Blasenkarzinom (Ta/T1): BCG vs. Mitomycin C Therapie
Hintergrund
Das Urothelkarzinom der Harnblase weist nach einer transurethralen Resektion (TURB) ein hohes Risiko für Rezidive und eine Krankheitsprogression auf. Besonders bei nicht-muskelinvasiven Tumoren der Stadien Ta und T1 mit intermediärem oder hohem Risiko ist eine anschließende intravesikale Therapie indiziert.
Als konkurrierende Behandlungsoptionen kommen dabei häufig die Immuntherapie mit Bacillus Calmette-Guérin (BCG) oder die Chemotherapie mit Mitomycin C (MMC) zum Einsatz. Die Wahl der optimalen Substanz wird in der klinischen Praxis fortlaufend diskutiert.
Dieser systematische Cochrane Review aus dem Jahr 2020 vergleicht die Wirksamkeit und Sicherheit beider Therapieformen. Die Meta-Analyse umfasst 12 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2932 erwachsenen Personen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse folgende zentrale Ergebnisse zum Vergleich von BCG und MMC:
Gesamtmortalität und Progression
Laut Meta-Analyse bewirkt BCG im Vergleich zu MMC wahrscheinlich keinen oder nur einen sehr geringen Unterschied bei der Zeit bis zum Tod durch jegliche Ursache (Hazard Ratio 0,97; niedrige Evidenz).
Auch bezüglich der Zeit bis zu einer Krankheitsprogression zeigt sich gemäß dem Review kaum ein Unterschied zwischen den beiden intravesikalen Therapien (Hazard Ratio 0,96; niedrige Evidenz).
Tumorrezidive
Der Review zeigt, dass BCG die Zeit bis zu einem Tumorrezidiv im Vergleich zu MMC möglicherweise verlängert (Hazard Ratio 0,88; niedrige Evidenz).
Dies entspricht statistisch etwa 41 Rezidivfällen weniger pro 1000 behandelten Personen nach fünf Jahren. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Konfidenzintervalle auch die Möglichkeit keines Unterschieds einschließen.
Unerwünschte Ereignisse
Bezüglich der Sicherheit zeigt die Auswertung ein erhöhtes Risiko unter der Therapie mit BCG. Es wird berichtet, dass BCG im Vergleich zu MMC das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse möglicherweise erhöht (Risikoverhältnis 2,31; niedrige Evidenz).
Zu den dokumentierten Nebenwirkungen gehören unter anderem Zystitis, Hämaturie, allergische Reaktionen sowie systemische Effekte. Die Datenlage zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität war laut Review unzureichend für eine abschließende Bewertung.
Dosierung
Der Cochrane Review analysierte verschiedene Dosierungen und Therapieschemata aus den eingeschlossenen Studien. Die folgende Tabelle fasst die in den Studien verwendeten Dosierungsbereiche zusammen:
| Medikament | Dosierungsbereich | Typisches Induktionsschema |
|---|---|---|
| Bacillus Calmette-Guérin (BCG) | 13,5 mg bis 120 mg | Wöchentlich für 6 Wochen |
| Mitomycin C (MMC) | 20 mg bis 40 mg | Wöchentlich für 4 bis 8 Wochen |
Die Erhaltungstherapien variierten in den Studien stark und reichten von monatlichen Gaben über ein Jahr bis hin zu dreijährigen Schemata.
Kontraindikationen
Der Review listet folgende Kontraindikationen für die jeweiligen intravesikalen Therapien auf:
Kontraindikationen für BCG
-
Makrohämaturie
-
Traumatische Katheterisierung
-
Kürzlich erfolgte Tumorresektion (weniger als zwei Wochen nach TURB)
-
Harninkontinenz
-
Symptomatische Harnwegsinfektion
-
Immunsuppression
Kontraindikationen für Mitomycin C (MMC)
-
Reduzierte Knochenmarksfunktion
-
Blutungsneigung
-
Schäden an Leber, Lunge oder Nieren
-
Allgemein schlechter Gesundheitszustand
-
Überempfindlichkeit gegen MMC
-
Hämaturie und Blasenperforation
-
Harnwegsinfektion
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review betont, dass die Entscheidung zwischen BCG und MMC eine Abwägung erfordert. Während BCG möglicherweise das Risiko für Tumorrezidive senkt, geht es gleichzeitig mit einer höheren Rate an schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen einher. Es wird hervorgehoben, dass die Evidenz für alle Endpunkte von niedriger Qualität ist, was bei der Aufklärung berücksichtigt werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es keinen signifikanten Unterschied bei der Gesamtmortalität oder der Krankheitsprogression. BCG verringert möglicherweise das Rezidivrisiko, führt aber häufiger zu schwerwiegenden Nebenwirkungen.
Der Review nennt unter anderem Makrohämaturie, Harnwegsinfektionen, Immunsuppression und eine kürzlich erfolgte TURB (unter zwei Wochen) als Kontraindikationen für BCG.
Die Meta-Analyse zeigt, dass BCG im Vergleich zu Mitomycin C das Risiko für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse erhöht. Häufige Nebenwirkungen umfassen Zystitis, Hämaturie und systemische Reaktionen wie Fieber.
In den meisten vom Review analysierten Studien bestand die Induktionstherapie aus wöchentlichen Instillationen über einen Zeitraum von sechs Wochen. Die anschließenden Erhaltungsschemata variierten deutlich.
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Quelle: Cochrane Review: Intravesical Bacillus Calmette-Guérin versus mitomycin C for Ta and T1 bladder cancer (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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