WHO2024

Bakterielle Infektion (Säugling): Therapie & Diagnostik

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Jedes Jahr sterben weltweit hunderttausende Säuglinge in den ersten 59 Lebenstagen an schweren bakteriellen Infektionen wie Sepsis, Meningitis und Pneumonie. Die frühzeitige klinische Diagnose ist oft erschwert, da Symptome unspezifisch sein können und sich der Zustand der Kinder rapide verschlechtert.

Die WHO-Leitlinie adressiert diese Herausforderung durch standardisierte klinische Algorithmen zur Erkennung möglicher schwerer bakterieller Infektionen (PSBI). Ein zentrales Element ist der 7-Zeichen-IMCI-Algorithmus für den außerklinischen Bereich.

Zudem definiert das Dokument evidenzbasierte Antibiotikaregime für Krankenhäuser sowie für ressourcenschwache Settings, in denen eine Überweisung in eine Klinik nicht möglich ist. Ziel ist es, die Sterblichkeit zu senken und gleichzeitig der zunehmenden Antibiotikaresistenz entgegenzuwirken.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für Säuglinge im Alter von 0 bis 59 Tagen:

Diagnostik im außerklinischen Bereich

Zur Identifikation von Säuglingen mit möglicher schwerer bakterieller Infektion (PSBI) wird der WHO 7-Zeichen-IMCI-Algorithmus empfohlen (starke Empfehlung). Dieser dient der Entscheidung, ob eine weitere Evaluation oder Therapie notwendig ist.

Therapie im außerklinischen Bereich

Grundsätzlich wird bei kritischer Krankheit, schwerer klinischer Infektion oder alleinigem schnellen Atmen (in den ersten 6 Lebenstagen) eine sofortige Überweisung ins Krankenhaus empfohlen. Ist eine Überweisung nicht möglich, empfiehlt die Leitlinie:

  • Bei kritischer Krankheit: Ampicillin plus Gentamicin (IM/IV) für mindestens 10 Tage.

  • Bei schwerer Infektion: Orales Amoxicillin plus Gentamicin (IM/IV) für mindestens 7 Tage.

  • Bei alleinigem schnellen Atmen (0-6 Tage): Orales Amoxicillin für mindestens 7 Tage.

  • Bei alleinigem schnellen Atmen (7-59 Tage): Orales Amoxicillin für mindestens 7 Tage ohne zwingende Krankenhauseinweisung.

Therapie im klinischen Bereich

Für hospitalisierte Säuglinge empfiehlt die Leitlinie als Erstlinientherapie:

  • Bei Verdacht auf Sepsis: Ampicillin plus Gentamicin für mindestens 10 Tage.

  • Bei Verdacht auf Staphylokokken-Sepsis: Cloxacillin plus Gentamicin für mindestens 10 Tage.

  • Bei Verdacht auf Meningitis: Ampicillin, Cefotaxim oder Ceftriaxon plus Gentamicin für mindestens 3 Wochen.

  • Bei Verdacht auf Pneumonie: Ampicillin plus Gentamicin für mindestens 7 Tage.

Monitoring und Anpassung

Es wird betont, dass die empirische Antibiotikatherapie im Verlauf der Erkrankung angepasst werden sollte. Die Leitlinie rät dazu, individuelle Therapieregime basierend auf mikrobiologischen Testergebnissen zu steuern.

Dosierung

IndikationMedikamentDosisDauer
Kritische Krankheit (außerklinisch)Ampicillin + Gentamicin IM/IVAmpicillin: 50 mg/kg alle 12h (Woche 1), danach alle 8h. Gentamicin: 5 mg/kg 1x/Tag (Woche 1), danach 7,5 mg/kgmind. 10 Tage
Schwere Infektion (außerklinisch)Amoxicillin oral + Gentamicin IM/IVAmoxicillin: 50 mg/kg alle 12h (Woche 1), danach alle 8h. Gentamicin: wie obenmind. 7 Tage
Isoliertes schnelles Atmen (außerklinisch)Amoxicillin oral50 mg/kg alle 12hmind. 7 Tage
Verdacht auf Sepsis (Klinik)Ampicillin + Gentamicin IM/IVAmpicillin: 50 mg/kg alle 12h (Woche 1), danach alle 8h. Gentamicin: wie obenmind. 10 Tage
Staphylokokken-Sepsis (Klinik)Cloxacillin + Gentamicin IM/IVCloxacillin: 50 mg/kg alle 12h (Woche 1), danach alle 8h. Gentamicin: wie obenmind. 10 Tage
Verdacht auf Meningitis (Klinik)Ampicillin ODER Cefotaxim ODER Ceftriaxon + Gentamicin IM/IVAmpicillin/Cefotaxim: 50 mg/kg alle 12h (Woche 1), danach alle 8h bzw. 6h. Ceftriaxon: 100 mg/kg 1x/Tag. Gentamicin: wie obenmind. 3 Wochen
Verdacht auf Pneumonie (Klinik)Ampicillin + Gentamicin IM/IVAmpicillin: 50 mg/kg alle 12h (Woche 1), danach alle 8h. Gentamicin: wie obenmind. 7 Tage
Staphylokokken-Pneumonie (Klinik)Cloxacillin + Gentamicin IM/IVCloxacillin: 50 mg/kg alle 12h (Woche 1), danach alle 8h. Gentamicin: wie obenmind. 7 Tage

Kontraindikationen

Die Leitlinie weist darauf hin, dass Ceftriaxon bei jungen Säuglingen mit Bilirubinbindung und Gelbsucht in Verbindung gebracht wird. Zudem wird auf die Toxizität bei kurz- und langfristiger Anwendung von Gentamicin hingewiesen, weshalb eine Spiegelmessung empfohlen wird, sofern dies möglich ist.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass die empfohlenen Antibiotikaregime für den außerklinischen Bereich ausschließlich für Situationen gedacht sind, in denen eine Überweisung in ein Krankenhaus absolut nicht möglich ist. Bei kritischer Krankheit, schwerer Infektion oder schnellem Atmen in den ersten 6 Lebenstagen stellt die sofortige Krankenhauseinweisung immer die primäre und sicherste Maßnahme dar.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird bei alleinigem schnellen Atmen in den ersten 6 Lebenstagen eine Krankenhauseinweisung empfohlen. Ist dies nicht möglich, wird eine siebentägige orale Therapie mit Amoxicillin angeraten.

Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie eine Kombination aus Ampicillin, Cefotaxim oder Ceftriaxon zusammen mit Gentamicin. Diese intravenöse oder intramuskuläre Therapie wird für mindestens drei Wochen empfohlen.

Es handelt sich um ein klinisches Instrument zur Identifikation von möglichen schweren bakteriellen Infektionen bei Säuglingen. Die Leitlinie empfiehlt diesen Algorithmus ausdrücklich für den außerklinischen Bereich, um behandlungsbedürftige Kinder zu erkennen.

Gemäß der Leitlinie wird bei Verdacht auf Sepsis im klinischen Setting eine Therapiedauer von mindestens 10 Tagen empfohlen. Als Standardregime wird Ampicillin in Kombination mit Gentamicin genannt.

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Quelle: WHO recommendations for management of serious bacterial infections in infants aged 0–59 days (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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