Abdominale Drainage bei Appendizitis: Cochrane Review
Hintergrund
Die Appendektomie ist die primäre chirurgische Therapie der akuten Appendizitis. Bei einer komplizierten Appendizitis, die als gangränös oder perforiert definiert ist, treten postoperativ häufiger Komplikationen auf.
Um das Risiko für intraabdominelle Abszesse zu senken, wird in der Praxis teilweise eine routinemäßige abdominale Drainage eingelegt. Der Nutzen dieser Maßnahme ist jedoch umstritten.
Diese Zusammenfassung basiert auf einem Cochrane Review (2021), der die Sicherheit und Wirksamkeit von Drainagen bei komplizierter Appendizitis untersucht. Es wurden sechs randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 521 Teilnehmern eingeschlossen.
Empfehlungen
Klinische Endpunkte bei offener Appendektomie
Der Review vergleicht die Anlage einer abdominalen Drainage mit dem Verzicht auf eine Drainage bei der offenen Notfall-Appendektomie. Alle eingeschlossenen Personen erhielten postoperativ eine Antibiotikatherapie.
Bezüglich der Endpunkte nach 30 Tagen zeigt die Auswertung folgende Ergebnisse im Vergleich zur Gruppe ohne Drainage:
| Endpunkt | Effekt der Drainage | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Intraabdominelle Abszesse | Ungewisser Effekt | Sehr niedrig |
| Wundinfektionen | Ungewisser Effekt | Sehr niedrig |
| Krankenhausaufenthalt | Verlängerung um 2,17 Tage | Niedrig |
| Gesamtkomplikationsrate | Mögliche Erhöhung | Niedrig |
Mortalität und fehlende Evidenz
Die Daten deuten auf ein erhöhtes 30-Tage-Mortalitätsrisiko in der Drainage-Gruppe hin (2,7 % vs. 0,6 %). Diese Beobachtung basiert jedoch auf einer geringen absoluten Zahl von Todesfällen und erfordert laut den Autoren größere Studien zur Bestätigung.
Für die laparoskopische Appendektomie bei komplizierter Appendizitis liegen keine randomisiert-kontrollierten Studien vor. Ebenso fehlen Daten zum Vergleich verschiedener Drainagetypen (offen vs. geschlossen) sowie zum optimalen Zeitpunkt der Entfernung.
Zusammenfassend lässt sich aus der aktuellen Studienlage kein klinischer Nutzen für die routinemäßige Verwendung einer abdominalen Drainage bei offener Appendektomie ableiten.
💡Praxis-Tipp
Bei der offenen Appendektomie aufgrund einer komplizierten Appendizitis bietet die routinemäßige Einlage einer abdominalen Drainage laut aktueller Evidenz keinen Schutz vor Abszessen oder Wundinfektionen. Stattdessen ist mit einer Verlängerung des Krankenhausaufenthalts und möglicherweise einer erhöhten Komplikationsrate zu rechnen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist der Effekt einer Drainage auf die Vermeidung intraabdomineller Abszesse ungewiss. Die Evidenzqualität hierzu wird als sehr niedrig eingestuft.
Ja, die Auswertung der Studiendaten zeigt, dass sich die Liegedauer im Krankenhaus durch eine Drainage im Durchschnitt um 2,17 Tage verlängert. Dies basiert auf Evidenz von niedriger Qualität.
Nein, der Review konnte keine randomisiert-kontrollierten Studien identifizieren, die den Nutzen einer Drainage bei der laparoskopischen Notfall-Appendektomie untersuchen. Die vorhandenen Daten beziehen sich ausschließlich auf offene Eingriffe.
Zu dieser Frage liegen keine ausreichenden Daten vor. Es wurden keine Studien gefunden, die eine frühe mit einer späten Entfernung der Drainage bei komplizierter Appendizitis vergleichen.
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Quelle: Cochrane Review: Abdominal drainage to prevent intra-peritoneal abscess after appendectomy for complicated appendicitis (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.