Glukosemessung bei Diabetes: DDG Praxisempfehlung 2025
Hintergrund
Die DDG-Praxisempfehlung 2025 beschreibt die Glukosemessung als zentrales Element der modernen Diabetestherapie. Sie ermöglicht ein kontinuierliches Selbstmanagement der Betroffenen und ist für die Insulindosisbestimmung unverzichtbar.
Dabei wird zwischen der Selbstmessung der kapillären Blutglukosekonzentration (SMBG) und dem kontinuierlichen Glukosemonitoring (CGM) im Unterhautfettgewebe unterschieden. Beide Methoden erfordern eine strukturierte Schulung der Patienten, um die Daten erfolgreich zur Therapiesteuerung einzusetzen.
Aufgrund physiologischer und technischer Verzögerungen kann es zu Abweichungen zwischen Blut- und Gewebeglukose kommen. Dies wird laut Leitlinie besonders bei raschen Glukoseänderungen sichtbar.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Glukosemessung:
Indikationen für kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM)
Der Einsatz von CGM-Systemen wird für spezifische Patientengruppen empfohlen. Dazu gehören laut Leitlinie:
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Patienten mit Typ-1-Diabetes
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Patienten mit Typ-2-Diabetes unter intensivierter konventioneller Insulintherapie (ICT)
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Personen mit häufigen Hypoglykämien oder Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen
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Schwangere mit vorbestehendem insulinpflichtigem Diabetes
Selbstmessung der kapillären Blutglukose (SMBG)
Auch bei Nutzung von CGM- oder AID-Systemen (Automated Insulin Delivery) wird die Bereitstellung von Blutzuckerteststreifen empfohlen. Eine kapilläre Messung ist laut Leitlinie erforderlich, wenn die Sensorwerte nicht zum Befinden passen oder technische Probleme auftreten.
Die empfohlene Messfrequenz richtet sich nach der jeweiligen Therapieform. Die Leitlinie gibt hierfür folgende Richtwerte vor:
| Diabetestyp und Therapie | Empfohlene Messfrequenz | Messzeitpunkte |
|---|---|---|
| Typ 1 (ICT/Insulinpumpe) | Mindestens 4-mal täglich | Präprandial, ggf. postprandial, vor dem Schlafengehen |
| Typ 1 (Kinder/Jugendliche) | Mindestens 5-mal täglich | Präprandial, postprandial, vor dem Schlafengehen, nachts |
| Typ 2 (ICT) | Mindestens 4-mal täglich | Präprandial, ggf. postprandial, vor dem Schlafengehen |
| Typ 2 (BOT) | 1-mal pro Woche | Präprandial nüchtern, vor dem Schlafengehen |
| Schwangerschaft (Typ 1/Typ 2) | Mindestens 7-mal täglich | Präprandial, postprandial, vor dem Schlafengehen, nachts |
Zielwerte für CGM-Parameter
Für die Auswertung von CGM-Daten wird die Nutzung des ambulanten Glukoseprofils (AGP) empfohlen. Die Leitlinie definiert folgende internationale Zielwerte für die abgeleiteten Parameter:
| Parameter | Definition | Zielwert |
|---|---|---|
| Time-in-Range (TiR) | 70–180 mg/dl (3,9–10,0 mmol/l) | > 70 % |
| Time-below-Range (TbR) | < 70 mg/dl (< 3,9 mmol/l) | < 4 % |
| Time-above-Range (TaR) | > 180 mg/dl (> 10,0 mmol/l) | < 25 % |
| Glykämische Variabilität | Variationskoeffizient (VK) | ≤ 36 % |
HbA1c-Messung und Störfaktoren
Der HbA1c-Wert bleibt laut Leitlinie der entscheidende Surrogatparameter für das Risiko mikrovaskulärer Komplikationen. Es wird eine vierteljährliche Messung empfohlen.
Verschiedene Faktoren können die Erythrozytenlebensdauer verändern und den HbA1c-Wert verfälschen. Die Leitlinie nennt folgende physiologische Einflussfaktoren:
| Einflussfaktor | Auswirkung auf HbA1c | Beispiele |
|---|---|---|
| Vermehrte Erythrozytenbildung | Falsch niedrig | Schwangerschaft, Blutverluste, Gabe von Erythropoetin |
| Verlangsamte Erythrozytenbildung | Falsch hoch | Eisenmangelanämie |
| Verfrühter Erythrozytenabbau | Falsch niedrig | Hämolytische Anämie |
| Verspäteter Erythrozytenabbau | Falsch hoch | Splenektomie, aplastische Anämie |
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, sich bei Diskrepanzen zwischen Symptomatik und CGM-Wert blind auf den Sensor zu verlassen. Es wird empfohlen, bei unplausiblen Anzeigen oder Symptomen einer Hypoglykämie stets eine kapilläre Blutzuckermessung durchzuführen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass mechanischer Druck auf den Sensor (z. B. durch Liegen in der Nacht) falsch niedrige Werte erzeugen kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt bei einer basalunterstützten oralen Therapie (BOT) eine Messung einmal pro Woche. Diese sollte präprandial nüchtern sowie vor dem Schlafengehen erfolgen.
Es wird ein Zielwert von über 70 Prozent der Zeit im Bereich von 70 bis 180 mg/dl empfohlen. Dies entspricht mehr als 16 Stunden und 48 Minuten pro Tag.
Eine kapilläre Messung wird empfohlen, wenn die Symptome des Patienten nicht mit den angezeigten Sensorwerten übereinstimmen. Auch bei technischen Problemen oder zur Kalibrierung bestimmter Systeme ist sie laut Leitlinie notwendig.
Laut Leitlinie führen Zustände mit verkürzter Erythrozytenlebensdauer zu falsch niedrigen Werten. Dazu zählen unter anderem hämolytische Anämien, Blutverluste oder eine Schwangerschaft.
Die Verordnung darf gemäß G-BA-Beschluss nur durch Fachärzte mit der Anerkennung als Diabetologe DDG oder einer vergleichbaren Qualifikation erfolgen. Dazu zählen Endokrinologen sowie entsprechend weitergebildete Allgemein- und Kinderärzte.
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Quelle: DDG: PE_Glukosemessung pdf (DDG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.