Antimicrobial Stewardship (ABS): Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie formuliert Empfehlungen für den effektiven Einsatz von antimikrobiellen Medikamenten bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ziel ist es, die Verschreibungspraxis zu optimieren, um die Entstehung von Antibiotikaresistenzen zu verlangsamen.
Ein zentrales Element ist die Etablierung von sogenannten Antimicrobial Stewardship (AMS) Programmen über alle Versorgungsbereiche hinweg. Diese sollen sicherstellen, dass antimikrobielle Substanzen auch in Zukunft wirksame Behandlungsoptionen für Infektionen bleiben.
Die Leitlinie richtet sich an medizinisches Fachpersonal sowie an Organisationen, die an der Verschreibung und dem Management von Antibiotika beteiligt sind. Sie umfasst sowohl ambulante als auch stationäre Settings.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Antimicrobial Stewardship:
Diagnostik und Indikationsstellung
Vor der Verschreibung eines Antibiotikums wird eine klinische Beurteilung empfohlen, deren Diagnose im Bericht dokumentiert werden soll. Bei stationären Patienten mit Verdacht auf eine Infektion wird die Entnahme mikrobiologischer Proben vor Therapiebeginn empfohlen.
Für den ambulanten Bereich wird bei rezidivierenden oder persistierenden Infektionen ebenfalls eine mikrobiologische Diagnostik angeraten. Die Leitlinie empfiehlt zudem, bei nicht-schweren Infektionen das Warten auf Testergebnisse zu erwägen, sofern dies klinisch sicher ist.
Therapieentscheidung und Verschreibung
Laut Leitlinie sollen Verschreibungen stets den lokalen oder nationalen Vorgaben entsprechen. Dabei wird empfohlen, auf folgende Aspekte zu achten:
-
Wahl der kürzesten effektiven Therapiedauer
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Festlegung der angemessensten Dosis
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Wahl des optimalen Verabreichungsweges
Es wird davon abgeraten, bei voraussichtlich selbstlimitierenden Erkrankungen sofort ein Antibiotikum zu verschreiben. Stattdessen empfiehlt die Leitlinie, alternative Strategien wie eine verzögerte Rezeptvergabe (Back-up-Prescribing) oder symptomatische Maßnahmen mit den Betroffenen zu besprechen.
Monitoring und Reevaluation
Eine routinemäßige Überprüfung von intravenösen Antibiotikatherapien nach 48 bis 72 Stunden wird für alle Versorgungsbereiche empfohlen. Dabei soll anhand des klinischen Ansprechens und der mikrobiologischen Befunde evaluiert werden, ob die Therapie fortgesetzt oder auf eine orale Gabe umgestellt werden kann.
Die Leitlinie rät von Wiederholungsrezepten für Antibiotika ab, es sei denn, es liegt eine spezifische klinische Indikation vor. Eine unkontrollierte Verlängerung über sechs Monate hinaus sollte vermieden werden.
Strukturelle Maßnahmen
Für die Umsetzung eines AMS-Programms wird die Bildung interdisziplinärer Teams empfohlen. Diese sollten standardmäßig aus einem Apotheker mit Schwerpunkt Infektiologie und einem medizinischen Mikrobiologen bestehen.
Zu den empfohlenen Interventionen gehören die regelmäßige Rückmeldung an Verordner über ihr Verschreibungsverhalten sowie die Implementierung von IT-gestützten Entscheidungshilfen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie ist die kritische Reevaluation von intravenösen Antibiotikatherapien nach 48 bis 72 Stunden. Es wird empfohlen, zu diesem Zeitpunkt stets das klinische Ansprechen sowie eingetroffene mikrobiologische Befunde zu prüfen. Darauf basierend sollte evaluiert werden, ob eine Umstellung auf eine orale Therapie möglich ist, um Komplikationen zu reduzieren.
Häufig gestellte Fragen
Die NICE-Leitlinie empfiehlt eine systematische Überprüfung von intravenösen Antibiotikagaben nach 48 bis 72 Stunden. Dabei sollte geprüft werden, ob die Therapie beendet oder auf eine orale Form umgestellt werden kann.
Laut Leitlinie wird von einer sofortigen Antibiotikaverschreibung bei voraussichtlich selbstlimitierenden Erkrankungen abgeraten. Stattdessen wird empfohlen, symptomatische Maßnahmen oder eine verzögerte Rezeptvergabe zu besprechen.
Es wird empfohlen, bei stationären Patienten mit Infektionsverdacht vor Beginn der empirischen Antibiotikatherapie mikrobiologische Proben zu entnehmen. Sobald die Ergebnisse vorliegen, sollte die Verschreibung entsprechend angepasst werden.
Die Leitlinie empfiehlt, dass ein solches Team mindestens aus einem spezialisierten Apotheker und einem medizinischen Mikrobiologen besteht. Je nach klinischer Fragestellung können weitere Experten hinzugezogen werden.
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Quelle: Antimicrobial stewardship: systems and processes for effective antimicrobial medicine use (NICE, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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