Altersbedingte Makuladegeneration: Anti-VEGF-Therapie
Hintergrund
Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine der häufigsten Ursachen für visuelle Einschränkungen in der westlichen Welt. Die vorliegende NICE-Leitlinie NG82 bietet evidenzbasierte Strategien zur Klassifikation, Diagnostik und Behandlung der Erkrankung.
Eine präzise Unterscheidung zwischen frühen und späten Stadien sowie zwischen feuchten (neovaskulären) und trockenen Formen ist laut Leitlinie essenziell für die Therapieentscheidung. Besonders die späte, aktive feuchte AMD erfordert ein schnelles klinisches Handeln, um einen irreversiblen Sehverlust zu verhindern.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung einer AMD zählen neben dem Alter und einer familiären Disposition auch Rauchen, arterielle Hypertonie und ein BMI über 30. Auch eine fettreiche Ernährung sowie ein Mangel an Bewegung werden als begünstigende Faktoren genannt.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das klinische Management der AMD:
Klassifikation
Die Leitlinie empfiehlt die Einteilung der AMD anhand spezifischer Netzhautveränderungen. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, eine späte, inaktive feuchte AMD nicht als "trockene AMD" zu bezeichnen.
| AMD-Klassifikation | Definition |
|---|---|
| Normale Augen | Keine Zeichen einer AMD |
| Frühe AMD | Kleine bis große Drusen, Pigmentverschiebungen (unterschiedliches Progressionsrisiko) |
| Späte AMD (unbestimmt) | RPE-Degeneration mit sub-/intraretinaler Flüssigkeit ohne Neovaskularisation |
| Späte AMD (feucht, aktiv) | Klassische oder okkulte choroidale Neovaskularisation (CNV), retinale angiomatöse Proliferation |
| Späte AMD (trocken) | Geografische Atrophie ohne Neovaskularisation, signifikanter Sehverlust |
| Späte AMD (feucht, inaktiv) | Fibröse Narbe, subfoveale Atrophie/Fibrose, zystische Degeneration |
Diagnostik und Überweisung
Bei asymptomatischer früher AMD wird von einer Überweisung in eine augenärztliche Klinik abgeraten. Die Diagnose sollte in diesen Fällen primär mittels Spaltlampen-Biomikroskopie erfolgen.
Bei Verdacht auf eine späte, aktive feuchte AMD wird eine dringliche Überweisung an ein Makula-Zentrum innerhalb eines Arbeitstages empfohlen. Ein absoluter Notfall liegt hierbei jedoch nicht vor.
Als primäres bildgebendes Verfahren wird die optische Kohärenztomografie (OCT) empfohlen. Eine Fluoreszenzangiografie (FFA) sollte nur dann durchgeführt werden, wenn die OCT eine neovaskuläre Erkrankung nicht sicher ausschließen kann.
Pharmakologische Therapie
Für Augen mit einer späten, aktiven feuchten AMD wird eine intravitreale Anti-VEGF-Therapie empfohlen. Dies gilt insbesondere, wenn der bestkorrigierte Visus zwischen 6/12 und 6/96 liegt.
Die Behandlung sollte laut Leitlinie so schnell wie möglich, spätestens jedoch innerhalb von 14 Tagen nach der Überweisung, beginnen.
Es wird darauf hingewiesen, dass die verfügbaren Anti-VEGF-Präparate (Aflibercept, Bevacizumab, Ranibizumab) eine vergleichbare klinische Wirksamkeit und Sicherheit aufweisen. Von einer alleinigen photodynamischen Therapie oder der adjuvanten Gabe von intravitrealen Kortikosteroiden bei aktiver feuchter AMD wird abgeraten.
Monitoring und Nachsorge
Ein routinemäßiges klinisches Monitoring von Personen mit früher oder trockener später AMD durch Augenkliniken wird nicht empfohlen. Stattdessen sollte zu einem strukturierten Selbstmonitoring geraten werden.
Bei behandelter aktiver feuchter AMD wird ein fortlaufendes OCT-Monitoring beider Augen empfohlen. Bei einer Verschlechterung des Visus trotz stabiler OCT-Befunde sollte eine erneute Fundusuntersuchung oder FFA erwogen werden.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fallstrick im klinischen Alltag ist die unpräzise Terminologie bei inaktiven Befunden. Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, eine späte, inaktive feuchte AMD (beispielsweise mit fibröser Narbenbildung) als "trockene AMD" zu bezeichnen. Zudem wird betont, dass bei Verdacht auf eine aktive feuchte AMD die Überweisung zwar dringlich innerhalb eines Arbeitstages, aber nicht als akuter Notfall erfolgen sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die NICE-Leitlinie empfiehlt primär eine OCT-Untersuchung zur Diagnostik. Eine FFA wird nur dann empfohlen, wenn die OCT eine Neovaskularisation nicht sicher ausschließen kann.
Laut Leitlinie gibt es keine klinisch signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit und Sicherheit zwischen Aflibercept, Bevacizumab und Ranibizumab. Die Wahl sollte unter Berücksichtigung der lokalen Zulassung und der Wirtschaftlichkeit erfolgen.
Es wird empfohlen, die Anti-VEGF-Therapie so schnell wie möglich zu starten. Die Leitlinie definiert hierfür ein Zeitfenster von maximal 14 Tagen nach der Überweisung an das Makula-Zentrum.
Ein routinemäßiges Monitoring in einer Augenklinik wird bei früher AMD nicht empfohlen. Stattdessen wird geraten, die Betroffenen zur Selbstkontrolle anzuleiten und regelmäßige Sehtests beim Optiker fortzuführen.
Die Leitlinie rät explizit davon ab, eine thermische Lasertherapie (z.B. Argon- oder Diodenlaser) zur Behandlung von Drusen bei früher AMD einzusetzen.
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Quelle: NG82: Age-related macular degeneration (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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