen, Q-Zacken, Bildgebung, Thrombusnachweis).

Subtypen des Myokardinfarkts

Die Klassifikation unterteilt den Myokardinfarkt in fünf Subtypen:

TypBezeichnungPathophysiologie / Kriterien
Typ 1 (T1MI)Spontaner MyokardinfarktIntrakoronarer Thrombus durch Plaqueruptur, -erosion oder -dissektion.
Typ 2 (T2MI)Ischämisches UngleichgewichtMissverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und -angebot (z. B. Spasmus, Embolie) ohne Plaqueruptur.
Typ 3 (T3MI)Kardialer TodTod mit Ischämiesymptomen/EKG-Veränderungen, bevor Biomarker bestimmt werden konnten.
Typ 4a (T4aMI)PCI-assoziierter InfarktcTn > 5-fache 99. Perzentile (bei normalem Ausgangswert) + Ischämiekriterien (EKG, Bildgebung, Angiographie-Komplikation).
Typ 4b/cStentthrombose / RestenoseNachweis durch Angiographie/Autopsie (4b) bzw. Restenose als einzige Erklärung (4c).
Typ 5 (T5MI)ACVB-assoziierter InfarktcTn > 10-fache 99. Perzentile + Ischämiekriterien (neue Q-Zacken, Bypass-Verschluss, Bildgebung).

EKG-Kriterien und Bildgebung

Die EKG-Diagnostik wurde präzisiert. Neben den bekannten ST-Streckenveränderungen werden nun folgende Befunde als STEMI-Äquivalente gewertet, die eine sofortige invasive Diagnostik erfordern:

  • Neuer Rechtsschenkelblock (RSB)
  • Isolierte ST-Streckenhebung in Ableitung aVR

Die kardiale Bildgebung (insbesondere MRT, CT und Echokardiographie) erhält einen höheren Stellenwert zur Differenzierung zwischen ischämischen und nicht-ischämischen Ursachen. Kardiales Troponin bleibt jedoch der übergeordnete Standard: Ein normales hsTn zu geeigneten Zeitpunkten schließt einen akuten Myokardinfarkt aus.

Besondere klinische Situationen

  • MINOCA: Myokardinfarkt ohne obstruktive Koronarerkrankung (<50 % Stenose). Betrifft ca. 6 % der Infarkte. Kann T1MI oder T2MI sein; weitere Bildgebung (MRT) ist essenziell.
  • Vorhofflimmern & Niereninsuffizienz: Bei diesen Patienten sind ST-Senkungen oder chronisch erhöhte Troponinwerte häufig. Die Diagnose eines akuten Infarkts erfordert zwingend den Nachweis einer relevanten Konzentrationsänderung (Anstieg/Abfall) in der seriellen Troponinmessung sowie klinische Ischämiezeichen.

💡Praxis-Tipp

Diagnostizieren Sie bei Patienten mit Vorhofflimmern oder chronischer Niereninsuffizienz keinen akuten Myokardinfarkt allein aufgrund eines erhöhten Troponinwerts. Achten Sie zwingend auf die Dynamik (Anstieg/Abfall) in der seriellen Messung und auf eindeutige klinische Ischämiezeichen.

Häufig gestellte Fragen

Ein Myokardschaden ist rein laborchemisch definiert (Troponin > 99. Perzentile). Ein Myokardinfarkt liegt nur vor, wenn zusätzlich zum akuten Myokardschaden (Troponin-Dynamik) klinische, apparative oder bildgebende Beweise für eine myokardiale Ischämie bestehen.
Ein Typ-2-Infarkt entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und -angebot (z. B. durch Koronarspasmen, Embolien oder schwere systemische Erkrankungen), ohne dass eine akute Plaqueruptur oder ein intrakoronarer Thrombus vorliegt.
Ein neu aufgetretener Rechtsschenkelblock sowie eine isolierte ST-Streckenhebung in der Ableitung aVR werden in der aktuellen Leitlinie besonders gewichtet und können einem ST-Hebungs-Infarkt gleichgesetzt werden.
MINOCA steht für 'Myocardial Infarction with Non-Obstructive Coronary Arteries' (Myokardinfarkt ohne obstruktive Koronarerkrankung). Es bezeichnet Patienten mit Infarktkriterien, aber ohne signifikante Koronarstenose (>50 %).
Er erfordert einen Troponin-Anstieg auf mehr als das 5-Fache der 99. Perzentile (bei zuvor normalen Werten) in Kombination mit Ischämiezeichen wie neuen EKG-Veränderungen, Bildgebungsnachweis oder angiographischen Komplikationen.

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