VTE bei Verbrennungen: Leitlinie 2024 (CMA)
📋Auf einen Blick
- •Der Caprini-Risk-Score (CRS) wird zur standardisierten VTE-Risikobewertung bei stationären Verbrennungspatienten stark empfohlen.
- •Niedermolekulares Heparin (LMWH) ist das Mittel der Wahl zur medikamentösen VTE-Prophylaxe und -Therapie.
- •Die routinemäßige Einlage eines Vena-cava-Filters wird ausdrücklich nicht empfohlen.
- •Die Diagnose einer tiefen Venenthrombose (TVT) stützt sich auf Klinik, CRS, hochsensitives D-Dimer und Ultraschall (DUS/CUS).
- •Bei fehlenden Kontraindikationen sollte die medikamentöse Prophylaxe so früh wie möglich begonnen werden.
Hintergrund
Venöse Thromboembolien (VTE), bestehend aus tiefer Venenthrombose (TVT) und Lungenembolie (LE), stellen bei erwachsenen Verbrennungspatienten eine ernsthafte Komplikation dar. Das Risiko ist durch Gewebeschäden, Schock, systemische Inflammation und lange Immobilisation stark erhöht. Die Chinese Medical Association (CMA) hat 2024 einen Expertenkonsens zur Prävention, Diagnostik und Behandlung veröffentlicht.
Risikofaktoren und Assessment
Für die Risikostratifizierung bei stationären Verbrennungspatienten wird der Caprini-Risk-Score (CRS) empfohlen (Starke Empfehlung). Zusätzlich muss das Blutungsrisiko kontinuierlich evaluiert werden.
| Risikofaktoren für VTE bei Verbrennungen | Bemerkung |
|---|---|
| Patientenbezogen | Höheres Lebensalter, Adipositas |
| Verletzungsbezogen | Ausgedehnte Verbrennungen (v.a. untere Extremitäten), Inhalationstrauma, Begleitverletzungen |
| Behandlungsbezogen | Tiefe Venenkatheter, lange ICU-Aufenthalte, Immobilisation, Wundinfektionen, viele Operationen |
Diagnostik von TVT und Lungenembolie
Die Diagnostik erfordert einen multimodalen Ansatz, da typische Symptome durch Verbrennungswunden oder Verbände maskiert sein können.
| Entität | Diagnostischer Pfad | Bildgebung der Wahl |
|---|---|---|
| TVT | Klinik + CRS + hochsensitives D-Dimer + Bildgebung | Doppler-Ultraschall (DUS) oder Kompressionsultraschall (CUS) |
| Lungenembolie | Klinik + CRS + hochsensitives D-Dimer + Bildgebung | CT-Pulmonalisangiographie (CTPA) |
Hinweis: Ein negatives hochsensitives D-Dimer kann bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit eine TVT weitgehend ausschließen. Bei hoher Wahrscheinlichkeit ist zwingend eine Bildgebung erforderlich.
VTE-Prophylaxe
Die Basis jeder Prophylaxe bilden der frühe Wundverschluss und die Frühmobilisation (Starke Empfehlung).
| Risikogruppe | Empfohlene Prophylaxe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Niedriges Risiko | Mechanische Prophylaxe + Mobilisation | Intermittierende pneumatische Kompression (IPCD) bevorzugt, sofern keine Verbrennungen an den Extremitäten vorliegen. |
| Mittel bis Hohes Risiko | Medikamentöse Prophylaxe ± Mechanische Prophylaxe | Bevorzugt Niedermolekulares Heparin (LMWH). |
| Kontraindikation für Antikoagulation | Rein mechanische Prophylaxe | Bei lebensbedrohlichen Blutungen oder schwerer Gerinnungsstörung. |
Wichtige medikamentöse Empfehlungen:
- Niedermolekulares Heparin (LMWH) ist das ideale Medikament zur Prävention und Behandlung (Starke Empfehlung).
- Die routinemäßige Einlage eines Vena-cava-Filters (IVC) wird nicht empfohlen (Starke Empfehlung).
- Bei Indikation für orale Medikamente werden NOAKs (Neue orale Antikoagulanzien) bevorzugt (Starke Empfehlung).
- Dosisanpassungen müssen anhand von Körpergewicht, Nieren-/Leberfunktion und Komplikationen erfolgen (ggf. Anti-Xa-Spiegel-Monitoring).
Perioperatives Management
Verbrennungspatienten benötigen oft multiple chirurgische Eingriffe. Für das perioperative Management gelten folgende Empfehlungen (Schwache Empfehlung):
- Prophylaktische Antikoagulation: Ohne Unterbrechung bis zum Tag der Operation fortführen (Ausnahme: großflächige Nekrosektomien oder Amputationen).
- Thrombozytenaggregationshemmer: Nach Standardverfahren absetzen und ein Bridging mit LMWH oder unfraktioniertem Heparin (UFH) durchführen.
- Akute VTE: Bei einer neu aufgetretenen, akuten VTE sollte eine geplante Operation verschoben werden.
💡Praxis-Tipp
Verlassen Sie sich bei Verbrennungspatienten nicht allein auf klinische Zeichen einer TVT, da Wunden und Verbände diese maskieren. Nutzen Sie konsequent den Caprini-Risk-Score und setzen Sie bei fehlenden Kontraindikationen frühzeitig LMWH ein.