Depression: Therapie, Antidepressiva und Absetzen

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG222 befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen. Sie teilt die Erkrankung in zwei Hauptkategorien ein: weniger schwere Depressionen (unterschwellig und leicht) sowie schwerere Depressionen (mittelschwer und schwer).

Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die gemeinsame Entscheidungsfindung. Es wird betont, dass die Wahl der Therapie an die individuellen Bedürfnisse und Präferenzen angepasst werden sollte.

Zudem wird auf die hohe Rezidivrate bei Depressionen hingewiesen. Eine strukturierte Langzeitbetreuung und Strategien zur Rückfallprävention sind laut Leitlinie essenziell für den Behandlungserfolg.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie NG222 formuliert detaillierte Empfehlungen zur stadiengerechten Behandlung der Depression.

Diagnostik und Risikobewertung

Es wird empfohlen, bei Verdacht auf eine Depression eine umfassende Beurteilung durchzuführen, die nicht nur Symptome, sondern auch die funktionelle Beeinträchtigung und die Dauer der Episode berücksichtigt.

Laut Leitlinie muss bei jeder Person direkt nach Suizidgedanken und -absichten gefragt werden. Bei einem akuten Risiko für Selbst- oder Fremdgefährdung wird eine sofortige Überweisung an psychiatrische Fachdienste empfohlen.

Therapie bei weniger schwerer Depression

Für neue Episoden einer weniger schweren Depression (unterschwellig oder leicht) wird empfohlen, nicht routinemäßig Antidepressiva als Erstlinientherapie anzubieten. Diese sollten laut Leitlinie nur bei ausdrücklichem Wunsch zum Einsatz kommen.

Stattdessen empfiehlt die Leitlinie folgende psychologische und psychosoziale Interventionen als Erstlinientherapie:

  • Angeleitete Selbsthilfe (bevorzugt als erste Option aufgrund der geringsten Eingriffsintensität)

  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) in der Gruppe oder als Einzeltherapie

  • Verhaltensaktivierung (BA) in der Gruppe oder als Einzeltherapie

  • Gruppenbasierte Bewegungstherapie oder Achtsamkeitsmeditation

Therapie bei schwererer Depression

Bei einer neuen Episode einer schwereren Depression (mittelschwer bis schwer) wird eine intensivere Behandlung empfohlen. Die Leitlinie nennt hierbei verschiedene gleichwertige Erstlinienoptionen.

TherapieoptionAnwendungsformBesonderheiten laut Leitlinie
KombinationstherapieEinzel-CBT + AntidepressivumBietet sofortige Unterstützung durch den Therapeuten, während das Medikament Zeit braucht, um zu wirken.
PsychotherapieEinzel-CBT oder Einzel-BAFokussiert auf Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster. Vermeidet medikamentöse Nebenwirkungen.
AntidepressivaSSRI, SNRI oder andereSSRI gelten als erste Wahl aufgrund des guten Sicherheitsprofils. Wirkeintritt meist innerhalb von 4 Wochen.
Weitere TherapienProblemlösungstherapie, BeratungFokus auf aktuelle Konflikte, psychosoziale Probleme oder Beziehungsstrukturen.

Überwachung und Absetzen von Antidepressiva

Die Leitlinie empfiehlt, die Wirksamkeit der Behandlung 2 bis 4 Wochen nach Beginn zu überprüfen. Bei Personen im Alter von 18 bis 25 Jahren oder bei erhöhtem Suizidrisiko wird eine erste Kontrolle bereits nach einer Woche empfohlen.

Beim Absetzen von Antidepressiva wird ein schrittweises Ausschleichen (Tapering) empfohlen, um Absetzsymptome zu minimieren. Die Leitlinie betont, dass das Ausschleichen über Wochen oder Monate erfolgen kann und die Dosisreduktion an die Verträglichkeit angepasst werden sollte.

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise:

  • Johanniskraut (St John's Wort): Es wird davon abgeraten, Johanniskraut zu verschreiben oder zu empfehlen. Die Leitlinie begründet dies mit Unsicherheiten bezüglich der Dosis, der Präparatevariabilität und potenziell schweren Wechselwirkungen (z.B. mit hormonellen Kontrazeptiva, Antikoagulanzien und Antikonvulsiva).

  • Trizyklische Antidepressiva (TCA): Bei Personen mit signifikantem Suizidrisiko wird vor dem routinemäßigen Einsatz von TCAs (mit Ausnahme von Lofepramin) gewarnt, da diese bei Überdosierung die höchste Toxizität aufweisen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie sollten Antidepressiva bei weniger schweren Depressionen nicht routinemäßig als Erstlinientherapie eingesetzt werden, sondern primär psychologische Interventionen wie angeleitete Selbsthilfe. Zudem wird bei der Verordnung von Antidepressiva an junge Erwachsene (18-25 Jahre) oder bei Suizidrisiko eine sehr engmaschige Kontrolle empfohlen, bei der die erste Überprüfung bereits nach einer Woche stattfinden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt in der Regel eine Überprüfung innerhalb von 2 bis 4 Wochen. Bei Personen zwischen 18 und 25 Jahren oder bei erhöhtem Suizidrisiko wird eine Kontrolle bereits nach einer Woche empfohlen.

Es wird empfohlen, Antidepressiva bei weniger schweren Depressionen nicht routinemäßig als Erstlinientherapie anzubieten. Sie sollten laut Leitlinie nur eingesetzt werden, wenn dies der ausdrückliche Wunsch der betroffenen Person ist.

Die Leitlinie empfiehlt ein schrittweises Ausschleichen (Tapering) über Wochen oder Monate, um Absetzsymptome zu minimieren. Die Geschwindigkeit der Dosisreduktion sollte individuell an das Auftreten von Entzugssymptomen angepasst werden.

Wenn eine Erstlinientherapie nicht anschlägt, wird empfohlen, zunächst die Adhärenz und mögliche psychosoziale Barrieren zu prüfen. Anschließend können laut Leitlinie ein Wechsel der Therapieform, eine Dosiserhöhung oder eine Kombinationstherapie erwogen werden.

Die Leitlinie rät von der Verschreibung und Empfehlung von Johanniskraut ab. Als Gründe werden unklare Dosierungen und das Risiko schwerwiegender Medikamenteninteraktionen genannt.

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Quelle: NICE NG222: Depression in adults: treatment and management (NICE, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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