Dammschutztechniken: Prävention von Dammverletzungen
Hintergrund
Postpartale Blutungen (PPH) und Dammrisse sind häufige Komplikationen bei vaginalen Geburten. PPH ist weltweit für einen großen Teil der mütterlichen Todesfälle verantwortlich.
Verschiedene Dammschutztechniken werden in der Austreibungsphase eingesetzt, um Gewebeverletzungen und Blutverluste zu minimieren. Dazu gehören unter anderem warme Kompressen, Dammmassagen oder die "Hands-off"-Methode.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2024 bewertet die Evidenz dieser Techniken. Ziel ist es, deren Wirksamkeit hinsichtlich der Reduktion von Dammtraumata und PPH zu vergleichen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die Evidenz zu verschiedenen Dammschutztechniken zusammen. Insgesamt wird die Datenlage als sehr unsicher eingestuft.
Vergleich der Dammschutztechniken
Die folgende Tabelle fasst die im Review beschriebenen Effekte der wichtigsten Interventionen im Vergleich zur Standardversorgung zusammen:
| Intervention | Effekt auf Dammrisse (2. Grad) | Effekt auf schwere Dammrisse (3./4. Grad) | Perineale Schmerzen |
|---|---|---|---|
| Warme Kompressen | Geringer bis kein Unterschied | Wahrscheinliche Reduktion | Starke Verringerung |
| Dammmassage | Geringer bis kein Unterschied | Sehr unsichere Evidenz | Geringer bis kein Unterschied |
| Hands off (vs. Hands on) | Geringer bis kein Unterschied | Geringer bis kein Unterschied | Geringer bis kein Unterschied |
| Tönen (Vocalisation) | Mögliche Reduktion | Mögliche Reduktion | Sehr unsichere Evidenz |
| Kompresse + Massage | Wahrscheinliche Reduktion | Sehr unsichere Evidenz | Keine Daten |
Detaillierte Erkenntnisse
Laut Review führen warme Kompressen im Vergleich zur Standardversorgung wahrscheinlich zu einer Reduktion von Dammrissen dritten oder vierten Grades (moderate Vertrauenswürdigkeit). Zudem wird eine starke Verringerung der Schmerzen am Perineum beschrieben.
Die alleinige Dammmassage hat laut den Autor:innen möglicherweise nur eine geringe oder keine Wirkung auf Dammrisse zweiten Grades. Hinsichtlich Dammrissen dritten Grades ist die Evidenz sehr unsicher.
Der Review zeigt, dass die "Hands off"-Technik im Vergleich zur "Hands on"-Technik zu keinem wesentlichen Unterschied bei Dammrissen führt. Auch bei postpartalen Blutungen (PPH ≥ 500 ml) lässt sich kein relevanter Unterschied feststellen.
Für andere untersuchte Methoden liefert der Review folgende Erkenntnisse:
-
Tönen (Vocalisation): Kann möglicherweise Dammrisse reduzieren und die mütterliche Zufriedenheit erhöhen.
-
Kombination aus Kompressen und Massage: Führt wahrscheinlich zu einer Verringerung von Dammrissen zweiten Grades.
-
Ritgen-Hinterdammgriff: Die Evidenz zur Wirksamkeit ist sehr unsicher.
Schlussfolgerungen für die Praxis
Es gibt laut Review keine Evidenz dafür, dass eine bestimmte Dammschutztechnik allen anderen überlegen ist. Die Autor:innen betonen den Bedarf an weiteren, qualitativ hochwertigen Studien, die auch unerwünschte Ereignisse erfassen.
💡Praxis-Tipp
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenz für die meisten Dammschutztechniken sehr unsicher und keine Methode zeigt eine eindeutige Überlegenheit. Es wird jedoch hervorgehoben, dass warme Dammkompressen wahrscheinlich schwere Dammrisse (Grad 3 und 4) sowie perineale Schmerzen reduzieren können.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine Evidenz dafür, dass eine bestimmte Technik allen anderen überlegen ist. Die Datenlage zur Wirksamkeit der meisten Methoden wird als sehr unsicher eingestuft.
Der Review zeigt, dass warme Dammkompressen wahrscheinlich zu einer Reduktion von schweren Dammrissen (dritten und vierten Grades) führen. Zudem wird eine starke Verringerung der perinealen Schmerzen beschrieben.
Es lässt sich laut Review kein wesentlicher Unterschied zwischen der "Hands off"- und der "Hands on"-Technik feststellen. Weder bei der Häufigkeit von Dammrissen noch bei postpartalen Blutungen zeigten sich signifikante Abweichungen.
Die Evidenz zur Dammmassage während der Austreibungsphase ist sehr unsicher. Der Review geht davon aus, dass sie möglicherweise nur eine geringe oder gar keine Wirkung auf Dammrisse zweiten Grades hat.
Laut den Autor:innen kann Tönen möglicherweise zu einer Verringerung von Dammrissen zweiten und dritten Grades führen. Die Konfidenzintervalle der Studien sind jedoch sehr breit, sodass auch ein fehlender Effekt möglich ist.
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Quelle: Cochrane Review: Perineal techniques during the second stage of labour for reducing perineal trauma and postpartum complications (Cochrane, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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