Chronische Hepatitis B: Therapieindikation & Screening

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AASLD (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AASLD-Leitlinie 2024 bietet aktualisierte Empfehlungen zur Prävention, Überwachung und Behandlung der chronischen Hepatitis B (CHB). Das primäre Ziel der antiviralen Therapie ist die Verhinderung einer Progression zur Zirrhose, einer Leberdekompensation sowie die Reduktion des hepatozellulären Karzinoms (HCC) und der leberbedingten Mortalität.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Reduktion der vertikalen und horizontalen Transmission. Die Leitlinie definiert verschiedene Krankheitsphasen, darunter die immuntolerante, immunaktive, inaktive und die unbestimmte ("Grey zone") Phase, welche die Therapieentscheidung maßgeblich beeinflussen.

Klinischer Kontext

Die chronische Hepatitis B ist eine weltweite virale Infektionskrankheit, von der schätzungsweise fast 300 Millionen Menschen betroffen sind. In Endemiegebieten erfolgt die Übertragung häufig perinatal, während in westlichen Ländern sexuelle Kontakte und Nadelstichverletzungen im Vordergrund stehen.

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) ist ein hepatotropes DNA-Virus, das selbst nicht direkt zytopathisch wirkt. Die Leberschädigung entsteht primär durch die zelluläre Immunantwort des Wirts gegen die infizierten Hepatozyten, was zu Entzündung, Nekrose und im Verlauf zu Fibrose führen kann.

Für behandelnde Ärzte ist die chronische Hepatitis B von großer Bedeutung, da sie eine Hauptursache für Leberzirrhose und das hepatozelluläre Karzinom (HCC) darstellt. Eine frühzeitige Erkennung und Überwachung sind essenziell, um das Fortschreiten der Lebererkrankung zu verhindern und Komplikationen rechtzeitig zu behandeln.

Die Basisdiagnostik umfasst die Bestimmung serologischer Marker wie HBsAg, Anti-HBc und Anti-HBs sowie die Quantifizierung der HBV-DNA mittels PCR. Zur Beurteilung des Leberschadens werden zusätzlich Transaminasen, Ultraschall und nicht-invasive Verfahren zur Fibrosemessung herangezogen.

Wissenswertes

Die Behandlungsindikation richtet sich im Allgemeinen nach der Viruslast, der Höhe der Transaminasen und dem Ausmaß der Leberschädigung. Eine antivirale Therapie wird meist eingeleitet, wenn eine signifikante Entzündung oder Fibrose vorliegt.

Eine vollständige Eradikation des Virus ist aufgrund der Persistenz der cccDNA im Zellkern der Hepatozyten derzeit kaum möglich. Das therapeutische Ziel ist meist eine funktionelle Heilung, definiert als dauerhafter HBsAg-Verlust mit oder ohne Serokonversion.

Patienten mit chronischer Hepatitis B haben ein erhöhtes Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom, insbesondere bei Vorliegen einer Zirrhose oder einer hohen Viruslast. Die Überwachung erfolgt in der Regel durch regelmäßige Ultraschalluntersuchungen der Leber, oft in Kombination mit der Bestimmung von Alpha-Fetoprotein.

Bei schwangeren Patientinnen mit hoher Viruslast besteht ein signifikantes Risiko für eine perinatale Transmission des Virus auf das Neugeborene. Zur Prävention wird häufig im letzten Trimenon eine antivirale Therapie evaluiert, ergänzt durch die aktive und passive Immunisierung des Kindes unmittelbar nach der Geburt.

Das Hepatitis-D-Virus benötigt das HBsAg des Hepatitis-B-Virus für seine Replikation, weshalb eine HDV-Infektion nur als Koinfektion oder Superinfektion auftritt. Diese Konstellation führt oft zu einem schwereren Krankheitsverlauf mit rascherer Progression zur Leberzirrhose.

Unter einer immunsuppressiven oder zytotoxischen Therapie kann es zu einer lebensbedrohlichen Reaktivierung einer latenten oder ausgeheilten HBV-Infektion kommen. Daher ist vor Beginn einer solchen Therapie ein Screening auf HBsAg und Anti-HBc obligatorisch, um gegebenenfalls eine prophylaktische antivirale Behandlung einzuleiten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, eine laufende Therapie mit Nukleos(t)id-Analoga bei HBeAg-negativen Patienten ohne Zirrhose vor einem vollständigen HBsAg-Verlust abzusetzen. Sollte dennoch ein Absetzversuch unternommen werden, wird auf das Risiko schwerer Hepatitis-Schübe (Flares) hingewiesen, was ein sehr engmaschiges Monitoring (anfangs alle 1-3 Monate) zwingend erforderlich macht.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird bei einer HBV-DNA von über 200.000 IU/ml der Beginn einer antiviralen Therapie in der 28. Schwangerschaftswoche empfohlen. Hierfür werden TDF oder TAF eingesetzt, um eine Übertragung auf das Kind zu verhindern.

Nein, die Leitlinie stuft sowohl Entecavir als auch Peginterferon während der Schwangerschaft als kontraindiziert ein.

Es wird empfohlen, alle Erwachsenen mit einer HBV/HDV-Koinfektion auf ein hepatozelluläres Karzinom (HCC) zu überwachen. Dies gilt laut Leitlinie unabhängig vom Vorliegen einer Leberzirrhose.

Die immuntolerante Phase ist laut Leitlinie definiert durch einen positiven HBeAg-Status, eine sehr hohe Viruslast (HBV-DNA > 10.000.000 IU/ml) und normale ALT-Werte. Die ALT-Grenzwerte liegen hierbei bei < 25 U/l für Frauen und < 35 U/l für Männer.

Bei Hochrisikoszenarien für eine horizontale Transmission, wie ungeschütztem Geschlechtsverkehr, schlägt die Leitlinie eine gemeinsame Entscheidungsfindung bezüglich einer antiviralen Therapie vor. Ziel ist es, die Viruslast zu senken und so eine Ansteckung der Partner zu verhindern.

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Quelle: AASLD Chronic Hepatitis B Educational Slide Set 2024 (AASLD, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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