COVID-19 bei Gesundheitspersonal: Schutz & Management
Hintergrund
Gesundheitspersonal weist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion auf. Laut der WHO-Leitlinie findet die Übertragung sowohl in Akutkrankenhäusern und Langzeitpflegeeinrichtungen als auch im häuslichen Umfeld statt.
Die Prävention von Infektionen erfordert einen mehrgleisigen Ansatz. Dieser kombiniert Maßnahmen der Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) mit Programmen für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (OHS).
Eine angemessene Personalausstattung, regelmäßige Schulungen sowie die korrekte Nutzung persönlicher Schutzausrüstung (PSA) sind mit einem verringerten Infektionsrisiko assoziiert. Die Leitlinie betont zudem die Wichtigkeit einer fehlerverzeihenden Meldekultur ohne Schuldzuweisungen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für Gesundheitseinrichtungen:
Prävention und Arbeitsschutz
Es wird empfohlen, auf Einrichtungs- und nationaler Ebene strukturierte Programme zur Infektionsprävention (IPC) und zum Arbeitsschutz (OHS) zu etablieren. Eine angemessene klinische Personalausstattung wird als Kernkomponente zur Vermeidung nosokomialer Übertragungen hervorgehoben.
Zur Reduktion des Übertragungsrisikos empfiehlt die Leitlinie folgende Maßnahmen:
-
Frühzeitige Triage und Isolierung von Verdachtsfällen
-
Konsequente Anwendung von Standardvorsichtsmaßnahmen, insbesondere Händehygiene
-
Universelles Tragen von medizinischen Masken durch das Personal in allen klinischen und gemeinsamen Bereichen
-
Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit passender persönlicher Schutzausrüstung (PSA)
Syndromische Überwachung (Surveillance)
Die Leitlinie rät zur Implementierung einer syndromischen Überwachung des Personals vor Betreten des Arbeitsplatzes. Die Intensität der Überwachung sollte an das lokale Transmissionsgeschehen angepasst werden.
| Transmissionsszenario | Empfohlene Überwachungsstrategie |
|---|---|
| Keine oder sporadische Fälle | Passive Überwachung (Selbstmeldung von Symptomen durch das Personal) |
| Fallcluster | Passive Überwachung, bei verfügbaren Ressourcen aktive Überwachung erwägen |
| Übertragung in der Bevölkerung | Aktive Überwachung (tägliches Screening und Temperaturkontrolle vor Schichtbeginn) |
Teststrategien
Es wird empfohlen, nationale und lokale Teststrategien für das Gesundheitspersonal zu entwickeln. Bei begrenzten Ressourcen in Gebieten mit Übertragung in der Bevölkerung sollte das Gesundheitspersonal bei der Testung priorisiert werden.
Die Leitlinie empfiehlt eine routinemäßige Testung des Personals in Langzeitpflegeeinrichtungen. Sobald ein positiver Fall bei Bewohnern oder Personal auftritt, sollte das gesamte Personal getestet werden.
Management nach Exposition
Das Management von Mitarbeitern nach einer Exposition sollte auf einer strukturierten Risikobewertung basieren. Es wird zwischen Expositionen mit geringem Risiko (korrekte PSA getragen) und hohem Risiko (fehlende oder fehlerhafte PSA) unterschieden.
| Expositionsrisiko | Symptomstatus | Empfohlenes Vorgehen laut Leitlinie |
|---|---|---|
| Geringes Risiko (mit korrekter PSA) | Asymptomatisch | Weiterarbeiten unter Einhaltung der IPC-Maßnahmen, Selbstbeobachtung für 14 Tage |
| Geringes Risiko (mit korrekter PSA) | Symptomatisch | Selbstisolation, Testung auf SARS-CoV-2, Kontaktverfolgung bei positivem Ergebnis |
| Hohes Risiko (ohne/mit fehlerhafter PSA) | Asymptomatisch | Quarantäne für 14 Tage nach letzter Exposition, Testung auf SARS-CoV-2 |
| Hohes Risiko (ohne/mit fehlerhafter PSA) | Symptomatisch | Selbstisolation, Testung auf SARS-CoV-2, Kontaktverfolgung |
Rückkehr an den Arbeitsplatz
Für die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einer bestätigten SARS-CoV-2-Infektion gelten spezifische Kriterien. Die Entscheidung sollte individuell in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsschutz getroffen werden.
Die Leitlinie empfiehlt folgende Kriterien für die Beendigung der Isolation:
-
Bei symptomatischen Personen: Frühestens 10 Tage nach Symptombeginn, zuzüglich mindestens 3 weiterer Tage ohne Symptome (inklusive Fieberfreiheit).
-
Bei asymptomatischen Personen: 10 Tage nach dem ersten positiven Test.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die Etablierung einer fehlerverzeihenden Meldekultur essenziell, um das Gesundheitspersonal zur Meldung von ungeschützten Expositionen zu ermutigen. Es wird betont, dass arbeitsrechtliche Nachteile oder finanzielle Einbußen bei Quarantäne oder Krankheit zwingend vermieden werden sollten, da dies die Compliance bei der Symptomüberwachung gefährdet.
Häufig gestellte Fragen
Die WHO-Leitlinie empfiehlt eine Rückkehr an den Arbeitsplatz frühestens 10 Tage nach Symptombeginn. Zusätzlich müssen mindestens 3 weitere Tage ohne Symptome (einschließlich Fieberfreiheit ohne fiebersenkende Mittel) vergangen sein.
Bei lokaler Cluster- oder Übertragung in der Bevölkerung wird eine aktive syndromische Überwachung empfohlen. Dies beinhaltet laut Leitlinie eine tägliche Temperaturkontrolle und Symptomabfrage vor Schichtbeginn.
Als Hochrisiko-Exposition gilt laut Leitlinie unter anderem die direkte Patientenversorgung ohne angemessene Schutzausrüstung oder bei beschädigter Ausrüstung. Auch der ungeschützte Kontakt zu infizierten Kollegen (über 15 Minuten, unter 1 Meter Abstand) fällt in diese Kategorie.
Es wird empfohlen, alle Kontaktpersonen mit einer Hochrisiko-Exposition auf SARS-CoV-2 zu testen, unabhängig vom Vorliegen von Symptomen. Bei begrenzten Ressourcen sollte das Gesundheitspersonal laut Leitlinie bei der Testung priorisiert werden.
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Quelle: Prevention, identification and management of health worker infection in the context of COVID-19 (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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