Gesichtsfeldausfälle nach Schlaganfall: Cochrane Review
Hintergrund
Gesichtsfeldausfälle betreffen schätzungsweise 20 bis 57 Prozent der Patienten nach einem Schlaganfall. Diese Defizite schränken die funktionelle Fähigkeit bei Alltagsaktivitäten wie Mobilität, Lesen und Autofahren erheblich ein.
Zudem können die Seheinschränkungen die Lebensqualität mindern, die Teilnahme an Rehabilitationsmaßnahmen erschweren und zu Depressionen sowie Angstzuständen führen.
Der vorliegende Cochrane Review untersucht verschiedene Interventionsansätze. Dazu gehören die Restitution (Wiederherstellung), die Kompensation (Verhaltensänderung, z. B. durch visuelles Scannen), die Substitution (Nutzung von Hilfsmitteln wie Prismen) sowie standardisierte Assessments.
Empfehlungen
Der Cochrane Review bewertet die Evidenzlage für verschiedene Interventionen bei Gesichtsfeldausfällen nach einem Schlaganfall wie folgt:
| Interventionstyp | Ansatz | Effekt auf Lebensqualität | Unerwünschte Ereignisse |
|---|---|---|---|
| Restitution | Wiederherstellung des Gesichtsfeldes | Möglicher Effekt (sehr niedrige Evidenz) | Keine ausreichenden Daten |
| Kompensation (Scanning-Training) | Verhaltensänderung | Positiver Effekt (niedrige Evidenz) | Keine signifikante Zunahme |
| Substitution (Prismen) | Hilfsmitteleinsatz | Kein Effekt nachgewiesen | Erhöhtes Risiko (v. a. Kopfschmerzen) |
Kompensatorisches Training (Scanning)
Laut Review gibt es Evidenz von niedriger Qualität, dass ein kompensatorisches Scanning-Training im Vergleich zu einer Kontrollgruppe oder Placebo vorteilhaft für die Lebensqualität ist.
Für andere Endpunkte wie Gesichtsfeldmaße, erweiterte Alltagsaktivitäten oder Lesefähigkeit konnte kein signifikanter Effekt nachgewiesen werden.
Substitutive Interventionen (Prismen)
Die Auswertung zeigt, dass Prismen keinen nachweisbaren Effekt auf Alltagsaktivitäten, Lesefähigkeit, Stürze oder die Lebensqualität haben.
Es gibt jedoch Hinweise von sehr niedriger Qualität, dass der Einsatz von Prismen die visuelle Scanning-Fähigkeit beeinflussen könnte.
Restitutive Interventionen und Assessments
Für restitutive Ansätze zur Wiederherstellung des Gesichtsfeldes reicht die aktuelle Datenlage nicht aus, um allgemeine Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit zu ziehen.
Auch bezüglich des Nutzens von standardisierten Assessments durch Orthoptisten besteht laut Review aufgrund der geringen Qualität und Quantität der Evidenz weiterhin Unklarheit. Es konnte kein Effekt auf Alltagsaktivitäten festgestellt werden.
Kontraindikationen
Der Review formuliert einen Warnhinweis bezüglich substitutiver Interventionen. Es besteht Evidenz von niedriger Qualität für ein erhöhtes Risiko von unerwünschten Ereignissen bei der Verwendung von Prismen.
Als primäre Nebenwirkung bei Personen, die Prismen tragen, werden Kopfschmerzen genannt.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass von den untersuchten Methoden lediglich das kompensatorische Scanning-Training eine gewisse Evidenz für eine Verbesserung der Lebensqualität aufweist. Gleichzeitig wird bei der Verordnung von Prismen auf das erhöhte Risiko für Kopfschmerzen als unerwünschtes Ereignis verwiesen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es Hinweise von niedriger Qualität, dass ein kompensatorisches Scanning-Training die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann. Für andere Therapieansätze reicht die Evidenz derzeit nicht für eine eindeutige Wirksamkeitsbestätigung aus.
Der Review konnte keinen positiven Effekt von Prismen auf Alltagsaktivitäten oder die Lebensqualität nachweisen. Zudem wird berichtet, dass Prismen leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen verursachen können.
Die aktuelle Evidenz zu restitutiven Interventionen, die auf eine Wiederherstellung des Gesichtsfeldes abzielen, ist laut Review unzureichend. Es lassen sich daraus keine verlässlichen Schlussfolgerungen über deren Wirksamkeit ziehen.
Es wird geschätzt, dass etwa 20 bis 57 Prozent der Patienten nach einem Schlaganfall von Gesichtsfeldausfällen betroffen sind. Diese schränken die Mobilität und Alltagsaktivitäten oft stark ein.
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Quelle: Cochrane Review: Interventions for visual field defects in people with stroke (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.