Anticholinerge Last bei Demenz: Cochrane Review
Hintergrund
Älteren Menschen mit einer vorbestehenden Demenz oder leichten kognitiven Einschränkung (MCI) werden häufig Medikamente mit anticholinergen Eigenschaften verschrieben. Die kumulative Wirkung all dieser Medikamente wird als anticholinerge Last bezeichnet.
Es wird vermutet, dass eine hohe anticholinerge Last ein Risikofaktor für einen weiteren kognitiven Abbau oder neuropsychiatrische Störungen sein könnte. Letztere sind die häufigste Komplikation bei Demenz, die eine Krankenhauseinweisung erforderlich macht.
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract eines systematischen Cochrane Reviews. Die Übersichtsarbeit untersucht, ob die anticholinerge Last als prognostischer Faktor für unerwünschte klinische Endpunkte dient.
Empfehlungen
Der Cochrane Review analysierte 18 Beobachtungsstudien mit über 100.000 Teilnehmern. Die Evidenz für alle untersuchten Endpunkte wurde gemäß GRADE-Kriterien als niedrig oder sehr niedrig eingestuft.
Verwendete Messskalen
Zur Erfassung der anticholinergen Last wurden in den eingeschlossenen Studien verschiedene Skalen verwendet. Die Übereinstimmung zwischen diesen Instrumenten ist laut Review oft unzureichend.
| Skala zur anticholinergen Last | Abkürzung | Anzahl der Studien |
|---|---|---|
| Anticholinergic Cognitive Burden Scale | ACB | 12 |
| Anticholinergic Risk Scale | ARS | 3 |
| Anticholinergic Drug Scale | ADS | 1 |
| Anticholinergic Effect on Cognition Scale | AEC | 1 |
| Liste nach Tune und Egeli | - | 2 |
Klinische Endpunkte
Die Übersichtsarbeit fasst die Risikobewertungen für verschiedene klinische Endpunkte zusammen:
-
Mortalität: Es gibt Evidenz von niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass eine signifikante anticholinerge Last mit einem erhöhten Sterberisiko einhergeht (Hazard Ratio 1,153 für die ACB-Skala).
-
Kognitiver Abbau: Die Ergebnisse sind heterogen. Nur 40 Prozent der Studien zeigten ein signifikant erhöhtes Risiko für einen langfristigen kognitiven Abbau bei vorhandener anticholinerger Last.
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Körperliche Funktion und Institutionalisierung: Es konnten keine festen Schlussfolgerungen bezüglich einer Verschlechterung der körperlichen Funktion oder des Risikos einer Pflegeheimeinweisung gezogen werden.
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Neuropsychiatrische Störungen: Keine der eingeschlossenen Studien untersuchte diesen Endpunkt.
💡Praxis-Tipp
Bei der Verordnung von Medikamenten an ältere Menschen mit kognitiven Einschränkungen wird empfohlen, die kumulative anticholinerge Last zu berücksichtigen. Laut Übersichtsarbeit ist eine hohe anticholinerge Last mit einem signifikant erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass die verschiedenen Skalen zur Messung dieser Last in der Praxis oft nur eine geringe Übereinstimmung aufweisen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es Hinweise von niedriger Vertrauenswürdigkeit, dass eine hohe anticholinerge Last das Sterberisiko bei Personen mit Demenz oder MCI erhöht. Für einen beschleunigten kognitiven Abbau konnten keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden.
In der Forschung werden verschiedene Instrumente eingesetzt, am häufigsten die Anticholinergic Cognitive Burden (ACB) Scale. Die Übersichtsarbeit merkt an, dass die Übereinstimmung zwischen den verschiedenen Skalen oft unzureichend ist.
Obwohl neuropsychiatrische Störungen eine häufige Ursache für Krankenhauseinweisungen bei Demenz sind, liefert der Review hierzu keine Daten. Keine der eingeschlossenen Studien untersuchte diesen spezifischen Endpunkt.
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Quelle: Cochrane Review: Anticholinergic burden for prediction of cognitive decline or neuropsychiatric symptoms in older adults with mild cognitive impairment or dementia (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.