Chronische Herzinsuffizienz: NT-proBNP und SGLT2-Hemmer
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie (Update 2025) behandelt die Diagnostik und das Management der chronischen Herzinsuffizienz bei Erwachsenen. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität und der Prognose der Betroffenen durch eine strukturierte und interdisziplinäre Versorgung.
Ein zentraler Aspekt der Aktualisierung ist der Paradigmenwechsel in der medikamentösen Therapie der Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF). Anstelle eines stufenweisen Vorgehens wird nun eine frühzeitige Kombinationstherapie favorisiert.
Zudem integriert die Leitlinie neue Evidenzen zur Wirksamkeit von SGLT2-Inhibitoren. Diese Wirkstoffklasse wird nun über alle Ejektionsfraktions-Kategorien hinweg als essenzielle Therapieoption berücksichtigt.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen zum Management der chronischen Herzinsuffizienz.
Diagnostik
Bei Verdacht auf eine Herzinsuffizienz wird zunächst die Bestimmung des N-terminalen pro-B-Typ natriuretischen Peptids (NT-proBNP) empfohlen. Die Leitlinie definiert folgende Grenzwerte für das weitere Vorgehen:
| NT-proBNP-Wert | Klinische Bedeutung / Empfohlenes Vorgehen |
|---|---|
| < 400 ng/L | Herzinsuffizienz unwahrscheinlich, alternative Ursachen prüfen |
| 400 - 2000 ng/L | Überweisung zur fachärztlichen Beurteilung und Echokardiografie innerhalb von 6 Wochen |
| > 2000 ng/L | Dringliche Überweisung zur fachärztlichen Beurteilung und Echokardiografie innerhalb von 2 Wochen |
Zur Bestätigung der Diagnose und zur Beurteilung der Ejektionsfraktion soll eine transthorakale Echokardiografie durchgeführt werden.
Therapie bei reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF)
Für Personen mit HFrEF empfiehlt die Leitlinie eine Kombinationstherapie aus vier Medikamentenklassen:
-
ACE-Hemmer
-
Betablocker
-
Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist (MRA)
-
SGLT2-Inhibitor
Wenn unter der maximal tolerierten Dosis dieser vier Medikamente weiterhin Symptome bestehen, wird ein Wechsel vom ACE-Hemmer auf einen Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) empfohlen.
Zudem wird bei HFrEF eine Überprüfung des Eisenstatus angeraten. Bei einer Anämie (Hämoglobin < 150 g/L) und nachgewiesenem Eisenmangel sollte eine intravenöse Eisentherapie erwogen werden.
Therapie bei leicht reduzierter (HFmrEF) und erhaltener (HFpEF) Ejektionsfraktion
Bei einer HFmrEF wird laut Leitlinie der Einsatz von ACE-Hemmern, Betablockern, MRA und SGLT2-Inhibitoren in Betracht gezogen.
Für die HFpEF empfiehlt die Leitlinie, eine Therapie mit einem MRA und einem SGLT2-Inhibitor zu erwägen.
Monitoring
Vor und während der Therapie mit ACE-Hemmern, ARNI, ARB oder MRA wird eine regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion und der Elektrolyte empfohlen. Dies sollte insbesondere 1 bis 2 Wochen nach Therapiebeginn und nach jeder Dosissteigerung erfolgen.
Vor der Verordnung eines Betablockers ist ein 12-Kanal-EKG zur Beurteilung von Herzrhythmus und Überleitungsstörungen durchzuführen.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gelten folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Verapamil, Diltiazem und kurzwirksame Dihydropyridine sollen bei HFrEF vermieden werden.
-
Betablocker dürfen nicht bei AV-Block II. oder III. Grades (ohne Schrittmacher) oder bei einer Bradykardie (< 50 Schläge/Minute) eingesetzt werden.
-
Bei einem Wechsel von einem ACE-Hemmer auf einen ARNI muss ein zeitlicher Abstand von mindestens 36 Stunden eingehalten werden.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Praxisaspekt der Leitlinie ist der Umgang mit Begleiterkrankungen bei der Betablocker-Therapie. Es wird explizit davon abgeraten, Betablocker allein aufgrund von Alter, peripherer arterieller Verschlusskrankheit, erektiler Dysfunktion, Diabetes oder COPD vorzuenthalten. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Faktoren wie Adipositas oder eine bestehende diuretische Therapie die NT-proBNP-Werte künstlich senken können, was bei der Diagnostik berücksichtigt werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Überweisung ab einem NT-proBNP-Wert von 400 ng/L. Bei Werten über 2000 ng/L sollte die fachärztliche Abklärung und Echokardiografie dringlich innerhalb von 2 Wochen erfolgen.
Es wird eine Kombinationstherapie aus vier Wirkstoffklassen empfohlen. Diese umfasst einen ACE-Hemmer, einen Betablocker, einen MRA sowie einen SGLT2-Inhibitor.
Ein Wechsel auf einen ARNI wird erwogen, wenn unter der maximal tolerierten Dosis der Vierfach-Kombinationstherapie weiterhin Symptome der Herzinsuffizienz bestehen. Alternativ kann ein ARNI bei einer Unverträglichkeit gegenüber ACE-Hemmern eingesetzt werden.
Ja, die Leitlinie stellt klar, dass eine COPD keine absolute Kontraindikation darstellt. Eine Betablocker-Therapie sollte nicht allein aufgrund einer bestehenden COPD vorenthalten werden.
Eine Kontrolle der Nierenfunktion und Elektrolyte wird 1 bis 2 Wochen nach Therapiebeginn sowie nach jeder Dosissteigerung empfohlen. Bei stabiler Erhaltungsdosis sollte die Überprüfung alle 3 bis 6 Monate erfolgen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Chronic heart failure in adults: diagnosis and management (NICE, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen