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DGFN/DTG (Deutsche Gesellschaft für Nephrologie / Deutsche Transplantationsgesellschaft)2025NephrologieTransplantationsmedizinChirurgieInnere Medizin

Nierentransplantation: Evaluation & Nachsorge (DGFN/DTG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGFN/DTG (Deutsche Gesellschaft für Nephrologie / Deutsche Transplantationsgesellschaft) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine präemptive Listung zur Nierentransplantation ist nur bei Kindern, kombinierter Pankreas-Nierentransplantation oder Lebendspende zulässig.
  • Absolute Kontraindikationen für Lebendspender sind unter anderem eine eGFR < 60 ml/min, Diabetes mellitus und unkontrollierte Hypertonie.
  • Bei AB0-inkompatibler Lebendspende erfolgt die Desensibilisierung mittels Rituximab und Immunadsorption (Zieltiter ≤ 1:8).
  • Die CMV-Prophylaxe mit Valganciclovir wird bei hohem Risiko (D+/R-) für 3 bis 6 Monate empfohlen.
  • Lebendimpfungen (z. B. Mumps, Masern, Röteln, Gelbfieber) sind nach der Transplantation streng kontraindiziert.
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Hintergrund

Das Manual der Arbeitsgemeinschaft der Nierentransplantationszentren Nordrhein-Westfalens (konsentiert mit DGFN/DTG) standardisiert die Abläufe von der Evaluation vor einer Nierentransplantation (NTx) über die Lebendspende bis zur postoperativen Nachsorge. Ziel ist eine einheitliche Qualitätssicherung und Patientenbetreuung.

Empfängerevaluation

Vor der Aufnahme auf die Warteliste bei Eurotransplant muss eine umfassende Diagnostik erfolgen, um die Transplantationsfähigkeit zu sichern und Risiken zu minimieren.

UntersuchungsbereichZwingend erforderlich (Soll)Empfohlen (Sollte)
KardiovaskulärEKG, Echokardiografie, Belastungs-EKG oder MyokardszintigrafieAngiologische Untersuchung
BildgebungRöntgen-Thorax, Sonografie AbdomenNativ-CT Becken (bei V. a. pAVK)
Labor & ImmunologieBlutgruppe, HLA-Typisierung, Suchtest auf HLA-Antikörper, Virologie (CMV, HBV, HCV, HIV, EBV)Lipidstatus, Glukosestoffwechsel, PTH
KonsileRestaging bei TumoranamneseAltersentsprechende Tumorvorsorge

Kriterien für die Listung

Grundsätzlich dürfen nur terminal dialysepflichtige Patienten gelistet werden. Eine präemptive Listung (vor Eintritt der Dialysepflicht) ist in Deutschland nur in definierten Ausnahmefällen möglich:

  • Kinder: eGFR < 20 ml/min/1,73 m²
  • Kombinierte Pankreas-Nierentransplantation: eGFR < 30 ml/min/1,73 m²
  • Lebendnierenspende: Listung mit Status "NT" bei eGFR < 20 ml/min, Listung mit Status "T" bei eGFR < 15 ml/min

Lebendnierenspende: Kontraindikationen

Die Evaluation des potenziellen Spenders dient dem Schutz vor operationsbedingten und langfristigen gesundheitlichen Schäden. Die Freiwilligkeit und persönliche Verbundenheit müssen gegeben sein.

ParameterAbsolute KontraindikationRelative Kontraindikation
Alter & GewichtAlter < 18 JahreBMI > 35
NierenfunktioneGFR < 60 ml/min/1,73 m²eGFR 60–79 ml/min/1,73 m²
Blutdruck> 140/90 mmHg (mit ≥ 2 Antihypertensiva)-
UrinbefundeAlbuminurie > 300 mg/24h, persistierende glomeruläre HämaturieMikroalbuminurie > 30 mg/24h
StoffwechselDiabetes mellitus (Nüchtern-BZ > 126 mg/dl, HbA1c > 6,5%)Gestörte Glukosetoleranz
InfektionenAktive HIV-, HBV-, HCV- oder TBC-Infektion-

AB0-inkompatible Lebendnierentransplantation

Bei Blutgruppeninkompatibilität erfolgt eine gezielte Vorbereitung zur Senkung der Isoagglutinin-Titer. Der Zieltiter vor Freigabe zur Operation liegt in der Regel bei ≤ 1:8.

  • Desensibilisierung: Immunadsorption (IA) oder Plasmapherese.
  • B-Zell-Depletion: Gabe von Rituximab (Off-Label-Use, i. d. R. 375 mg/m² KÖF) 1 bis 4 Wochen vor Beginn der IA.
  • Postoperativ: Induktionstherapie mit Basiliximab oder ATG in Abhängigkeit vom immunologischen Risiko.

Postoperative Nachsorge und Infektionsprophylaxe

Die Frequenz der Nachsorgevisiten sinkt von 1-2x/Woche im ersten Monat auf alle 6-8 Wochen ab dem ersten Jahr. Eine konsequente Infektionsprophylaxe ist essenziell:

ErregerProphylaxe / TherapieDauer / Bemerkung
CMVValganciclovir (Dosisanpassung nach eGFR)3-6 Monate bei Hochrisiko (D+/R-). Alternativ Letermovir.
Pneumocystis jiroveciiCotrimoxazol (z. B. 480 mg/Tag)Mindestens 3-6 Monate. Alternativ Atovaquon oder Pentamidin-Inhalation.
SoorAmpho-MoronalPostoperativ nach Zentrumsstandard.

Impfungen nach Nierentransplantation

  • Totimpfstoffe sind sicher, die Impfantwort kann unter Immunsuppression jedoch vermindert sein.
  • Impfungen sollten frühestens 6 Monate nach Transplantation erfolgen (Ausnahme: Influenza ab Monat 1).
  • Lebendimpfungen sind streng kontraindiziert! (Dazu zählen: Gelbfieber, BCG, Schluckimpfung gegen Polio, Mumps, Masern, Röteln, Typhus).

Schwangerschaft und Kontrazeption

Jede Schwangerschaft nach NTx gilt als Hochrisikoschwangerschaft.

  • Idealer Zeitpunkt: Frühestens 1 Jahr post-Tx bei stabiler Transplantatfunktion ohne relevante Proteinurie.
  • Kontrazeption: Intrauterinpessare (Spiralen) sind die 1. Wahl, da sie hochwirksam sind und keine systemischen Wechselwirkungen aufweisen.

💡Praxis-Tipp

Lebendimpfungen (wie MMR oder Gelbfieber) sind bei nierentransplantierten Patienten streng kontraindiziert. Überprüfen und komplettieren Sie den Impfstatus idealerweise frühzeitig vor der Listung zur Transplantation.

Häufig gestellte Fragen

Nur in Ausnahmefällen: Bei Kindern, bei geplanter kombinierter Pankreas-Nierentransplantation oder wenn ein Lebendspender zur Verfügung steht.
Eine eGFR von unter 60 ml/min/1,73 m² stellt für den potenziellen Spender eine absolute Kontraindikation dar.
Die Prophylaxe mit Cotrimoxazol sollte für mindestens 3 bis 6 Monate nach der Transplantation durchgeführt werden.
Intrauterinpessare (Spiralen) gelten als Methode der 1. Wahl, da sie hochwirksam sind und keine systemischen Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva aufweisen.

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