Schilddrüsen-OP: IONM vs. visuelle Nervidentifikation
Hintergrund
Verletzungen des rückläufigen Kehlkopfnervs (Nervus laryngeus recurrens) stellen eine wesentliche Komplikation bei Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperationen dar. Eine Schädigung kann zu vorübergehender oder dauerhafter Stimmbandlähmung, Sprachstörungen und Atembeschwerden führen.
Die visuelle Identifizierung des Nervs gilt traditionell als Standardverfahren, um Verletzungen während des Eingriffs zu vermeiden. In jüngerer Zeit wird zunehmend das intraoperative Neuromonitoring (IONM) eingesetzt.
Beim IONM wird der Nerv mithilfe einer Elektrode stimuliert, wobei die Muskelreaktion in ein akustisches und visuelles Signal umgewandelt wird. Dies soll dem Chirurgen helfen, den Nerv leichter zu lokalisieren und seine funktionelle Integrität zu überprüfen.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass ein intaktes Neuromonitoring-Signal am Ende der Operation einen sehr hohen negativen prädiktiven Wert (97-99 %) für eine normale Stimmbandfunktion besitzt. Ein Signalverlust bedeutet jedoch nicht zwingend eine Nervschädigung, da der positive prädiktive Wert für eine tatsächliche Lähmung in den Studien lediglich bei 33-37 % lag.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es keine verlässliche Evidenz dafür, dass das intraoperative Neuromonitoring das Risiko einer dauerhaften Lähmung im Vergleich zur rein visuellen Identifikation signifikant senkt. Beide Verfahren weisen ähnliche Komplikationsraten auf.
Die Meta-Analyse zeigt keinen signifikanten Unterschied in der Operationsdauer. Im Durchschnitt dauerte der Eingriff mit Neuromonitoring lediglich 5,5 Minuten länger als bei der rein visuellen Methode.
Der Review legt nahe, dass das Verfahren besonders bei anatomischen Variationen, Revisionsoperationen oder bei Chirurgen mit geringerem Operationsvolumen von Nutzen sein kann. Die Entscheidung hängt von der Erfahrung des Chirurgen und den verfügbaren Ressourcen ab.
In den eingeschlossenen Studien wurden keine signifikanten Unterschiede bei unerwünschten Ereignissen wie dem vorübergehenden Hypoparathyreoidismus festgestellt. Das Verfahren gilt allgemein als ebenso sicher wie die visuelle Nervidentifikation.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Intraoperative neuromonitoring versus visual nerve identification for prevention of recurrent laryngeal nerve injury in adults undergoing thyroid surgery (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: Interventions for the treatment of oral cavity and oropharyngeal cancers: surgical treatment
Cochrane Review: Minimally invasive parathyroidectomy guided by intraoperative parathyroid hormone monitoring (IOPTH) and preoperative imaging versus
Cochrane Review: Extended versus standard lymph node dissection for urothelial carcinoma of the bladder in patients undergoing radical cystectomy
Cochrane Review: Surgical versus non-surgical treatment for carpal tunnel syndrome
Cochrane Review: Local corticosteroid injection versus surgery for carpal tunnel syndrome
Cochrane Review: Treatments for Morton's neuroma
Cochrane Review: Transient neurological symptoms (TNS) following spinal anaesthesia with lidocaine versus other local anaesthetics in adult surgical patients: a network meta-analysis
Cochrane Review: Deep brain stimulation for dystonia
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen