Angio-Seal-Versagen: Endovaskuläre Therapie (Fallserie)
📋Auf einen Blick
- •Angio-Seal-Verschlusssysteme verursachen in ca. 0,06 % der Fälle einen Verschluss der Arteria femoralis.
- •Ursachen sind meist ein zu kleines Gefäßkaliber, kalzifizierte Plaques oder intravaskuläres Kollagen.
- •Die offene chirurgische Revaskularisation birgt bei multimorbiden Patienten hohe perioperative Risiken.
- •Die endovaskuläre Überstentung der Okklusion bietet eine sichere und schnelle Alternative in Lokalanästhesie.
Hintergrund
Arterielle Verschlusssysteme wie Angio-Seal werden häufig eingesetzt, um nach endovaskulären Eingriffen eine schnelle Hämostase und Frühmobilisation zu erreichen. Das System besteht aus drei bioabsorbierbaren Komponenten: einem Kollagenpfropfen, einem Polymeranker (Fußplatte) und einem verbindenden Faden. Obwohl die Fehlerraten gering sind, kann ein Versagen des Systems zu unkontrollierten Blutungen oder einem Verschluss der Arteria femoralis mit schwerer Beinischämie führen. Die Inzidenz eines Femoralisverschlusses durch ein solches Versagen liegt bei etwa 0,06 %.
Ursachen des Angio-Seal-Versagens
Das Angio-Seal-System ist für den Einsatz in stark erkrankten oder kleinlumigen Gefäßen kontraindiziert. Ein Gefäßverschluss entsteht primär durch folgende Mechanismen:
| Mechanismus | Beschreibung |
|---|---|
| Unzureichendes Gefäßkaliber | Die Fußplatte wird in einem Lumen entfaltet, das zu klein ist, um den arteriellen Blutfluss an der Platte vorbei zu gewährleisten. |
| Kalzifizierte Plaques | Die Fußplatte verhakt sich an einem kalzifizierten Atherom an der Gefäßhinterwand und verursacht so eine Lumenokklusion. |
| Intravaskuläres Kollagen | Der Kollagenpfropfen wird versehentlich in den intravaskulären Raum statt in den perivaskulären Raum abgegeben. |
Therapieoptionen im Vergleich
Historisch gesehen ist die offene chirurgische Revaskularisation der Goldstandard zur Behandlung von Verschlüssen der Arteria femoralis communis (CFA). Diese geht jedoch insbesondere bei älteren und multimorbiden Patienten mit signifikanten Risiken einher.
| Therapieansatz | Vorteile | Nachteile / Risiken |
|---|---|---|
| Offene Chirurgie | Etablierter Goldstandard für CFA-Läsionen | Meist Vollnarkose erforderlich, Mortalität ca. 3,4 %, Wundkomplikationen ca. 8 %, Revisionsrate bis zu 10 % |
| Endovaskuläres Stenting | In Lokalanästhesie durchführbar, schnelle Wiederherstellung des Blutflusses, geringere perioperative Morbidität | Theoretisches Risiko einer Stentfraktur durch externe Kompression über dem mobilen Hüftgelenk |
Endovaskuläres Vorgehen (Stent-Implantation)
Als minimalinvasive Alternative zur offenen Operation beschreibt die vorliegende Fallserie die erfolgreiche endovaskuläre Behandlung mittels Stent-Implantation.
Das Vorgehen umfasst folgende Schritte:
- Zugang: Retrograder Zugang über die kontralaterale Extremität oder die ipsilaterale Arteria profunda femoris.
- Passage: Die durch die Fußplatte verursachte Okklusion wird mit einem Führungsdraht (z. B. 0,018-Zoll) und einem Katheter passiert.
- Stenting: Implantation eines ballonexpandierbaren Bare-Metal-Stents (z. B. Nitinol-Stent). Der Stent drückt die Angio-Seal-Fußplatte gegen die Arterienwand, stellt das Lumen wieder her und sichert gleichzeitig die Hämostase.
Dieses Vorgehen bietet eine sichere und effektive Methode zur Revaskularisation, ohne die Notwendigkeit einer Vollnarkose oder der sofortigen Verfügbarkeit eines Gefäßchirurgen und eines Operationssaals.
💡Praxis-Tipp
Erwägen Sie bei einem Femoralisverschluss nach Angio-Seal-Einsatz primär einen endovaskulären Rettungsversuch mittels Stenting, um multimorbiden Patienten die Risiken einer offenen Operation in Vollnarkose zu ersparen.