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VTE bei Verbrennungen: Leitlinie 2024 (CMA)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Chinese Medical Association Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Caprini-Risk-Score (CRS) wird zur standardisierten VTE-Risikobewertung bei stationären Verbrennungspatienten stark empfohlen.
  • Niedermolekulares Heparin (LMWH) ist das Mittel der Wahl zur medikamentösen VTE-Prophylaxe und -Therapie.
  • Die routinemäßige Einlage eines Vena-cava-Filters wird ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Die Diagnose einer tiefen Venenthrombose (TVT) stützt sich auf Klinik, CRS, hochsensitives D-Dimer und Ultraschall (DUS/CUS).
  • Bei fehlenden Kontraindikationen sollte die medikamentöse Prophylaxe so früh wie möglich begonnen werden.
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Hintergrund

Venöse Thromboembolien (VTE), bestehend aus tiefer Venenthrombose (TVT) und Lungenembolie (LE), stellen bei erwachsenen Verbrennungspatienten eine ernsthafte Komplikation dar. Das Risiko ist durch Gewebeschäden, Schock, systemische Inflammation und lange Immobilisation stark erhöht. Die Chinese Medical Association (CMA) hat 2024 einen Expertenkonsens zur Prävention, Diagnostik und Behandlung veröffentlicht.

Risikofaktoren und Assessment

Für die Risikostratifizierung bei stationären Verbrennungspatienten wird der Caprini-Risk-Score (CRS) empfohlen (Starke Empfehlung). Zusätzlich muss das Blutungsrisiko kontinuierlich evaluiert werden.

Risikofaktoren für VTE bei VerbrennungenBemerkung
PatientenbezogenHöheres Lebensalter, Adipositas
VerletzungsbezogenAusgedehnte Verbrennungen (v.a. untere Extremitäten), Inhalationstrauma, Begleitverletzungen
BehandlungsbezogenTiefe Venenkatheter, lange ICU-Aufenthalte, Immobilisation, Wundinfektionen, viele Operationen

Diagnostik von TVT und Lungenembolie

Die Diagnostik erfordert einen multimodalen Ansatz, da typische Symptome durch Verbrennungswunden oder Verbände maskiert sein können.

EntitätDiagnostischer PfadBildgebung der Wahl
TVTKlinik + CRS + hochsensitives D-Dimer + BildgebungDoppler-Ultraschall (DUS) oder Kompressionsultraschall (CUS)
LungenembolieKlinik + CRS + hochsensitives D-Dimer + BildgebungCT-Pulmonalisangiographie (CTPA)

Hinweis: Ein negatives hochsensitives D-Dimer kann bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit eine TVT weitgehend ausschließen. Bei hoher Wahrscheinlichkeit ist zwingend eine Bildgebung erforderlich.

VTE-Prophylaxe

Die Basis jeder Prophylaxe bilden der frühe Wundverschluss und die Frühmobilisation (Starke Empfehlung).

RisikogruppeEmpfohlene ProphylaxeBemerkung
Niedriges RisikoMechanische Prophylaxe + MobilisationIntermittierende pneumatische Kompression (IPCD) bevorzugt, sofern keine Verbrennungen an den Extremitäten vorliegen.
Mittel bis Hohes RisikoMedikamentöse Prophylaxe ± Mechanische ProphylaxeBevorzugt Niedermolekulares Heparin (LMWH).
Kontraindikation für AntikoagulationRein mechanische ProphylaxeBei lebensbedrohlichen Blutungen oder schwerer Gerinnungsstörung.

Wichtige medikamentöse Empfehlungen:

  • Niedermolekulares Heparin (LMWH) ist das ideale Medikament zur Prävention und Behandlung (Starke Empfehlung).
  • Die routinemäßige Einlage eines Vena-cava-Filters (IVC) wird nicht empfohlen (Starke Empfehlung).
  • Bei Indikation für orale Medikamente werden NOAKs (Neue orale Antikoagulanzien) bevorzugt (Starke Empfehlung).
  • Dosisanpassungen müssen anhand von Körpergewicht, Nieren-/Leberfunktion und Komplikationen erfolgen (ggf. Anti-Xa-Spiegel-Monitoring).

Perioperatives Management

Verbrennungspatienten benötigen oft multiple chirurgische Eingriffe. Für das perioperative Management gelten folgende Empfehlungen (Schwache Empfehlung):

  • Prophylaktische Antikoagulation: Ohne Unterbrechung bis zum Tag der Operation fortführen (Ausnahme: großflächige Nekrosektomien oder Amputationen).
  • Thrombozytenaggregationshemmer: Nach Standardverfahren absetzen und ein Bridging mit LMWH oder unfraktioniertem Heparin (UFH) durchführen.
  • Akute VTE: Bei einer neu aufgetretenen, akuten VTE sollte eine geplante Operation verschoben werden.

💡Praxis-Tipp

Verlassen Sie sich bei Verbrennungspatienten nicht allein auf klinische Zeichen einer TVT, da Wunden und Verbände diese maskieren. Nutzen Sie konsequent den Caprini-Risk-Score und setzen Sie bei fehlenden Kontraindikationen frühzeitig LMWH ein.

Häufig gestellte Fragen

Der Caprini-Risk-Score (CRS) wird für stationäre Verbrennungspatienten stark empfohlen.
Nein, die Leitlinie spricht sich stark gegen den routinemäßigen Einsatz von IVC-Filtern zur VTE-Prävention aus.
Niedermolekulares Heparin (LMWH) gilt als ideales Medikament zur Prävention und Behandlung. Bei oraler Gabe werden NOAKs bevorzugt.
Die prophylaktische Antikoagulation sollte meist ohne Unterbrechung bis zum OP-Tag fortgeführt werden, außer bei großen Nekrosektomien oder Amputationen.
Die intermittierende pneumatische Kompression (IPCD) wird bevorzugt, sofern keine Verbrennungen an den entsprechenden Extremitäten vorliegen.

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