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Neuromonitoring bei Schilddrüsen-OP: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Verletzungen des Stimmnervs (Nervus laryngeus recurrens) gehören zu den wesentlichen Komplikationen bei Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenoperationen. Eine Schädigung kann zu einer vorübergehenden oder dauerhaften Stimmbandlähmung führen, was mit Sprachstörungen und Atembeschwerden einhergeht.

Die visuelle Identifizierung des Nervs gilt traditionell als Standardverfahren zur Vorbeugung solcher Verletzungen. Um die Lokalisation während der Operation zu erleichtern, wird zunehmend das intraoperative Neuromonitoring (IONM) eingesetzt.

Beim IONM wird der Nerv mittels einer Elektrode am Endotrachealtubus stimuliert. Das elektrische Feld wird dabei in ein akustisches und optisches Signal umgewandelt, um die Nervenfunktion in Echtzeit zu überwachen und den Chirurgen bei der Präparation zu unterstützen.

Empfehlungen

Der Cochrane Review (2019) analysiert die Evidenz zum intraoperativen Neuromonitoring (IONM) im Vergleich zur rein visuellen Nervidentifikation. Es werden folgende zentrale Ergebnisse beschrieben:

Klinische Endpunkte

Laut den analysierten Studien lässt sich kein signifikanter Vorteil des IONM bezüglich der Vermeidung von Stimmnervverletzungen nachweisen. Dies gilt sowohl für permanente als auch für vorübergehende Lähmungen.

Die Autoren betonen, dass die Sicherheit der zugrundeliegenden Evidenz sehr niedrig ist. Es traten zudem keine wesentlichen Unterschiede bei der Operationsdauer oder bei unerwünschten Ereignissen wie dem Hypoparathyreoidismus auf.

Vergleich der Verfahren

Die folgende Tabelle fasst die Risiken der beiden Verfahren basierend auf den gepoolten Studiendaten zusammen:

EndpunktVisuelle IdentifikationIntraoperatives NeuromonitoringEvidenzgrad
Permanente Lähmung9 pro 10007 pro 1000Sehr niedrig
Vorübergehende Lähmung36 pro 100022 pro 1000Sehr niedrig
Hypoparathyreoidismus122 pro 1000153 pro 1000Sehr niedrig

Anwendung in der Praxis

Der Review kommt zu dem Schluss, dass der Einsatz des IONM generell ebenso sicher ist wie die alleinige visuelle Nervidentifikation. Die Wahl der Technik hängt laut den Autoren von den technischen Ressourcen und der Erfahrung des Chirurgen ab.

Es wird darauf hingewiesen, dass das IONM besonders in komplexen Situationen hilfreich sein kann. Dazu zählen:

  • Revisionsoperationen an der Schilddrüse

  • Vorliegen von anatomischen Variabilitäten

  • Eingriffe bei Schilddrüsenkarzinomen mit Lymphknotendissektion

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💡Praxis-Tipp

Laut dem Review profitieren möglicherweise besonders Chirurgen mit geringerem Operationsvolumen vom intraoperativen Neuromonitoring, um die Verletzungsrate zu senken. Bei erfahrenen Schilddrüsenchirurgen zeigt das IONM hingegen oft keine signifikante Verbesserung der ohnehin sehr niedrigen Komplikationsraten. Es wird zudem betont, dass ein intaktes Signal am Operationsende ein sehr verlässlicher Prädiktor für eine intakte Stimmbandfunktion ist (hoher negativer prädiktiver Wert).

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review gibt es keine schlüssige Evidenz dafür, dass IONM das Risiko für permanente oder vorübergehende Lähmungen im Vergleich zur visuellen Identifikation signifikant senkt. Die Sicherheit der Evidenz wird aufgrund von Studienlimitierungen als sehr niedrig eingestuft.

Die analysierten Studien zeigen keinen wesentlichen Unterschied in der Operationsdauer. Im Durchschnitt dauerte der Eingriff mit IONM lediglich 5,5 Minuten länger, was statistisch nicht ins Gewicht fällt.

Ein intaktes Signal am Ende der Operation hat laut den zitierten Studien einen sehr hohen negativen prädiktiven Wert von 97 bis 99 Prozent. Dies bedeutet, dass die Stimmbandfunktion bei intaktem Signal fast immer erhalten bleibt.

Der Review erwähnt mögliche verfahrensbedingte Komplikationen durch den speziellen Tubus und die Elektroden. Dazu gehören unter anderem Halsschmerzen, pharyngeales Unbehagen, Heiserkeit oder Verletzungen der Mundschleimhaut.

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Quelle: Cochrane Review: Intraoperative neuromonitoring versus visual nerve identification for prevention of recurrent laryngeal nerve injury in adults undergoing thyroid surgery (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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