Desmopressin bei Enuresis nocturna: Cochrane Review
Hintergrund
Die Enuresis nocturna (nächtliches Einnässen) betrifft bis zu 20 Prozent der fünfjährigen Kinder. Obwohl es häufig zu einer spontanen Remission kommt, können die sozialen, emotionalen und psychologischen Belastungen für die Betroffenen erheblich sein.
Desmopressin wird bereits seit den 1970er Jahren zur Behandlung des nächtlichen Einnässens eingesetzt. Ein aktueller Cochrane Review aus dem Jahr 2025 untersucht die Wirksamkeit dieses Wirkstoffs bei Kindern und Jugendlichen im Alter von fünf bis 16 Jahren.
Die Übersichtsarbeit wertet Daten von über 8.400 Teilnehmern aus 95 Studien aus. Dabei wird Desmopressin sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit anderen Interventionen bewertet. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract des Reviews.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review fasst die Evidenz zur Behandlung der Enuresis nocturna mit Desmopressin zusammen. Die Qualität der Evidenz wird überwiegend als niedrig oder sehr niedrig eingestuft.
Desmopressin im Vergleich zu Placebo
Laut der Übersichtsarbeit reduziert Desmopressin im Vergleich zu Placebo möglicherweise die durchschnittliche Anzahl nasser Nächte pro Woche (niedrige Evidenzqualität). Zudem führt die Behandlung wahrscheinlich dazu, dass mehr Kinder am Ende der Therapie 14 aufeinanderfolgende trockene Nächte erreichen (moderate Evidenzqualität).
Hinsichtlich der Nebenwirkungen zeigt sich laut den Daten möglicherweise kaum oder gar kein Unterschied zwischen Desmopressin und Placebo.
Vergleichstabelle der Therapieoptionen
| Vergleich | Reduktion nasser Nächte | Erreichen von 14 trockenen Nächten | Evidenzqualität |
|---|---|---|---|
| Desmopressin vs. Placebo | Mögliche Reduktion | Wahrscheinlich überlegen | Niedrig bis moderat |
| Desmopressin vs. Alarmtherapie | Ungewiss | Möglicherweise kein Unterschied | Sehr niedrig bis niedrig |
| Desmopressin vs. Trizyklika | Ungewiss | Ungewiss | Sehr niedrig |
| Desmopressin + Alarm vs. Alarm allein | Ungewiss | Ungewiss | Sehr niedrig |
| Desmopressin + Alarm vs. Desmopressin allein | Wahrscheinliche Reduktion | Möglicherweise überlegen | Niedrig bis moderat |
| Desmopressin + Anticholinergika vs. Desmopressin allein | Ungewiss | Möglicherweise überlegen | Sehr niedrig bis niedrig |
Alternative Monotherapien
Beim Vergleich von Desmopressin mit einer Alarmtherapie (Klingelhose/Klingelmatte) ist laut Review ungewiss, ob ein Unterschied in der Reduktion nasser Nächte besteht. Die Alarmtherapie könnte jedoch im Langzeitverlauf (Follow-up) zu einer höheren Anzahl trockener Kinder führen (moderate Evidenzqualität).
Auch beim Vergleich von Desmopressin mit trizyklischen Antidepressiva bleibt aufgrund sehr niedriger Evidenzqualität ungewiss, ob klinisch relevante Unterschiede in der Wirksamkeit bestehen.
Kombinationstherapien
Die Übersichtsarbeit bewertet zudem verschiedene Kombinationstherapien:
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Die Kombination aus Desmopressin und Alarmtherapie ist der Desmopressin-Monotherapie wahrscheinlich überlegen.
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Ob die Kombination aus Desmopressin und Alarmtherapie besser wirkt als eine alleinige Alarmtherapie, ist hingegen ungewiss.
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Eine Kombination von Desmopressin mit Anticholinergika erhöht möglicherweise die Anzahl der Kinder, die 14 trockene Nächte erreichen, im Vergleich zur Desmopressin-Monotherapie.
Nebenwirkungen
Der Review berichtet über häufige, aber meist leichte Nebenwirkungen unter Desmopressin. Dazu zählen Schwindel, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Magen-Darm-Beschwerden und nasale Beschwerden. Auch Hyponatriämien und ein Fall von Krampfanfällen wurden dokumentiert.
💡Praxis-Tipp
Obwohl Desmopressin kurzfristig wirksam ist, zeigt die Übersichtsarbeit, dass eine Alarmtherapie im Langzeitverlauf (Follow-up) zu besseren Ergebnissen führen kann. Zudem wird auf das Risiko einer Hyponatriämie unter Desmopressin hingewiesen, was eine entsprechende Aufklärung der Familien über das Trinkverhalten am Abend erforderlich macht.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review reduziert Desmopressin im Vergleich zu Placebo die Anzahl nasser Nächte. Es führt wahrscheinlich dazu, dass mehr Kinder am Ende der Behandlung 14 aufeinanderfolgende trockene Nächte erleben.
Am Ende der Behandlung zeigt sich laut den Daten möglicherweise kein großer Unterschied zwischen beiden Methoden. Im Langzeitverlauf (Follow-up) sind jedoch mehr Kinder nach einer Alarmtherapie dauerhaft trocken.
Die Übersichtsarbeit nennt meist leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Stimmungsschwankungen und Magen-Darm-Beschwerden. Es wird jedoch auch auf das Risiko einer potenziell gefährlichen Hyponatriämie hingewiesen.
Die Kombination beider Verfahren reduziert die Anzahl nasser Nächte wahrscheinlich stärker als eine alleinige Desmopressin-Therapie. Ob sie auch einer alleinigen Alarmtherapie überlegen ist, bleibt laut Review ungewiss.
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Quelle: Cochrane Review: Desmopressin for nocturnal enuresis in children (Cochrane, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.