Fibrinkleber bei Pankreaschirurgie: Cochrane Review
Hintergrund
Postoperative Pankreasfisteln stellen eine der häufigsten und potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen nach Pankreasresektionen dar. Um das Risiko für diese Komplikation zu senken, werden in einigen chirurgischen Zentren Fibrinkleber eingesetzt.
Der klinische Nutzen dieser Praxis wird jedoch kontrovers diskutiert. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract eines Cochrane Reviews aus dem Jahr 2020.
Die Meta-Analyse untersucht die Sicherheit und Wirksamkeit von Fibrinklebern im Vergleich zu Kontrollgruppen ohne Fibrinkleber oder Placebo. Dabei wurden Daten von über 1600 Personen aus zwölf randomisiert-kontrollierten Studien ausgewertet.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen:
Distale Pankreatektomie
Bei der Verstärkung des Pankreasstumpfes nach distaler Pankreatektomie zeigt der Einsatz von Fibrinklebern laut Review kaum oder keine Effekte.
Es ergeben sich folgende Resultate:
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Kein wesentlicher Unterschied bei der Rate postoperativer Pankreasfisteln (Evidenz von niedriger Qualität)
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Keine signifikanten Unterschiede bei der postoperativen Mortalität oder der allgemeinen Morbidität
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Ungewisse Auswirkungen auf die Reoperationsrate und die Dauer des Krankenhausaufenthalts
Pankreatikoduodenektomie mit Anastomosenverstärkung
Auch bei der Verstärkung der Pankreasanastomose nach einer Pankreatikoduodenektomie bleibt der Nutzen unklar.
Der Review nennt folgende Ergebnisse:
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Die Auswirkungen auf postoperative Pankreasfisteln, Mortalität und Krankenhausverweildauer sind ungewiss (Evidenz von sehr niedriger bis niedriger Qualität)
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Es gibt wahrscheinlich keinen wesentlichen Unterschied bei der allgemeinen postoperativen Morbidität (Evidenz von moderater Qualität)
Pankreatikoduodenektomie mit Gangsokklusion
Wird der Fibrinkleber zur Okklusion des Pankreasganges eingesetzt, zeigen sich laut Meta-Analyse keine Vorteile bezüglich Mortalität oder Krankenhausaufenthalt.
Der Review warnt jedoch vor möglichen unerwünschten Ereignissen bei dieser Technik. Es wurde eine erhöhte Rate an neu aufgetretenem Diabetes mellitus nach drei und zwölf Monaten in der Fibrinkleber-Gruppe beobachtet.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review warnt vor dem Einsatz von Fibrinklebern zur Okklusion des Pankreasganges nach einer Pankreatikoduodenektomie. In den untersuchten Studien wurde bei dieser Anwendung ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus nach drei und zwölf Monaten beobachtet. Zudem konnte für keine der untersuchten chirurgischen Techniken ein sicherer Nutzen zur Fistelprävention belegt werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review hat der Einsatz von Fibrinklebern am Pankreasstumpf kaum oder keinen Effekt auf die Entstehung postoperativer Pankreasfisteln. Die Evidenzqualität für diese Aussage wird als niedrig eingestuft.
Die aktuelle Studienlage zeigt keinen klaren Nutzen für die Anastomosenverstärkung mittels Fibrinkleber. Die Auswirkungen auf Fistelbildung und Mortalität sind laut Review ungewiss.
Der Review berichtet über ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus, wenn Fibrinkleber zur Okklusion des Pankreasganges verwendet wird. Andere schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden in den meisten Studien nicht systematisch erfasst.
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Quelle: Cochrane Review: Fibrin sealants for the prevention of postoperative pancreatic fistula following pancreatic surgery (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.