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Ganzkörper-MRT bei Kindern: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die GK-MRT eignet sich zur Ausbreitungsdiagnostik maligner und nicht-maligner systemischer Erkrankungen in der Pädiatrie ohne Strahlenbelastung.
  • Primäre Indikationen sind CNO/CRMO, Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH), Tumorprädispositionssyndrome (TPS) und das Neuroblastom.
  • Die Befundung muss durch erfahrene Kinderradiologen erfolgen, um Überdiagnostik (z.B. bei physiologischen STIR-Signalanhebungen) zu vermeiden.
  • Untersuchungsprotokolle müssen zwingend alters- und indikationsadaptiert sein (Anpassung von Field of View und Voxelgröße).
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Hintergrund

Die Ganzkörpermagnetresonanztomografie (GK-MRT) ermöglicht eine hochaufgelöste Darstellung des gesamten Körpers ohne ionisierende Strahlung. Sie konkurriert mit CT, PET/CT und Szintigrafie und sollte eingesetzt werden, wenn sich strahlenbelastende Verfahren einsparen lassen oder komplementäre Informationen gewonnen werden können. Da in prospektiven Studien bei bis zu 50 % der gesunden Kinder relevante fokale Signalerhöhungen des Knochenmarks (z.B. in der STIR-Bildgebung) gefunden wurden, besteht die Gefahr einer Überdiagnostik. Die Befundung muss daher durch in der pädiatrischen Radiologie erfahrene Untersucher erfolgen.

Indikationen zur GK-MRT

Die Leitlinie empfiehlt die GK-MRT für verschiedene onkologische und nicht-onkologische Fragestellungen:

DiagnoseFragestellung
Maligne TumoreStaging, Tumorausbreitung, Restaging und Follow-up
Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH)Ausbreitungsdiagnostik, Unifokal vs. Multifokal, Therapiemonitoring
Avaskuläre Osteonekrose (AVN)Ausmaß und Schweregrad, Detektion asymptomatischer Befunde
Chronisch nicht bakterielle Osteomyelitis (CNO/CRMO)Unifokal vs. multifokal, "silent lesion", Therapiemonitoring
Juvenile idiopathische Arthritis (JIA)Unifokal vs. multifokal, "silent lesion", Therapiemonitoring
FiebersyndromeFokus, Ausmaß der Veränderungen, Tumorausschluss
Tumorprädispositionssyndrome (TPS)Tumor-Screening
Nicht akzidentielle Verletzung (NAI)Kein Standard; nur ergänzend zur Beurteilung von Weichteilen/Organen

Spezifische pädiatrische Krankheitsbilder

  • Maligne Tumore: Bei Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen kann die GK-MRT ergänzend zur PET/CT eingesetzt werden. Bei Weichteil-, Osteo- und Ewing-Sarkomen erfasst sie das Ansprechen auf neoadjuvante Therapien. Beim Neuroblastom ist sie additiv/komplementär zur MIBG-Szintigrafie indiziert und ersetzt die Skelettszintigrafie.
  • Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH): Die GK-MRT ist sensitiver für eine Knochenmarkinfiltration als röntgenbasierte Verfahren oder die Skelettszintigrafie.
  • Chronisch nicht bakterielle Osteomyelitis (CNO/CRMO): Detektiert mit hoher Sensitivität klinisch stumme Manifestationen (z.B. an der Wirbelsäule). Es werden bis zu 45 % mehr Herde gefunden als bei der rein klinischen Untersuchung.
  • Tumorprädispositionssyndrome (TPS): Z.B. beim Li-Fraumeni-Syndrom oder der Neurofibromatose Typ 1 wird die GK-MRT als strahlungsfreies Screening-Verfahren empfohlen.
  • Kinderschutz (NAI): Die GK-MRT ist nicht als alleinige Standardbildgebung bei Verdacht auf Misshandlung geeignet, da die Sensitivität für typische Skelettbefunde beim Säugling zu gering ist. Sie dient nur als Ergänzung zum Röntgenscreening.

Technische Voraussetzungen und Protokolle

Ein modulares Konzept aus Basis- und Erweiterungssequenzen erlaubt die Adaptation an die jeweilige Indikation. Das Field of View (FoV) und die Voxelgröße müssen zwingend an die Körpergröße (Säugling bis Jugendlicher) angepasst werden, um eine ausreichende anatomische Auflösung zu gewährleisten.

ModulOrientierungSequenztypAnmerkung
BasisCoronal2D STIR TSE/FSEGanzkörper
BasisTransversal2D STIR TSE/FSEKopf und Hals
BasisTransversal2D T2w TSE/FSE (fettgesättigt)Thorax (Atemtriggerung empfohlen)
BasisTransversal2D T2 TSE/FSE (fettgesättigt)Abdomen und Becken
ErweitertTransversalDWI (b-Werte z.B. 50 und 900)Ganzkörper, ADC-Karte
ErweitertTransversal3D T1w GRE (VIBE) mit KMGanzkörper mit Fettsättigung

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Befundung auf physiologische Signalanhebungen in der STIR-Bildgebung des Skeletts bei gesunden Kindern – diese treten in bis zu 50 % der Fälle auf und bergen die Gefahr der Überdiagnostik. Passen Sie zudem das Field of View (FoV) stets an die Körpergröße des Kindes an.

Häufig gestellte Fragen

Die primären Indikationen sind die chronisch nicht bakterielle Osteomyelitis (CNO/CRMO), die Langerhans-Zell-Histiozytose (LCH), Tumorprädispositionssyndrome (TPS) und das Neuroblastom.
Nein, die GK-MRT ist nicht als alleinige Standardbildgebung ausreichend, da die Sensitivität für typische Skelettbefunde beim Säugling zu gering ist. Sie kann nur ergänzend eingesetzt werden.
Das Basismodul besteht aus hochaufgelösten fettgesättigten T2-gewichteten Sequenzen (z.B. STIR) in koronaler Orientierung für den Ganzkörper sowie transversalen T2-gewichteten/fettgesättigten Sequenzen für Kopf, Hals und Körperstamm.
Die Detektion von Lungenmetastasen mittels MRT bleibt umstritten. Die Indikation zur Thorax-CT muss je nach Tumorentität und Behandlungssituation großzügig gestellt werden.

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