HADS-A bei Angststörungen: Cochrane Review
Hintergrund
Angststörungen weisen eine hohe Prävalenz auf, bleiben im klinischen Alltag jedoch häufig undiagnostiziert. Um die Erkennungsraten zu verbessern, werden in der Praxis regelmäßig Screening-Fragebögen eingesetzt.
Die Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) ist ein weit verbreitetes Instrument. Die zugehörige Angst-Subskala (HADS-A) wurde spezifisch entwickelt, um Angstsymptome zu identifizieren und zu quantifizieren.
Dieser systematische Cochrane Review aus dem Jahr 2025 untersucht die diagnostische Genauigkeit des HADS-A-Fragebogens. Der Fokus liegt auf der Erkennung von jeglichen Angststörungen (AAD), der generalisierten Angststörung (GAD) und der Panikstörung bei Erwachsenen.
Empfehlungen
Der aktuelle Cochrane Review analysiert die Testgenauigkeit des HADS-A-Fragebogens bei einem empfohlenen Cut-off-Wert von >= 8.
Diagnostische Genauigkeit
Die Meta-Analyse zeigt für den Cut-off-Wert von >= 8 unterschiedliche Werte für Sensitivität und Spezifität je nach untersuchter Angststörung. Die diagnostische Güte wird zusätzlich als Fläche unter der Kurve (AUC) zusammengefasst.
| Zielerkrankung | Sensitivität | Spezifität | AUC |
|---|---|---|---|
| Jegliche Angststörung (AAD) | 0,74 | 0,76 | 0,81 |
| Generalisierte Angststörung (GAD) | 0,82 | 0,74 | 0,82 |
| Panikstörung | 0,80 | 0,66 | 0,81 |
Klinische Anwendung und Ressourcen
Die Autoren des Reviews veranschaulichen die praktischen Auswirkungen an einer beispielhaften Kohorte von 1000 Personen mit einer Prävalenz von 17 % für jegliche Angststörung. Bei Anwendung des Cut-offs von >= 8 ergeben sich laut Analyse folgende Konsequenzen:
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Es werden 325 Personen positiv getestet, wovon 199 falsch-positiv sind.
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Es werden 675 Personen negativ getestet, wovon 44 falsch-negativ sind.
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Die hohe Rate an falsch-positiven Ergebnissen kann die verfügbaren Gesundheitsressourcen potenziell stark belasten.
Limitationen und Evidenzstärke
Laut dem Review ist bei der Interpretation der Ergebnisse Vorsicht geboten. Die universelle Nutzung des HADS-A mit einem Cut-off von >= 8 für das Screening in verschiedenen Settings wird derzeit als fraglich eingestuft.
Folgende methodische Einschränkungen werden im Review hervorgehoben:
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Es besteht eine erhebliche, weitgehend ungeklärte Heterogenität zwischen den eingeschlossenen Studien.
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Das Verzerrungspotenzial wird durch nicht-konsekutive Auswahl der Probanden und nachträgliche Festlegung von Cut-off-Werten erhöht.
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Die Anwendbarkeit wird teilweise dadurch eingeschränkt, dass bei den Untersuchten bereits vorab Angststörungen diagnostiziert waren.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review warnt davor, den HADS-A-Fragebogen mit einem Cut-off von >= 8 universell als alleiniges Screening-Instrument einzusetzen. Aufgrund der hohen Rate an falsch-positiven Ergebnissen wird betont, dass positive Testergebnisse stets durch eine strukturierte klinische Diagnostik verifiziert werden müssen. Dies wird als essenziell erachtet, um eine Überdiagnostik und unnötige Ressourcenbindung zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review untersucht primär den etablierten Cut-off-Wert von 8 oder höher. Ab diesem Wert gilt der Test als positiv, wobei die Autoren auf eine hohe Rate an falsch-positiven Ergebnissen in der Praxis hinweisen.
Laut der Meta-Analyse zeigt der HADS-A bei der generalisierten Angststörung (GAD) eine Sensitivität von 0,82 und eine Spezifität von 0,74. Die diagnostische Gesamtgenauigkeit (AUC) wird mit 0,82 angegeben.
Die universelle Nutzung des HADS-A für das Screening in unterschiedlichen Populationen wird im aktuellen Review als fraglich eingestuft. Dies wird mit der erheblichen Heterogenität der Studien und der potenziellen Belastung des Gesundheitssystems durch falsch-positive Befunde begründet.
Der Review bewertet die Testgenauigkeit für jegliche Angststörungen (AAD) als übergeordnete Kategorie. Spezifisch wurden zudem die generalisierte Angststörung (GAD) und die Panikstörung detailliert analysiert.
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Quelle: Cochrane Review: Hospital Anxiety and Depression Scale Anxiety subscale (HADS-A) for detecting anxiety disorders in adults (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.