Distale Radiusfraktur: Cochrane Review zur perkutanen Spickung
Hintergrund
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2020 untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit der perkutanen Spickung bei distalen Radiusfrakturen bei Erwachsenen. Der Fokus liegt dabei primär auf dorsal dislozierten Frakturen.
Die perkutane Spickung, bei der Drähte durch die Haut zur Frakturstabilisierung eingebracht werden, ist eine gängige chirurgische Methode. Der Review schließt 26 Studien mit insgesamt 1946 Teilnehmern ein, bei denen es sich überwiegend um ältere Frauen handelte.
Die methodische Qualität der eingeschlossenen Studien wird insgesamt als sehr niedrig eingestuft. Es besteht ein hohes Verzerrungsrisiko, weshalb die Evidenz für viele Endpunkte unzureichend ist und keine definitiven Schlüsse gezogen werden können.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert aufgrund der sehr niedrigen Evidenzqualität keine definitiven Behandlungsempfehlungen. Es werden jedoch folgende vergleichende Erkenntnisse dargestellt:
Perkutane Spickung versus Gipsverband
Es ist ungewiss, ob die perkutane Spickung im Vergleich zum alleinigen Gipsverband einen Unterschied bezüglich der patientenberichteten Funktion oder Lebensqualität macht (sehr niedrige Evidenzqualität).
Die Auswertung der Studien zeigt unterschiedliche Schwerpunkte bei den Komplikationen:
| Behandlungsart | Häufigste spezifische Komplikation | Durchschnittliche Häufigkeit |
|---|---|---|
| Gipsverband (allein) | Redislokation mit nötiger Sekundärbehandlung | 12 % (Range 3,3 - 75 %) |
| Perkutane Spickung | Pin-Trakt-Infektion (antibiotikapflichtig) | 7,7 % (Range 0 - 15 %) |
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Fingersteifigkeit nach Gipsabnahme war in zwei Studien nach einer Spickung seltener (20 % vs. 36 %).
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Die therapeutischen Konsequenzen dieser geringeren Fingersteifigkeit bleiben jedoch unklar.
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Der Einfluss der Spickung auf die Griffstärke nach 12 Monaten oder das Auftreten eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) ist ungewiss.
Spickmethoden und Materialien
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Der Review warnt vor der Verwendung von biodegradablen Pins, da diese mit erhöhten chirurgischen Anforderungen und schweren osteolytischen Reaktionen assoziiert sind.
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Beim Vergleich von versenkten versus freiliegenden Drahtenden ist ungewiss, ob das Versenken oberflächliche Infektionen reduziert.
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Es gibt Hinweise (niedrige Evidenzqualität), dass versenkte Drähte ein invasiveres Vorgehen bei der Materialentfernung erfordern.
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Bei der Kapandji-Spickung bleibt ungewiss, ob das Risiko für Symptome des N. radialis superficialis oder ein CRPS im Vergleich zur transstyloidalen Fixation leicht erhöht ist.
Nachbehandlung
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Die Evidenz reicht nicht aus, um die Effekte einer Ruhigstellung in Dorsalextension versus Palmarflexion zu beurteilen.
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Ebenso bleibt der Nutzen einer frühen Mobilisation (nach einer Woche) gegenüber einer längeren Gipsruhigstellung (vier bis sechs Wochen) nach der Spickung ungewiss.
Kontraindikationen
Der Review weist auf schwerwiegende Komplikationen bei der Verwendung von biodegradablen Pins hin.
Es wird von schweren osteolytischen Reaktionen berichtet, weshalb diese Materialien mit besonderen Risiken verbunden sind.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass bei der Entscheidung zwischen Gipsverband und perkutaner Spickung die unterschiedlichen Komplikationsprofile abgewogen werden müssen. Während bei der konservativen Therapie häufiger Redislokationen (ca. 12 %) auftreten, die eine Sekundärbehandlung erfordern, ist die Spickung mit dem Risiko von Pin-Trakt-Infektionen (ca. 7,7 %) verbunden. Zudem wird auf die potenziell invasivere Materialentfernung bei versenkten Drahtenden hingewiesen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die aktuelle Studienlage unzureichend, um eine Überlegenheit der Spickung hinsichtlich Funktion oder Lebensqualität zu belegen. Es zeigen sich lediglich unterschiedliche Komplikationsrisiken wie Redislokationen beim Gips und Infektionen bei der Spickung.
Der Review berichtet, dass Pin-Trakt-Infektionen, die eine Antibiotikagabe erfordern, bei durchschnittlich 7,7 % der behandelten Personen auftreten. Oftmals machen diese Infektionen eine vorzeitige Drahtentfernung notwendig.
Es ist laut Review ungewiss, ob das Versenken der Drähte das Risiko für oberflächliche Infektionen senkt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass versenkte Drähte ein invasiveres Vorgehen bei der späteren Materialentfernung erfordern.
Der Review warnt vor dem Einsatz biodegradabler Pins. Diese sind mit höheren chirurgischen Anforderungen und einem Überschuss an schweren Komplikationen, wie schweren osteolytischen Reaktionen, verbunden.
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Quelle: Cochrane Review: Percutaneous pinning for treating distal radial fractures in adults (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.