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AWMFS3Onkologie

S3-Leitlinie Analkarzinom: Diagnostik und Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ueber 90 % der Analkarzinome sind mit Hochrisiko-HPV-Infektionen (v. a. HPV 16) assoziiert.
  • Fuer HIV-positive Patienten wird ein jaehrliches Screening mittels Inspektion, Palpation und Analzytologie empfohlen.
  • Die Unterscheidung zwischen Analrand- und Analkanalkarzinom ist prognostisch und therapeutisch essenziell.
  • Bei Verdacht auf Analkarzinom ist eine histopathologische Sicherung (Biopsie) zwingend erforderlich.
  • Bei Analrandkarzinomen <= 2 cm ohne Sphinkterinfiltration sollte primaer eine R0-Exzision angestrebt werden.
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Hintergrund

Das Analkarzinom ist ein seltener Tumor des Gastrointestinaltrakts (unter 5 % aller GI-Malignome). In ueber 90 % der Faelle wird es durch eine persistierende Infektion mit Hochrisiko-Humanen-Papillomviren (HR-HPV), insbesondere HPV 16, verursacht. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zaehlen:

  • Immundefizienz (z. B. HIV-Infektion, iatrogene Immunsuppression)
  • Rezeptiver Analverkehr und haeufig wechselnde Sexualpartner
  • Vorerkrankungen mit HPV-assoziierten anogenitalen Laesionen
  • Nikotinabusus

Definition und Abgrenzung

Die genaue anatomische Zuordnung ist fuer Prognose und Therapie entscheidend (Starker Konsens).

Karzinom-TypKlinische Definition
AnalrandkarzinomUnter Spreizung der Nates makroskopisch vollstaendig sichtbar. Liegt ueberwiegend im Radius von 5 cm um die Linea anocutanea.
AnalkanalkarzinomMakroskopisch unter Spreizung der Nates nicht oder nicht vollstaendig sichtbar.

TNM-Klassifikation (AJCC 2017)

Die Stadieneinteilung erfolgt nach der aktuellen AJCC-Klassifikation (Starker Konsens).

T-StadiumDefinition
TisHochgradige plattenepitheliale intraepitheliale Laesion (HSIL/AIN II-III)
T1Tumor <= 2 cm
T2Tumor > 2 cm und <= 5 cm
T3Tumor > 5 cm
T4Tumor jeder Groesse mit Infiltration benachbarter Organe (z. B. Vagina, Urethra, Blase)
N-StadiumDefinition
N0Keine regionaeren Lymphknotenmetastasen
N1Metastasen in inguinalen, mesorektalen oder iliakalen Lymphknoten

Praevention und Screening

Ein systematisches Screening wird fuer Risikogruppen empfohlen, um inzidente Karzinome und Praekanzerosen fruehzeitig zu erkennen:

  • HIV-positive Patienten: Jaehrliches Screening mittels Inspektion, Palpation (digital-rektale Untersuchung) und Analzytologie (Starker Konsens).
  • HIV-negative Risikopatienten: (z. B. MSM, Immunsupprimierte, Frauen mit HPV-assoziierten Karzinomen) Screening mindestens alle 12 bis 36 Monate anbieten (Starker Konsens).
  • Auffaellige Befunde: Abklaerung mittels Proktoskopie oder hochaufloesender Anoskopie (HRA) und gezielter Biopsie.

Primaere Diagnostik

Bei Verdacht auf ein Analkarzinom sind folgende diagnostische Schritte durchzufuehren:

  • Anamnese: Abklaerung von Risikofaktoren (HIV, Sexualpraktiken, Nikotin) (Starker Konsens).
  • Koerperliche Untersuchung: Fokus auf Leistenlymphknoten und Analregion (Starker Konsens).
  • Proktologische Untersuchung: Inklusive digital-rektaler Untersuchung, Proktoskopie, ggf. Rektoskopie und analer Endosonographie (Starker Konsens).
  • Tumorbeschreibung: Exakte Dokumentation von Lage (Steinschnittlage), Groesse, Ausdehnung und Beweglichkeit/Sphinkterinfiltration (Starker Konsens).
  • Histopathologie: Eine histopathologische Sicherung (Biopsie) soll stets angestrebt werden (Starker Konsens). Zudem sollte eine HPV-Analyse erfolgen.

Therapie in fruehen Stadien

Die primaere Therapieentscheidung haengt von der Lokalisation und Groesse ab. Vor einer Exzision muss ein Sphinkterkontakt (z. B. via MRT oder Endosonographie) ausgeschlossen werden.

TumorBefundTherapieempfehlungEmpfehlungsgrad
Analrandkarzinom<= 2 cm, keine Sphinkter-/OrganinfiltrationTherapeutische R0-Exzision mit 0,5 cm SicherheitsabstandKonsens
AnalrandkarzinomUnklare Histologie/HGAIN in Biopsie, <= 2 cmTherapeutische R0-Exzision mit 0,5 cm SicherheitsabstandStarker Konsens
Analkanalkarzinom<= 2 cm, sehr gut mobil, keine SphinkterinfiltrationTherapeutische R0-Exzision mit 0,5 cm Sicherheitsabstand kann erwogen werdenStarker Konsens

💡Praxis-Tipp

Fuehren Sie bei unklaren perianalen Laesionen, die unter konservativer Therapie nach 4-6 Wochen nicht abheilen, stets eine Biopsie zum Ausschluss eines Analkarzinoms durch.

Häufig gestellte Fragen

Analrandkarzinome sind bei Spreizung der Nates vollstaendig sichtbar und liegen im 5-cm-Radius um die Linea anocutanea. Analkanalkarzinome sind von aussen nicht vollstaendig sichtbar.
HIV-positive Patienten (jaehrlich) sowie HIV-negative Risikopatienten (z. B. MSM, Immunsupprimierte, Frauen mit HPV-assoziierten Karzinomen) alle 12 bis 36 Monate.
Empfohlen werden Inspektion, digital-rektale Untersuchung und Analzytologie. Bei Auffaelligkeiten folgt eine hochaufloesende Anoskopie (HRA) mit Biopsie.
Bei Analrandkarzinomen <= 2 cm ohne Sphinkterinfiltration sollte eine R0-Exzision (0,5 cm Abstand) erfolgen. Bei Analkanalkarzinomen gleicher Groesse kann dies erwogen werden.

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