Betreuung Sterbender: Symptomkontrolle und Hydratation
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG31 befasst sich mit der klinischen Betreuung von Erwachsenen, bei denen das multiprofessionelle Team davon ausgeht, dass sie sich in den letzten zwei bis drei Lebenstagen befinden. Sie richtet sich primär an Nicht-Spezialisten in der Primärversorgung, in Pflegeheimen sowie an medizinisches Personal in verschiedenen Fachbereichen.
Ein zentrales Anliegen der Leitlinie ist es, eine evidenzbasierte Alternative zu früheren, oft kritisierten Standardpfaden zu bieten. Der Fokus liegt auf einer individualisierten Betreuung, die die Bedürfnisse, Wünsche und die Würde der sterbenden Person in den Mittelpunkt stellt.
Die Empfehlungen gelten für alle Menschen am Lebensende, unabhängig davon, ob sie bei Bewusstsein oder bewusstlos sind. Es wird betont, dass die Prinzipien der Kommunikation und der gemeinsamen Entscheidungsfindung auch bei eingeschränkter mentaler Kapazität bestmöglich angewendet werden sollen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Erkennung der Sterbephase
Laut Leitlinie ist es oft schwierig, mit Sicherheit festzustellen, dass ein Mensch stirbt. Es wird empfohlen, physiologische, psychologische, soziale und spirituelle Bedürfnisse sowie aktuelle klinische Zeichen zu dokumentieren.
Zu den Anzeichen, auf die geachtet werden sollte, gehören:
-
Agitation und Cheyne-Stokes-Atmung
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Verschlechterung des Bewusstseinszustands und marmorierte Haut
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Rasselnde Atemgeräusche und zunehmende Müdigkeit
Die Leitlinie weist darauf hin, dass eine Besserung der Symptome auch auf eine vorübergehende Stabilisierung hindeuten kann. Eine Überwachung auf Veränderungen wird mindestens alle 24 Stunden empfohlen.
Kommunikation und Pflegeplanung
Es wird empfohlen, die Prognose mit der sterbenden Person zu besprechen, sobald erkannt wird, dass sie sich in den letzten Lebenstagen befindet. Dies gilt, sofern die Person eine Aufklärung nicht ablehnt.
Gemäß der Leitlinie sollte ein individueller Pflegeplan erstellt werden. Dieser sollte persönliche Ziele, den bevorzugten Pflegeort sowie Präferenzen für das Symptommanagement umfassen.
Hydratation
Die Leitlinie empfiehlt, die sterbende Person beim Trinken zu unterstützen, sofern sie dies wünscht und dazu in der Lage ist. Eine regelmäßige Mund- und Lippenpflege wird angeraten.
Bei der Erwägung einer klinisch assistierten Hydratation sollte ein individualisierter Ansatz gewählt werden. Ein therapeutischer Versuch kann laut Leitlinie erwogen werden, wenn belastende Symptome wie Durst oder Delir vorliegen und die orale Flüssigkeitsaufnahme unzureichend ist.
Pharmakologische Symptomkontrolle
Es wird empfohlen, die aktuelle Medikation zu überprüfen und Medikamente abzusetzen, die keinen symptomatischen Nutzen bieten. Für die Symptomkontrolle sollten nicht-pharmakologische Maßnahmen stets mitbedacht werden.
Die Leitlinie empfiehlt folgende pharmakologische Ansätze für spezifische Symptome am Lebensende:
| Symptom | Empfohlene Wirkstoffklasse / Wirkstoff | Anmerkung der Leitlinie |
|---|---|---|
| Atemnot | Opioide, Benzodiazepine (oder Kombination) | Keine routinemäßige Sauerstoffgabe |
| Übelkeit bei Darmobstruktion | Hyoscinbutylbromid (1. Wahl), Octreotid (2. Wahl) | Octreotid bei Nichtansprechen nach 24h |
| Angst / Agitation | Benzodiazepine | Zuvor reversible Ursachen behandeln |
| Delir / Agitation | Antipsychotika | Fachlichen Rat bei Therapieversagen einholen |
| Rasselatmung | Atropin, Glycopyrroniumbromid, Hyoscinbutylbromid | Wirkungseintritt kann bis zu 12h dauern |
Vorausschauende Verschreibung (Anticipatory Prescribing)
Die Leitlinie empfiehlt einen individualisierten Ansatz für die vorausschauende Verschreibung von Medikamenten. Indikationen und Dosierungen müssen klar spezifiziert werden.
Es wird angeraten, den potenziellen Bedarf für Symptome wie Agitation, Angst, Atemnot, Übelkeit und Schmerzen frühzeitig zu evaluieren. Die verordneten Medikamente sollten regelmäßig an die sich ändernden Bedürfnisse angepasst werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Warnhinweise bei der Symptomkontrolle:
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Intramuskuläre Injektionen sollten vermieden werden; stattdessen werden subkutane oder intravenöse Zugänge empfohlen.
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Sauerstoff sollte nicht routinemäßig zur Behandlung von Atemnot eingesetzt werden, sondern nur bei bekannter oder klinisch vermuteter symptomatischer Hypoxämie.
-
Bei der Verschreibung von Cyclizin gegen Übelkeit und Erbrechen wird gewarnt, dass dies eine bestehende Herzinsuffizienz verschlimmern kann.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass rasselnde Atemgeräusche ("death rattle") für die Angehörigen oft sehr belastend sind, der sterbenden Person selbst aber wahrscheinlich keine Beschwerden bereiten. Es wird empfohlen, vor dem Einsatz von Anticholinergika zunächst nicht-pharmakologische Maßnahmen auszuschöpfen und die Angehörigen entsprechend aufzuklären und zu beruhigen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, den Patienten mindestens alle 24 Stunden auf weitere Veränderungen zu überwachen. Der individuelle Pflegeplan sollte entsprechend aktualisiert werden.
Laut Leitlinie kann bei starker Belastung ein Therapieversuch mit Atropin, Glycopyrroniumbromid, Hyoscinbutylbromid oder Hyoscinhydrobromid erwogen werden. Es wird darauf hingewiesen, dass die Wirkung bis zu 12 Stunden auf sich warten lassen kann.
Die Leitlinie rät von einer routinemäßigen Sauerstoffgabe zur Behandlung von Atemnot ab. Eine Sauerstofftherapie wird nur für Patienten empfohlen, bei denen eine symptomatische Hypoxämie bekannt ist oder klinisch vermutet wird.
Es wird ein streng individualisierter Ansatz empfohlen, anstatt unreflektiert Standard-Kits zu verwenden. Die Leitlinie betont, dass Indikationen und Dosierungen für erwartbare Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Agitation klar spezifiziert werden müssen.
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Quelle: NG31: Care of dying adults in the last days of life (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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NG142: End of life care for adults: service delivery
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StatPearls: Termination of Life Support
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