Atemphysiotherapie bei Bronchiolitis: Cochrane
Hintergrund
Die akute Bronchiolitis ist die häufigste Ursache für medizinische Notfälle bei Säuglingen und Kleinkindern unter 24 Monaten während der Wintermonate. Sie führt zu einer hohen Belastung des Gesundheitssystems durch ambulante und stationäre Behandlungen.
Bei mäßig schweren bis schweren Verläufen kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung in den Atemwegen, Ödemen und Bronchospasmen. Dies erschwert die natürliche Befreiung der Atemwege von zähen Sekreten.
Zur Unterstützung der Sekretelimination wird in der Praxis teilweise Atemphysiotherapie eingesetzt. Der vorliegende Cochrane Review (2023) untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener atemphysiotherapeutischer Techniken bei dieser vulnerablen Patientengruppe.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Evidenz folgende Kernempfehlungen zur Atemphysiotherapie:
Herkömmliche Atemphysiotherapie
Laut Review zeigen herkömmliche Techniken wie Vibration, Perkussion und posturale Drainage keinen positiven Effekt auf den Schweregrad der Bronchiolitis. Da diese Methoden zudem mit unerwünschten Wirkungen assoziiert sind, wird von ihrem Einsatz in der klinischen Praxis abgeraten (hohe Evidenzqualität).
Forcierte Ausatmungstechniken
Auch für Techniken der forcierten Ausatmung konnte keine Verbesserung des Schweregrads, der Genesungszeit oder der Krankenhausverweildauer nachgewiesen werden. Der Review warnt vor schweren Nebenwirkungen bei Säuglingen mit schwerer Bronchiolitis.
Es wird daher betont, dass es keine Argumente für den routinemäßigen Einsatz dieser Techniken bei stationär behandelten Säuglingen gibt (hohe Evidenzqualität).
Langsame passive Ausatmungstechniken
Für Techniken der langsamen passiven Ausatmung zeigt die Evidenz eine leichte bis mäßige Verbesserung des klinischen Schweregrads. Dies gilt insbesondere für Säuglinge mit einer moderat ausgeprägten akuten Bronchiolitis.
Der Review schlussfolgert, dass diese Techniken nach klinischem Ermessen in spezifischen Situationen erwogen werden können, um die Atemleistung zu verbessern (niedrige Evidenzqualität). Bei diesen Verfahren wurden kaum Komplikationen beobachtet.
Neuere Verfahren
Die Evidenz zu neueren Methoden wie der rhinopharyngealen retrograden Clearance (RRC) oder instrumentellen Techniken wird als unzureichend eingestuft. Es wird darauf hingewiesen, dass weitere Studien erforderlich sind, um deren Wirksamkeit und Sicherheit abschließend zu beurteilen.
Kontraindikationen
Der Cochrane Review warnt ausdrücklich vor bestimmten atemphysiotherapeutischen Maßnahmen bei Säuglingen mit akuter Bronchiolitis:
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Herkömmliche Techniken (Vibration, Perkussion, posturale Drainage) sind mit unerwünschten Wirkungen assoziiert und sollten laut Review nicht angewendet werden.
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Techniken der forcierten Ausatmung können bei Säuglingen mit schwerer Bronchiolitis zu schweren Nebenwirkungen führen.
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Zu den berichteten unerwünschten Ereignissen zählen Bradykardien (mit und ohne Sauerstoffentsättigung), vorübergehende respiratorische Destabilisierung und Erbrechen während der Behandlung.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis des Reviews ist, dass aggressive atemphysiotherapeutische Maßnahmen wie forcierte Ausatmung oder Perkussion den Krankheitsverlauf bei schwerer Bronchiolitis nicht verbessern, sondern dem Säugling schaden können. Es wird hervorgehoben, dass lediglich sanfte, langsame Ausatmungstechniken bei moderaten Verläufen einen potenziellen klinischen Nutzen ohne signifikantes Schadensrisiko bieten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review haben herkömmliche Techniken wie Abklopfen (Perkussion) und Vibration keinen positiven Effekt auf die Erkrankung. Es wird aufgrund möglicher Nebenwirkungen von diesen Methoden abgeraten.
Der Review zeigt, dass Techniken der langsamen passiven Ausatmung bei moderater Bronchiolitis eine leichte bis mäßige Verbesserung bewirken können. Diese sanften Methoden können nach ärztlichem Ermessen im Einzelfall eingesetzt werden.
Nein, die Evidenz zeigt deutlich, dass forcierte Ausatmungstechniken bei schwerer Bronchiolitis nicht helfen und zu schweren Nebenwirkungen führen können. Dazu gehören Bradykardien und respiratorische Destabilisierungen.
In den meisten Studien konnte keine Verkürzung der Krankenhausverweildauer durch Atemphysiotherapie nachgewiesen werden. Lediglich in einer einzelnen Studie zu langsamen Ausatmungstechniken wurde eine signifikante Reduktion beobachtet.
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Quelle: Cochrane Review: Chest physiotherapy for acute bronchiolitis in paediatric patients between 0 and 24 months old (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.