Delir und Sedierung (PADIS): Leitlinien-Empfehlung

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SCCM (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Kritisch kranke Erwachsene auf der Intensivstation (ITS) haben ein hohes Risiko für belastende Symptome wie Schmerzen, Agitation, Delir, Immobilität und Schlafstörungen (PADIS). Das Management dieser Faktoren hat einen direkten Einfluss auf die klinischen Ergebnisse während und nach dem ITS-Aufenthalt.

Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract des Updates der PADIS-Leitlinie der Society of Critical Care Medicine (SCCM) von 2018. Eine interprofessionelle Arbeitsgruppe, die auch ITS-Überlebende einschloss, entwickelte die Empfehlungen basierend auf der GRADE-Methodik.

Der Fokus des Updates liegt auf fünf Hauptbereichen der Intensivmedizin. Dazu gehören Angstzustände als neues Thema sowie Agitation/Sedierung, Delir, Immobilität und Schlafstörungen.

Klinischer Kontext

Epidemiologie: Schmerzen, Agitation und Delir sind extrem häufige Komplikationen auf der Intensivstation. Bis zu 80 Prozent der beatmeten Intensivpatienten entwickeln im Verlauf ein Delir oder leiden unter massiven Schlafstörungen. Pathophysiologie: Die Pathogenese ist multifaktoriell und umfasst Neuroinflammation, zerebrale Hypoperfusion sowie ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern wie Dopamin und Acetylcholin. Zudem begünstigen Immobilisation und der Verlust des Tag-Nacht-Rhythmus die Entstehung kognitiver und physischer Defizite. Klinische Bedeutung: Diese Symptomkomplexe sind mit einer erhöhten Mortalität, längeren Beatmungszeiten und langfristigen kognitiven Einschränkungen assoziiert. Eine frühzeitige Erkennung und adäquate Steuerung von Analgesie und Sedierung sind daher essenziell für das Patientenoutcome. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnostik stützt sich auf validierte klinische Scores zur Erfassung von Schmerz, Sedierungstiefe und Delir. Regelmäßige strukturierte Assessments ermöglichen eine zielgerichtete Therapieanpassung und minimieren Komplikationen.

Wissenswertes

Die Diagnose erfolgt klinisch mittels validierter Screening-Tools wie dem CAM-ICU oder der ICDSC. Diese Scores beurteilen akute Veränderungen des mentalen Status, Aufmerksamkeit und Bewusstseinslage.

Frühmobilisation reduziert das Risiko für eine ICU-acquired weakness und verkürzt die Beatmungsdauer. Zudem wirkt sie sich positiv auf die Delirprävention und die funktionelle Langzeiterholung aus.

Zur leichten und erweckbaren Sedierung werden häufig Propofol oder Dexmedetomidin eingesetzt. Benzodiazepine werden aufgrund ihres delirogenen Potenzials zunehmend vermieden, sofern keine spezifischen Indikationen vorliegen.

Bei nicht-kommunikationsfähigen Patienten kommen Verhaltensskalen wie die Behavioral Pain Scale oder das Critical-Care Pain Observation Tool zum Einsatz. Diese bewerten Gesichtsausdruck, Körperspannung und Toleranz der Beatmung.

Schlafmangel und eine gestörte Schlafarchitektur beeinträchtigen das Immunsystem und fördern die Entstehung eines Delirs. Langfristig tragen sie zur Entwicklung psychischer Folgeerkrankungen bei.

Dieses Syndrom beschreibt neu aufgetretene oder verschlechterte physische, kognitive oder psychische Einschränkungen nach einer kritischen Erkrankung. Eine adäquate Steuerung von Analgesie, Sedierung und Mobilisation kann das Risiko dafür signifikant senken.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Hinweis aus dem Leitlinien-Update ist die fehlende Evidenz für den routinemäßigen Einsatz von Antipsychotika beim Delir und Benzodiazepinen bei Angstzuständen auf der ITS. Es wird stattdessen empfohlen, bei der Sedierung Dexmedetomidin den Vorzug vor Propofol zu geben und eine erweiterte Frühmobilisation anzustreben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird für die Sedierung von erwachsenen Intensivpatienten Dexmedetomidin gegenüber Propofol bevorzugt. Hierbei handelt es sich um eine bedingte Empfehlung.

Die Leitlinien-Arbeitsgruppe konnte aufgrund der aktuellen Datenlage keine Empfehlung für den Einsatz von Antipsychotika zur Delirbehandlung aussprechen.

Das Update der PADIS-Leitlinie spricht eine bedingte Empfehlung für die Verabreichung von Melatonin aus, um Schlafstörungen bei kritisch Kranken zu behandeln.

Es wird eine erweiterte Mobilisation und Rehabilitation empfohlen. Diese sollte laut Leitlinie über das übliche Maß der Standardmobilisation hinausgehen.

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Quelle: Clinical Practice Guidelines for the Management of Pain, Agitation/Sedation, Delirium, Immobility, and Sleep Disruption (PADIS) (SCCM, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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