Ganzkörper-MRT bei Kindern: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die GK-MRT eignet sich zur Ausbreitungsdiagnostik maligner und nicht-maligner systemischer Erkrankungen in der Pädiatrie ohne Strahlenbelastung.
- •Primäre Indikationen sind CNO/CRMO, Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH), Tumorprädispositionssyndrome (TPS) und das Neuroblastom.
- •Die Befundung muss durch erfahrene Kinderradiologen erfolgen, um Überdiagnostik (z.B. bei physiologischen STIR-Signalanhebungen) zu vermeiden.
- •Untersuchungsprotokolle müssen zwingend alters- und indikationsadaptiert sein (Anpassung von Field of View und Voxelgröße).
Hintergrund
Die Ganzkörpermagnetresonanztomografie (GK-MRT) ermöglicht eine hochaufgelöste Darstellung des gesamten Körpers ohne ionisierende Strahlung. Sie konkurriert mit CT, PET/CT und Szintigrafie und sollte eingesetzt werden, wenn sich strahlenbelastende Verfahren einsparen lassen oder komplementäre Informationen gewonnen werden können. Da in prospektiven Studien bei bis zu 50 % der gesunden Kinder relevante fokale Signalerhöhungen des Knochenmarks (z.B. in der STIR-Bildgebung) gefunden wurden, besteht die Gefahr einer Überdiagnostik. Die Befundung muss daher durch in der pädiatrischen Radiologie erfahrene Untersucher erfolgen.
Indikationen zur GK-MRT
Die Leitlinie empfiehlt die GK-MRT für verschiedene onkologische und nicht-onkologische Fragestellungen:
| Diagnose | Fragestellung |
|---|---|
| Maligne Tumore | Staging, Tumorausbreitung, Restaging und Follow-up |
| Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH) | Ausbreitungsdiagnostik, Unifokal vs. Multifokal, Therapiemonitoring |
| Avaskuläre Osteonekrose (AVN) | Ausmaß und Schweregrad, Detektion asymptomatischer Befunde |
| Chronisch nicht bakterielle Osteomyelitis (CNO/CRMO) | Unifokal vs. multifokal, "silent lesion", Therapiemonitoring |
| Juvenile idiopathische Arthritis (JIA) | Unifokal vs. multifokal, "silent lesion", Therapiemonitoring |
| Fiebersyndrome | Fokus, Ausmaß der Veränderungen, Tumorausschluss |
| Tumorprädispositionssyndrome (TPS) | Tumor-Screening |
| Nicht akzidentielle Verletzung (NAI) | Kein Standard; nur ergänzend zur Beurteilung von Weichteilen/Organen |
Spezifische pädiatrische Krankheitsbilder
- Maligne Tumore: Bei Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen kann die GK-MRT ergänzend zur PET/CT eingesetzt werden. Bei Weichteil-, Osteo- und Ewing-Sarkomen erfasst sie das Ansprechen auf neoadjuvante Therapien. Beim Neuroblastom ist sie additiv/komplementär zur MIBG-Szintigrafie indiziert und ersetzt die Skelettszintigrafie.
- Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH): Die GK-MRT ist sensitiver für eine Knochenmarkinfiltration als röntgenbasierte Verfahren oder die Skelettszintigrafie.
- Chronisch nicht bakterielle Osteomyelitis (CNO/CRMO): Detektiert mit hoher Sensitivität klinisch stumme Manifestationen (z.B. an der Wirbelsäule). Es werden bis zu 45 % mehr Herde gefunden als bei der rein klinischen Untersuchung.
- Tumorprädispositionssyndrome (TPS): Z.B. beim Li-Fraumeni-Syndrom oder der Neurofibromatose Typ 1 wird die GK-MRT als strahlungsfreies Screening-Verfahren empfohlen.
- Kinderschutz (NAI): Die GK-MRT ist nicht als alleinige Standardbildgebung bei Verdacht auf Misshandlung geeignet, da die Sensitivität für typische Skelettbefunde beim Säugling zu gering ist. Sie dient nur als Ergänzung zum Röntgenscreening.
Technische Voraussetzungen und Protokolle
Ein modulares Konzept aus Basis- und Erweiterungssequenzen erlaubt die Adaptation an die jeweilige Indikation. Das Field of View (FoV) und die Voxelgröße müssen zwingend an die Körpergröße (Säugling bis Jugendlicher) angepasst werden, um eine ausreichende anatomische Auflösung zu gewährleisten.
| Modul | Orientierung | Sequenztyp | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Basis | Coronal | 2D STIR TSE/FSE | Ganzkörper |
| Basis | Transversal | 2D STIR TSE/FSE | Kopf und Hals |
| Basis | Transversal | 2D T2w TSE/FSE (fettgesättigt) | Thorax (Atemtriggerung empfohlen) |
| Basis | Transversal | 2D T2 TSE/FSE (fettgesättigt) | Abdomen und Becken |
| Erweitert | Transversal | DWI (b-Werte z.B. 50 und 900) | Ganzkörper, ADC-Karte |
| Erweitert | Transversal | 3D T1w GRE (VIBE) mit KM | Ganzkörper mit Fettsättigung |
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der Befundung auf physiologische Signalanhebungen in der STIR-Bildgebung des Skeletts bei gesunden Kindern – diese treten in bis zu 50 % der Fälle auf und bergen die Gefahr der Überdiagnostik. Passen Sie zudem das Field of View (FoV) stets an die Körpergröße des Kindes an.