Posteriore Rekonstruktion bei RALP: Cochrane Review
Hintergrund
Die verzögerte Wiedererlangung der Harnkontinenz ist eine wesentliche Nebenwirkung der roboterassistierten laparoskopischen Prostatektomie (RALP) bei lokalisiertem Prostatakarzinom. Zur Verbesserung der Kontinenz wurden verschiedene chirurgische Techniken zur Rekonstruktion des posterioren Rhabdosphinkters entwickelt.
Ein aktueller Cochrane Review aus dem Jahr 2021 analysiert die Wirksamkeit der posterioren muskulo-faszialen Rekonstruktion während der RALP. Die Meta-Analyse schließt acht randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 1085 Teilnehmern ein.
Die eingeschlossenen Männer wiesen ein Prostatakarzinom im klinischen Stadium cT1c, cT2 oder cT3a auf. Der durchschnittliche PSA-Wert der Kohorte lag bei 8,15 ng/ml.
Empfehlungen
Der Review liefert folgende zentrale Ergebnisse zum Vergleich zwischen RALP mit und ohne posteriore Rekonstruktion (PR-RALP):
Vergleich der klinischen Endpunkte
| Endpunkt | Zeitpunkt | Effekt der posterioren Rekonstruktion | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Harnkontinenz | 1 Woche nach Katheterzug | Mögliche Verbesserung (RR 1,25) | Niedrig |
| Harnkontinenz | 3 Monate postoperativ | Kaum bis kein Unterschied (RR 0,98) | Niedrig |
| Harnkontinenz | 12 Monate postoperativ | Kaum bis kein Unterschied (RR 1,02) | Niedrig |
| Potenz | 12 Monate postoperativ | Sehr unsicherer Effekt (RR 1,02) | Sehr niedrig |
| Positive Absetzungsränder | - | Kaum bis kein Unterschied (RR 1,24) | Niedrig |
| Biochemisches Rezidiv | - | Kaum bis kein Unterschied (RR 1,36) | Niedrig |
| Schwere unerwünschte Ereignisse | - | Wahrscheinlich kein Unterschied (RR 0,75) | Moderat |
Frühzeitige und langfristige Kontinenz
Die posteriore Rekonstruktion führt laut Review möglicherweise zu einer verbesserten Harnkontinenz in der ersten Woche nach der Katheterentfernung (niedrige Evidenz). Langfristig zeigt sich nach drei und zwölf Monaten jedoch kein signifikanter Vorteil gegenüber der Standard-RALP.
Onkologische Sicherheit und Komplikationen
Es wird berichtet, dass die Technik wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Rate schwerer unerwünschter Ereignisse hat (moderate Evidenz). Auch bei den positiven chirurgischen Absetzungsrändern (PSM) und dem biochemischen Rezidiv zeigt sich kaum bis kein Unterschied.
Einschränkungen der Evidenz
Die Autoren betonen, dass die Sicherheit der Evidenz aufgrund von Studienlimitationen, Ungenauigkeiten und Inkonsistenzen herabgestuft wurde. Es bleibt zudem unklar, wie Faktoren wie Alter, nervenschonende Operationstechnik oder das klinische Stadium die Ergebnisse beeinflussen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Aufklärung über die roboterassistierte laparoskopische Prostatektomie (RALP) sollte kommuniziert werden, dass eine posteriore Rekonstruktion die Frühkontinenz direkt nach Katheterzug verbessern kann. Für die langfristige Kontinenz nach drei oder zwölf Monaten ist laut aktueller Datenlage jedoch kein relevanter Zusatznutzen zu erwarten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es Hinweise auf eine verbesserte Frühkontinenz eine Woche nach der Katheterentfernung. Nach drei und zwölf Monaten zeigt sich jedoch kaum bis kein Unterschied zur Standard-RALP.
Die Auswirkungen auf die Wiedererlangung der Potenz nach zwölf Monaten sind laut den Studiendaten sehr unsicher. Die Evidenzqualität für diesen Endpunkt wird als sehr niedrig eingestuft.
Der Review zeigt, dass die posteriore Rekonstruktion wahrscheinlich zu keinem relevanten Unterschied bei den positiven chirurgischen Absetzungsrändern führt. Auch das Risiko für ein biochemisches Rezidiv wird nicht signifikant beeinflusst.
Es wird berichtet, dass die Rate an schweren unerwünschten Ereignissen durch die zusätzliche Rekonstruktion wahrscheinlich nicht beeinflusst wird. Die Evidenz für diese Aussage ist von moderater Qualität.
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Quelle: Cochrane Review: Posterior musculofascial reconstruction in robotic-assisted laparoscopic prostatectomy for the treatment of clinically localized prostate cancer (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.