Sedation Vacation auf der Intensivstation: StatPearls
Hintergrund
Etwa ein Drittel der Aufnahmen auf einer Intensivstation erfolgt aufgrund eines Atemversagens, das eine mechanische Beatmung erfordert. Eine kontinuierliche Sedierung ist hierbei oft notwendig, um Schmerzen und Ängste zu lindern sowie die Synchronität mit dem Beatmungsgerät zu gewährleisten.
Allerdings ist eine ununterbrochene Sedierung mit längeren Intubationszeiten, verlängerten Aufenthalten auf der Intensivstation und einem erhöhten Delirrisiko assoziiert. Zudem erschwert sie die neurologische Beurteilung der behandelten Personen erheblich.
Um diese Risiken zu minimieren, beschreibt die StatPearls-Leitlinie das Konzept der "Sedation Vacation". Dabei handelt es sich um eine tägliche, kurzzeitige Unterbrechung der Sedierung, um den neurologischen Status zu beurteilen und die Entwöhnung von der Beatmung (Weaning) zu beschleunigen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Durchführung einer Sedation Vacation:
Beurteilung der Sedierungstiefe
Es wird empfohlen, die Sedierung individuell zu titrieren, um eine agitationsfreie, komfortable Situation bei der niedrigstmöglichen effektiven Dosis zu erreichen. Zur objektiven Beurteilung des mentalen Status und der Sedierungstiefe rät die Leitlinie zur Verwendung standardisierter Scores.
Die Leitlinie nennt hierfür primär zwei etablierte Bewertungssysteme:
| Skala | Unweckbarer Zustand | Ruhig und kooperativ | Gefährlich agitiert |
|---|---|---|---|
| Riker Sedation-Agitation Scale (SAS) | 1 | 4 | 7 |
| Richmond Agitation-Sedation Scale (RASS) | -5 | 0 | +4 |
Zusätzlich wird empfohlen, den basalen mentalen Status durch die Fähigkeit zur Befolgung von Anweisungen zu evaluieren. Dazu gehören laut Leitlinie das Verfolgen mit den Augen, das Drücken der Hand oder das Herausstrecken der Zunge.
Spontaneous Awakening Trial (SAT)
Vor jedem spontanen Aufwachversuch (SAT) muss gemäß Leitlinie die klinische Sicherheit evaluiert werden. Liegen Kontraindikationen vor, wird empfohlen, den Versuch zu verschieben und innerhalb von 24 Stunden neu zu bewerten.
Ein Aufwachversuch gilt laut Leitlinie als gescheitert, wenn eines der folgenden Kriterien auftritt:
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Agitation gemäß SAS- oder RASS-Skala
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Schmerzen oder respiratorische Erschöpfung
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Atemfrequenz von über 35 Atemzügen pro Minute
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Sauerstoffsättigung von unter 88 %
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Akute kardiale Arrhythmien
Bei einem Abbruch des Versuchs wird empfohlen, die Sedativa mit 50 % der vorherigen Dosis wieder anzusetzen. Danach sollte eine erneute Beurteilung innerhalb von 24 Stunden erfolgen.
Spontaneous Breathing Trial (SBT) und Extubation
Nach einem erfolgreichen Aufwachversuch kann laut Leitlinie ein spontaner Atemversuch (SBT) initiiert werden. Dies wird empfohlen, wenn keine Agitation vorliegt, die Sauerstoffsättigung über 88 % liegt und der PEEP unter 8 cm H2O beträgt.
Zudem sollten der FiO2-Wert unter 50 % liegen und nur eine minimale Vasopressoren-Unterstützung notwendig sein. Wenn während des Atemversuchs keine Abbruchkriterien wie mentale Veränderungen oder Arrhythmien auftreten, kann die Extubation eingeleitet werden.
Für Personen, die länger als 48 Stunden ohne Cuff-Leak intubiert waren, wird eine medikamentöse Prophylaxe erwähnt. Es wird beschrieben, dass 4 bis 5 Stunden vor und nach der Extubation Steroide verabreicht werden können, um das Risiko eines Larynxödems zu senken.
Kontraindikationen
Die Leitlinie benennt spezifische Kontraindikationen, bei deren Vorliegen ein spontaner Aufwachversuch (SAT) nicht durchgeführt werden darf. In diesen Fällen wird eine Verschiebung des Versuchs um 24 Stunden empfohlen.
Folgende Zustände stellen laut Leitlinie absolute Hindernisse für eine Sedation Vacation dar:
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Aktive Krampfanfälle
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Alkoholentzugssyndrom
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Hochgradige Agitation
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Laufende Therapie mit Muskelrelaxanzien (Paralytika)
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Myokardischämie
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Erhöhter intrakranieller Druck (ICP)
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie wird bei einem fehlgeschlagenen Aufwachversuch empfohlen, die Sedierung mit lediglich 50 % der vorherigen Dosis wieder aufzunehmen, um eine Überdosierung zu vermeiden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Dexmedetomidin bei Agitation und Delir besonders vorteilhaft ist, da es den Atemantrieb nicht unterdrückt und eine Extubation unter laufender Infusion ermöglicht.
Häufig gestellte Fragen
Eine Sedation Vacation ist eine tägliche, kurzzeitige Unterbrechung der kontinuierlichen Sedierung bei beatmeten Personen. Die StatPearls-Leitlinie empfiehlt dieses Vorgehen, um den neurologischen Status zu beurteilen und die Beatmungsdauer zu verkürzen.
Laut Leitlinie gelten unter anderem eine Atemfrequenz über 35 pro Minute, eine Sauerstoffsättigung unter 88 % sowie akute Arrhythmien als Abbruchkriterien. Auch bei starker Agitation oder Schmerzen wird ein Abbruch empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt, die sedierenden Medikamente nach einem Abbruch mit 50 % der vorherigen Dosis wieder anzusetzen. Eine erneute Evaluation sollte dann innerhalb von 24 Stunden erfolgen.
Bei Agitation oder Delir wird der Einsatz von Antipsychotika oder Dexmedetomidin beschrieben. Dexmedetomidin bietet laut Leitlinie den Vorteil, dass es den Atemantrieb nicht dämpft und eine Extubation unter laufender Gabe erlaubt.
Bei einer Intubationsdauer von über 48 Stunden ohne Cuff-Leak erwähnt die Leitlinie die Gabe von Steroiden. Diese sollten 4 bis 5 Stunden vor sowie nach der Extubation verabreicht werden, um Schwellungen zu reduzieren.
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Quelle: StatPearls: Sedation Vacation in the ICU (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.