Dacomitinib bei NSCLC: Therapie bei EGFR-Mutationen
Hintergrund
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Zusatznutzen von Dacomitinib bewertet. Der Wirkstoff wird zur Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden EGFR-Mutationen eingesetzt.
Für die Bewertung wurden zwei Patientengruppen unterschieden. Die erste Gruppe umfasst Personen mit den aktivierenden EGFR-Mutationen L858R oder del 19. Die zweite Gruppe schließt Patientinnen und Patienten mit anderen aktivierenden EGFR-Mutationen ein.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie für die erste Gruppe diente Gefitinib. Für die zweite Gruppe legte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine patientenindividuelle Therapie fest.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Ergebnisse zur Nutzenbewertung:
NSCLC mit EGFR-Mutationen L858R oder del 19
Für diese Patientengruppe stützt sich die Bewertung auf die randomisierte, offene Studie ARCHER 1050, in der Dacomitinib mit Gefitinib verglichen wurde. Laut Bericht zeigen sich folgende Effekte:
-
Gesamtüberleben: Es gibt einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen durch einen statistisch signifikanten Vorteil für Dacomitinib.
-
Morbidität und Lebensqualität: Es werden zahlreiche Anhaltspunkte für einen geringeren Nutzen festgestellt. Dies betrifft unter anderem Symptome wie Diarrhö, wunden Mund, Dysphagie und Alopezie sowie den globalen Gesundheitsstatus.
-
Nebenwirkungen: Es zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden bei schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3), insbesondere bei Hauterkrankungen wie Dermatitis akneiform.
NSCLC mit anderen aktivierenden EGFR-Mutationen
Für Patientinnen und Patienten mit anderen aktivierenden EGFR-Mutationen als L858R oder del 19 wurden keine Daten vorgelegt. Ein Zusatznutzen ist für diese Gruppe laut Bericht nicht belegt.
Gesamtfazit zum Zusatznutzen
In der Gesamtabwägung für die Mutationen L858R oder del 19 heben die Vielzahl und das hohe Ausmaß der negativen Effekte den positiven Effekt beim Gesamtüberleben auf. Das IQWiG kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Dacomitinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie für beide Fragestellungen nicht belegt ist.
Dosierung
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Dacomitinib | 45 mg 1-mal täglich (oral) | Erstlinienbehandlung bei NSCLC mit aktivierenden EGFR-Mutationen |
Laut Fachinformation kann bei unannehmbarer Toxizität eine stufenweise Dosisreduktion erfolgen. Die Dosis wird dabei zunächst auf 30 mg und bei weiterem Bedarf auf 15 mg täglich reduziert.
Kontraindikationen
Gemäß den Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung bestehen folgende Gegenanzeigen und Warnhinweise:
-
Überempfindlichkeit gegen Dacomitinib oder einen der sonstigen Bestandteile
-
Warnhinweise bezüglich interstitieller Lungenerkrankung (ILD)/Pneumonitis, Diarrhö, Hautreaktionen und Lebertoxizität
-
Die Anwendung während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen
-
Für die Anwendung bei Kindern unter 18 Jahren liegen keine Daten vor
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht betont, dass unter Dacomitinib zwar ein Vorteil im Gesamtüberleben beobachtet wurde, dieser jedoch mit einem früheren und häufigeren Eintreten von Symptomverschlechterungen und schweren Nebenwirkungen einhergeht. Es wird hervorgehoben, dass Hauttoxizitäten und Diarrhö signifikant häufiger auftreten als unter Gefitinib, weshalb ein proaktives Nebenwirkungsmanagement essenziell ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Nutzenbewertung ist ein Zusatznutzen von Dacomitinib in der Erstlinientherapie des NSCLC mit EGFR-Mutationen nicht belegt. Die negativen Effekte bei Nebenwirkungen und Lebensqualität wiegen den beobachteten Überlebensvorteil auf.
Der Bericht zeigt einen höheren Schaden durch schwere unerwünschte Ereignisse im Vergleich zu Gefitinib. Dazu zählen insbesondere Diarrhö, Paronychie und Hauterkrankungen wie Dermatitis akneiform.
Die empfohlene Standarddosis beträgt 45 mg einmal täglich oral. Bei unannehmbarer Toxizität kann die Dosis stufenweise auf 30 mg oder 15 mg reduziert werden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A19-39: Dacomitinib (nicht kleinzelliges Lungenkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A24-77: Osimertinib (NSCLC, Kombination mit Pemetrexed und platinhaltiger Chemotherapie) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A13-41: Afatinib - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung)
IQWiG A17-20: Osimertinib (NSCLC) - Nutzenbewertung gemäß §35a SGB V
IQWiG A21-86: Osimertinib (NSCLC) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A15-17: Afatinib - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung)
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen