Bronchiolitis bei Kindern: Therapie und Sauerstoffziele
Hintergrund
Die Bronchiolitis ist die häufigste Erkrankung der tiefen Atemwege im ersten Lebensjahr. Die Symptome sind meist mild und klingen nach wenigen Tagen ab, können jedoch in einigen Fällen zu schweren Krankheitsverläufen führen.
Zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf zählen unter anderem angeborene Herzfehler, neuromuskuläre Erkrankungen, Immundefekte und chronische Lungenerkrankungen. Etwa zwei bis drei Prozent aller betroffenen Säuglinge müssen stationär behandelt werden.
Diese Zusammenfassung basiert auf der NICE-Leitlinie (NG9, Update 2021) zur Diagnostik und Behandlung der Bronchiolitis bei Säuglingen und Kindern unter zwei Jahren.
Empfehlungen
Diagnostik
Die Diagnose wird klinisch gestellt bei einem ein- bis dreitägigen Prodromalstadium mit Schnupfen, gefolgt von anhaltendem Husten, Tachypnoe oder Einziehungen sowie Giemen oder Rasselgeräuschen.
Es wird empfohlen, bei jedem Verdachtsfall die Sauerstoffsättigung (SpO2) mittels Pulsoximetrie zu messen.
Die Leitlinie rät von routinemäßigen Blutuntersuchungen, kapillären Blutgasanalysen und Röntgen-Thorax-Aufnahmen ab.
Kriterien für Überweisung und Aufnahme
Eine sofortige Notfallüberweisung wird bei Apnoe, schwerer Atemnot (Atemfrequenz über 70/min, Stöhnen, starke Einziehungen), zentraler Zyanose oder einem kritischen Allgemeinzustand empfohlen.
Eine stationäre Aufnahme wird laut Leitlinie bei folgenden Kriterien empfohlen:
-
Beobachtete oder berichtete Apnoe
-
Unzureichende orale Flüssigkeitsaufnahme (50 bis 75 Prozent der üblichen Menge)
-
Anhaltende schwere Atemnot
-
Unterschreitung der alters- und risikospezifischen SpO2-Zielwerte
Zielwerte für die Sauerstoffsättigung (SpO2)
| Patientengruppe | SpO2-Grenzwert für Aufnahme/Sauerstoffgabe | SpO2-Zielwert für Entlassung (über 4 Stunden) |
|---|---|---|
| Kinder ab 6 Wochen (ohne Vorerkrankungen) | < 90 % | > 90 % |
| Säuglinge unter 6 Wochen | < 92 % | > 92 % |
| Kinder jeden Alters mit Grunderkrankungen | < 92 % | > 92 % |
Therapie
Die Leitlinie rät explizit vom Einsatz zahlreicher Medikamente ab. Dazu gehören Antibiotika, hypertone Kochsalzlösung, Adrenalin, Salbutamol, Montelukast, Ipratropiumbromid sowie systemische oder inhalative Kortikosteroide.
Ebenso wird von routinemäßiger Atemphysiotherapie und routinemäßigem Absaugen der oberen Atemwege abgeraten.
Ein Absaugen wird nur bei Atemnot oder Trinkschwierigkeiten durch Sekret sowie bei Apnoen empfohlen.
Bei unzureichender oraler Flüssigkeitsaufnahme wird eine enterale Rehydratation über eine Magen- oder Dünndarmsonde empfohlen. Intravenöse isotone Flüssigkeiten sind für Fälle reserviert, in denen Sonden nicht toleriert werden oder ein drohendes Atemversagen vorliegt.
Entlassung und Nachsorge
Für eine Entlassung müssen die Kinder klinisch stabil sein, ausreichend trinken und die SpO2-Zielwerte über vier Stunden (inklusive einer Schlafphase) halten.
Eltern sollen bei Entlassung oder ambulanter Führung über Warnsignale (Red Flags) aufgeklärt werden. Hierzu zählen eine Verschlechterung der Atemarbeit, eine reduzierte Trinkmenge, fehlende nasse Windeln über 12 Stunden sowie Erschöpfung oder Apnoen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie benennt explizite Negativ-Empfehlungen für die medikamentöse Therapie der Bronchiolitis. Folgende Behandlungen sollen nicht angewendet werden:
-
Antibiotika
-
Hypertone Kochsalzlösung
-
Vernebeltes Adrenalin
-
Salbutamol, Montelukast oder Ipratropiumbromid
-
Systemische oder inhalative Kortikosteroide
Zudem wird von routinemäßiger Atemphysiotherapie abgeraten, es sei denn, es liegen relevante Komorbiditäten (wie spinale Muskelatrophie oder schwere Tracheomalazie) vor.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist der unnötige Einsatz von Bronchodilatatoren oder Kortikosteroiden bei Säuglingen mit Bronchiolitis. Die Leitlinie betont, dass diese Medikamente nicht wirksam sind und nicht eingesetzt werden sollen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei Säuglingen unter sechs Wochen eine Apnoe das einzige klinische Symptom einer Bronchiolitis sein kann.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Sauerstoffgabe bei Kindern ab 6 Wochen bei Werten unter 90 Prozent empfohlen. Bei Säuglingen unter 6 Wochen oder Kindern mit Grunderkrankungen liegt der Grenzwert bei unter 92 Prozent.
Die Leitlinie rät von routinemäßigen Röntgen-Thorax-Aufnahmen ab. Die radiologischen Veränderungen können einer Pneumonie ähneln und sollten nicht zur Indikationsstellung für Antibiotika herangezogen werden.
Eine sofortige Überweisung wird bei Apnoen, schwerer Atemnot mit einer Atemfrequenz über 70 pro Minute, zentraler Zyanose oder einem kritisch kranken Erscheinungsbild empfohlen.
Die Leitlinie stellt klar, dass gängige Asthmamedikamente wie Salbutamol, Kortikosteroide oder Adrenalin bei Bronchiolitis nicht wirksam sind und nicht eingesetzt werden sollen. Die Therapie beschränkt sich auf unterstützende Maßnahmen wie Sauerstoffgabe und Flüssigkeitszufuhr.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Symptome meist zwischen dem dritten und fünften Tag ihren Höhepunkt erreichen. Bei 90 Prozent der Säuglinge klingt der Husten innerhalb von drei Wochen ab.
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Quelle: NICE Guideline on Bronchiolitis in Children (NICE, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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