Amphetamin-Abhängigkeit: Therapie-Review (ASAM)
📋Auf einen Blick
- •Die Evidenz für medikamentöse und psychosoziale Therapien bei Amphetamin-Konsumstörungen ist insgesamt von niedriger bis sehr niedriger Qualität.
- •Quetiapin kann möglicherweise die Abstinenzdauer verlängern und den Anteil negativer Urinproben erhöhen.
- •Contingency Management (CM), allein oder mit kognitiver Verhaltenstherapie (CBT), ist mit einer längeren Abstinenzdauer assoziiert.
- •Venlafaxin und Citicolin weisen im Vergleich zu Placebo die beste Verträglichkeit (geringste Abbruchraten) auf.
Hintergrund
Der Konsum von Amphetamin und Methamphetamin (MA/A) ist ein wachsendes globales Gesundheitsproblem. Die Behandlung umfasst psychosoziale, pharmakologische und Harm-Reduction-Ansätze. Die aktuelle Evidenz für spezifische Therapien ist jedoch stark begrenzt.
Bestehende Leitlinien empfehlen unterschiedliche Ansätze:
- Deutsche Leitlinie: Empfiehlt Tranquilizer zur kurzfristigen Behandlung von Agitation und atypische Antipsychotika bei Bedarf. Von Sertralin wird abgeraten.
- ASAM-Leitlinie (USA): Schlägt Bupropion, Mirtazapin und Methylphenidat vor. Contingency Management (CM) sollte ein Hauptbestandteil der Therapie sein.
Medikamentöse Therapieansätze
Die aktuelle Meta-Analyse zeigt, dass keine medikamentöse Therapie eine moderate oder hohe Evidenz aufweist. Einige Wirkstoffe zeigten jedoch in Studien mit niedriger bis sehr niedriger Evidenzqualität positive Effekte:
| Wirkstoff | Indikation / Effekt | Evidenzqualität |
|---|---|---|
| Quetiapin | Verlängerung der Abstinenz, mehr negative Urinproben | Niedrig |
| Riluzol | Erhöhung der wöchentlichen negativen Urinproben | Niedrig |
| Methylphenidat | Mehr negative Urinproben (allein oder mit Matrix-Modell) | Sehr niedrig |
| Vareniclin | Längere Abstinenzdauer | Niedrig |
| Perphenazin | Reduktion des Cravings (Suchtdruck) | Sehr niedrig |
| N-Acetylcystein (NAC) | Reduktion des Cravings (Suchtdruck) | Sehr niedrig |
Psychosoziale Interventionen
Psychosoziale Interventionen zielen auf eine Verhaltensänderung ab, sind jedoch oft mit hohen Abbruch- und Rückfallquoten verbunden.
| Therapieform | Effekt | Bemerkung |
|---|---|---|
| Contingency Management (CM) | Längere Abstinenzdauer | Sehr niedrige Evidenz |
| CM + Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) | Längere Abstinenzdauer | Sehr niedrige Evidenz |
Verträglichkeit und Therapieabbruch
Die Verträglichkeit (gemessen an der All-Cause-Drop-out-Rate) variiert zwischen den medikamentösen Ansätzen:
- Gute Verträglichkeit: Venlafaxin und Citicolin weisen im Vergleich zu Placebo die geringsten Abbruchraten auf (niedrige Evidenz).
- Schlechte Verträglichkeit: Die Kombination aus Naltrexon und Bupropion ist mit einer höheren Abbruchrate assoziiert.
Klinische Einordnung
Alle Ergebnisse müssen aufgrund der sehr kleinen Stichprobengrößen, hoher Drop-out-Raten und methodischer Mängel der Primärstudien mit äußerster Vorsicht interpretiert werden. Keine Intervention zeigte eine moderate oder hohe Evidenz für patientenrelevante Endpunkte.
💡Praxis-Tipp
Fokussieren Sie sich bei der Behandlung nicht ausschließlich auf Abstinenz. Integrieren Sie Harm-Reduction-Ansätze, da die Evidenz für medikamentöse Therapien aktuell noch sehr schwach ist und Patienten oft konkurrierende sozioökonomische Probleme haben.