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RSV-Prophylaxe bei Risikokindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Nirsevimab wird als Standardprophylaxe für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison empfohlen.
  • Bei Nicht-Verfügbarkeit von Nirsevimab dient Palivizumab als Alternative für definierte Risikogruppen.
  • Hochrisikokinder (z.B. mit schwerer BPD) sollen auch vor ihrer zweiten RSV-Saison Nirsevimab erhalten.
  • Basishygiene, Rauchfreiheit, Stillen und die Kokonstrategie (Impfung der Kontaktpersonen) sind essenzielle Präventionsbausteine.
  • Nach einer labordiagnostisch gesicherten RSV-Infektion soll in derselben Saison keine weitere Prophylaxe-Gabe erfolgen.
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Hintergrund

Das Respiratory Syncytial Virus (RSV) ist der häufigste Erreger von unteren Atemwegsinfektionen bei Neugeborenen und Säuglingen. Während die Infektion bei gesunden Kindern oft unkompliziert verläuft, haben bestimmte Risikogruppen ein stark erhöhtes Risiko für schwere Verläufe, die eine Hospitalisierung oder intensivmedizinische Betreuung erfordern. Da aktuell keine ursächliche Therapie zur Verfügung steht, liegt der Fokus auf der Prävention.

Risikogruppen für schwere RSV-Verläufe

Ein erhöhtes Risiko für schwere RSV-Erkrankungen besteht insbesondere bei folgenden Patientengruppen (starke Empfehlung):

RisikogruppeSpezifische Erkrankungen / Merkmale
FrühgeboreneGestationsalter < 37 SSW, insbesondere mit bronchopulmonaler Dysplasie (BPD)
Pulmonale ErkrankungenZystische Fibrose (CF), primäre ziliäre Dyskinesie (PCD), angeborene Atemwegsanomalien, Zwerchfellhernien
Kardiologische ErkrankungenHämodynamisch relevante Herzfehler (Links-rechts-Shunt, pulmonale Hypertonie, Zyanose, schwere Herzinsuffizienz)
ImmundefizienzSchwere angeborene (z.B. SCID) oder erworbene Immundefekte, Immunsuppression
Neurologische/Syndromale ErkrankungenTrisomie 21, neuromuskuläre Erkrankungen mit eingeschränkter Lungenfunktion/Abhustschwäche

Weitere Risikofaktoren umfassen unter anderem ein Alter unter 6 Monaten, Mehrlingsgeburten, Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen und Rauchexposition.

Hygienische und allgemein-präventive Maßnahmen

Die konsequente Einhaltung von Hygienemaßnahmen ist essenziell (starke Empfehlung).

  • Expositionsprophylaxe: Kontakt zu Personen mit Atemwegsinfekten meiden. Einschränkung der Kontaktpersonen während der RSV-Saison.
  • Umgebung: Rauchfreie Umgebung (starke Empfehlung), ausreichendes Lüften und Motivation zum Stillen (starke Empfehlung).
  • Kokonstrategie: Optimaler Impfschutz aller Bezugspersonen, inklusive Influenza-Impfung (starke Empfehlung).
  • Klinikalltag: Strikte Händehygiene, Tragen eines enganliegenden Mund-Nasen-Schutzes (MNS), Einschränkung des Besucherverkehrs und Kohorten-/Umkehrisolation bei Risikopatienten (starke Empfehlung).

Medikamentöse Prophylaxe (Monoklonale Antikörper)

Mit dem Amendment 2024 und der STIKO-Empfehlung (Juni 2024) hat sich die Strategie der passiven Immunisierung grundlegend gewandelt.

WirkstoffEigenschaftenDosierungsschema
Nirsevimab (Beyfortus)Lange Halbwertszeit, Standardprophylaxe1 Injektion pro RSV-Saison
Palivizumab (Synagis)Kurze Halbwertszeit, Alternative bei EngpässenMonatliche Injektionen (max. 5 Dosen) im Abstand von 4 Wochen

Indikationen nach Alters- und Risikogruppen

Patientengruppe1. RSV-Saison2. RSV-Saison
Alle Neugeborenen/Säuglinge (auch ohne Risiko)Nirsevimab (starke Empfehlung)Keine Prophylaxe
Frühgeborene ≤ 24 Monate mit BPD (O2-Bedarf in letzten 6 Monaten)Nirsevimab (starke Empfehlung)Nirsevimab (Empfehlung)
Kinder mit hämodynamisch relevanten HerzfehlernNirsevimab (starke Empfehlung)Nirsevimab (individuell erwägen)
Kinder mit schwerer ImmundefizienzNirsevimab (starke Empfehlung)Nirsevimab (individuell erwägen)
Kinder mit Trisomie 21 oder neuromuskulärer SchwächeNirsevimab (starke Empfehlung)Nirsevimab (individuell erwägen)

Hinweis: Bei Nicht-Verfügbarkeit von Nirsevimab soll bei den definierten Risikogruppen auf Palivizumab ausgewichen werden. Kinder ab 2 Jahren sollen keine Prophylaxe mehr erhalten (starke Empfehlung).

Zeitpunkt der Applikation

  • Geburt vor der Saison (April - September): Gabe im Herbst vor Beginn der Saison (meist September bis November) (starke Empfehlung).
  • Geburt während der Saison (Oktober - März): Frühzeitige Gabe, idealerweise im Rahmen der U2 in der Geburtsklinik oder zeitnah in der Praxis (starke Empfehlung).
  • Nach RSV-Infektion: Nach einer labordiagnostisch gesicherten RSV-Infektion soll in derselben Saison keine Nirsevimab-Gabe mehr erfolgen; eine begonnene Palivizumab-Prophylaxe ist abzubrechen (starke Empfehlung).
  • Maternale Impfung: Haben Mütter in der Schwangerschaft eine RSV-Impfung erhalten, wird für Hochrisikokinder nach der Geburt dennoch zusätzlich eine Prophylaxe mit Nirsevimab empfohlen (Empfehlung).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei Neugeborenen, die während der RSV-Saison (Oktober bis März) geboren werden, bereits die U2-Untersuchung in der Geburtsklinik für die Nirsevimab-Gabe. Brechen Sie eine begonnene Prophylaxe ab, sobald das Kind eine labordiagnostisch gesicherte RSV-Infektion durchgemacht hat.

Häufig gestellte Fragen

Standardmäßig nicht. Eine Prophylaxe in der zweiten Saison mit Nirsevimab wird nur für Hochrisikokinder (z.B. mit schwerer BPD, komplexen Herzfehlern oder Immundefizienz) empfohlen oder individuell erwogen.
Bei Nicht-Verfügbarkeit von Nirsevimab sollen definierte Risikokinder (wie extreme Frühgeborene oder Kinder mit schweren Herzfehlern) präferenziell mit Palivizumab (monatliche Gaben) geschützt werden.
Ja, die Prophylaxe mit Nirsevimab oder Palivizumab kann zeitgleich mit aktiven Impfungen verabreicht werden.
Ja. Für Kinder mit hohem Risiko (z.B. Frühgeborene < 35 SSW, schwere Herzfehler) wird nach der Geburt zusätzlich eine Prophylaxe mit Nirsevimab empfohlen, auch wenn die Mutter geimpft wurde.

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