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1p/19q-Kodeletion bei Gliomen: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die komplette Deletion des kurzen Arms von Chromosom 1 (1p) und des langen Arms von Chromosom 19 (19q) ist eine typische Mutation bei Gliomen. Sie tritt insbesondere bei Oligodendrogliomen und anaplastischen Oligodendrogliomen auf.

Der Nachweis dieser 1p/19q-Kodeletion ist essenziell, da er zusammen mit einer IDH-Mutation (Isocitrat-Dehydrogenase) für die Diagnosestellung benötigt wird. Zudem liefert der Status wichtige Informationen für die Prognose und die Wahl der medikamentösen Therapie.

Ein aktueller Cochrane Review untersucht die diagnostische Genauigkeit und Kosteneffizienz verschiedener DNA-basierter Testverfahren. Zu den am häufigsten verwendeten Methoden zählen die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) und PCR-basierte Assays zum Nachweis des Heterozygotieverlusts (LOH).

Empfehlungen

Der Review formuliert folgende zentrale Erkenntnisse zur diagnostischen Genauigkeit:

Vergleich der Standardverfahren

Der Review vergleicht primär die etablierten Verfahren FISH und PCR-basierte LOH-Assays. Es wird berichtet, dass die PCR-basierte LOH-Analyse möglicherweise eine geringfügig höhere Genauigkeit als FISH aufweist.

Beide Verfahren zeigen eine hohe Übereinstimmung:

  • Die PCR-basierte LOH-Analyse erkennt 94 % der durch FISH festgestellten Kodeletionen.

  • FISH erkennt 91 % der durch PCR-LOH festgestellten Kodeletionen.

Genauigkeit weiterer Testmethoden

Laut Review weisen die meisten untersuchten Techniken eine hohe Sensitivität auf und produzieren nur wenige falsch-negative Ergebnisse. Eine Ausnahme bildet das G-Banding, welches eine niedrige Sensitivität und Spezifität zeigt.

Für die Spezifität ergeben sich je nach Methode Unterschiede. Die Evidenzqualität wird jedoch für alle untersuchten Tests als niedrig oder sehr niedrig eingestuft.

TestverfahrenSensitivitätSpezifitätBemerkung laut Review
PCR-basierte LOHHochHochGilt neben FISH als Referenzstandard
FISHHochHochHäufig genutzter Referenzstandard
NGSHochHochHohe Spezifität im Vergleich zu FISH
SNP-ArrayHochHochHohe Spezifität im Vergleich zu FISH
G-BandingNiedrigNiedrigNicht für die Diagnostik geeignet

Gesundheitsökonomische Aspekte

Die Kosteneffizienz der Verfahren hängt stark vom gewählten Referenzstandard und der Zahlungsbereitschaft ab. Bei FISH als Referenzstandard ist die Multiplex-Ligation-dependent Probe Amplification (MLPA) bei geringerer Zahlungsbereitschaft kosteneffektiv.

Bei höherer Zahlungsbereitschaft für ein richtig-positives Ergebnis erweist sich die chromogene In-situ-Hybridisierung (CISH) als wirtschaftlicher. Diese ökonomischen Analysen basieren jedoch auf einer sehr kleinen Studienzahl und sind mit Vorsicht zu interpretieren.

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💡Praxis-Tipp

Der Review verdeutlicht, dass das G-Banding aufgrund niedriger Sensitivität und Spezifität für den Nachweis der 1p/19q-Kodeletion ungeeignet ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass moderne Verfahren wie Next-Generation Sequencing (NGS) zwar eine hohe Spezifität aufweisen, die zugrundeliegende Evidenzqualität jedoch aktuell noch sehr niedrig ist.

Häufig gestellte Fragen

Der Nachweis der 1p/19q-Kodeletion ist zusammen mit dem IDH-Mutationsstatus zwingend erforderlich, um die Diagnose eines Oligodendroglioms zu stellen. Zudem liefert der Status laut Cochrane Review entscheidende Informationen für die Prognose und die Therapieplanung.

In der klinischen Praxis und in den untersuchten Studien werden primär die Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) sowie PCR-basierte LOH-Assays als Referenzstandards herangezogen. Der Review deutet darauf hin, dass die PCR-basierte Methode möglicherweise geringfügig genauer ist.

Next-Generation Sequencing (NGS) und SNP-Arrays zeigen im Vergleich zu FISH eine hohe Sensitivität und Spezifität. Der Review schränkt jedoch ein, dass die Gewissheit der Evidenz für diese Verfahren derzeit noch als niedrig eingestuft wird.

Nein, der Review zeigt, dass das G-Banding im Vergleich zu den Referenzstandards eine niedrige Sensitivität und Spezifität aufweist. Es wird daher nicht für den zuverlässigen Nachweis empfohlen.

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Quelle: Cochrane Review: Diagnostic test accuracy and cost-effectiveness of tests for codeletion of chromosomal arms 1p and 19q in people with glioma (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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