IQWiG2016Neurologie

Brivaracetam: Indikation und Therapie fokaler Anfälle

Diese Leitlinie stammt aus 2016 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2016)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A16-08 aus dem Jahr 2016 bewertet den Zusatznutzen von Brivaracetam. Der Wirkstoff ist als Zusatzbehandlung fokaler Anfälle mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Patienten ab 16 Jahren mit Epilepsie zugelassen.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie legte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine individuelle antiepileptische Zusatztherapie fest. Hierfür kommen Wirkstoffe wie Eslicarbazepin, Lacosamid, Lamotrigin oder Levetiracetam infrage.

Der pharmazeutische Unternehmer reichte für die Bewertung indirekte Vergleiche gegenüber Lacosamid und Eslicarbazepin ein. Das IQWiG prüfte diese Daten auf ihre methodische Eignung und Vollständigkeit.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:

Bewertung des Zusatznutzens

Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Brivaracetam nicht belegt. Der pharmazeutische Unternehmer hat keine geeigneten Daten vorgelegt, um einen Vorteil gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nachzuweisen.

Methodische Mängel der vorgelegten Studien

Die Bewertung zeigt, dass die eingereichten Studien aus mehreren Gründen für einen indirekten Vergleich ungeeignet waren:

  • Fehlende patientenindividuelle Titration der Brivaracetam-Dosis gemäß Fachinformation

  • Zu kurze Studiendauer, da die europäische Zulassungsbehörde (EMA) eine Erhaltungsphase von mindestens 12 Wochen fordert

  • Mangelnde Ähnlichkeit der Studienpopulationen, da Patienten in den Vergleichsstudien teilweise deutlich schwerer erkrankt waren

Fehlende Endpunktauswertungen

Es wird kritisiert, dass nicht alle relevanten Endpunkte ausgewertet wurden. Obwohl Daten zur Anfallsfrequenz vorlagen, wurden diese nicht für den Vergleich herangezogen.

Zudem fehlten detaillierte Auswertungen zu spezifischen unerwünschten Ereignissen auf Systemorganklassen-Ebene. Eine vollständige Auswertung wird als notwendig erachtet, um das Nebenwirkungsprofil abschließend beurteilen zu können.

Dosierung

Der Bericht zitiert folgende Dosierungsangaben aus den jeweiligen Fachinformationen für die Zusatztherapie:

WirkstoffAnfangsdosisErhaltungsdosis / Maximaldosis
Brivaracetam50 mg/Tag oder 100 mg/Tag50 mg/Tag bis 200 mg/Tag
Eslicarbazepin400 mg/Tag800 mg/Tag bis 1200 mg/Tag
Lacosamidk.A. (Titration)400 mg/Tag (maximal zulässige Dosis)

Kontraindikationen

Der Bericht verweist auf folgende Gegenanzeigen und Warnhinweise gemäß Fachinformation:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Pyrrolidon-Derivate

  • Warnhinweise bezüglich Suizidgedanken und -verhalten sowie eingeschränkter Leberfunktion

  • Vorsicht bei Laktose- oder Fructose-Intoleranz sowie bei natriumkontrollierter Diät

  • Aus Vorsichtsgründen sollte eine Anwendung in der Schwangerschaft vermieden werden, sofern sie nicht klinisch zwingend erforderlich ist

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Bericht wird bei klinischen Studien zur Epilepsie-Zusatzbehandlung eine Erhaltungsphase von mindestens 12 Wochen gefordert, um die Wirksamkeit und Verträglichkeit verlässlich beurteilen zu können. Kürzere Beobachtungszeiträume lassen keine sinnvollen Aussagen für eine länger andauernde Behandlung zu. Zudem wird betont, dass die Dosis von Brivaracetam stets patientenindividuell nach Ansprechen und Verträglichkeit titriert werden muss.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Brivaracetam gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vom Hersteller vorgelegten Daten aus indirekten Vergleichen wurden als methodisch ungeeignet eingestuft.

Der Bericht zitiert die Fachinformation, wonach die Anfangsdosis 50 mg oder 100 mg pro Tag beträgt. Abhängig vom individuellen Ansprechen und der Verträglichkeit erfolgt eine Anpassung im Bereich von 50 mg bis 200 mg täglich.

Es wird eine individuelle antiepileptische Zusatztherapie empfohlen, sofern keine Pharmakoresistenz oder Kontraindikationen vorliegen. Hierfür stehen Wirkstoffe wie Lamotrigin, Levetiracetam, Lacosamid oder Valproinsäure zur Verfügung.

Die Studien wurden unter anderem wegen einer zu kurzen Erhaltungsphase von unter 12 Wochen und einer fehlenden patientenindividuellen Dosistitration kritisiert. Zudem fehlten wichtige Auswertungen zur Anfallsfrequenz.

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Quelle: IQWiG A16-08: Brivaracetam - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2016). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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