Akuter Husten: Diagnostik und Antibiotika-Therapie
Hintergrund
Akuter Husten wird definiert als Husten, der weniger als 21 Tage (bis zu 3 oder 4 Wochen) andauert. Er wird meist durch virale Infektionen der oberen Atemwege oder eine akute Bronchitis verursacht.
Die NICE-Leitlinie NG120 betont, dass akuter Husten in der Regel selbstlimitierend ist. Eine antibiotische Therapie bringt bei den meisten Betroffenen keinen klinischen Nutzen und birgt das Risiko von Nebenwirkungen sowie Resistenzentwicklungen.
Ziel der Leitlinie ist es, den rationalen Einsatz von Antibiotika zu fördern. Gleichzeitig sollen Risikogruppen identifiziert werden, die von einer antimikrobiellen Therapie profitieren.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie NG120 formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management von akutem Husten:
Diagnostik und Überweisung
Es wird empfohlen, auf Symptome einer schwereren Erkrankung wie Pneumonie, Sepsis, Lungenembolie oder Lungenkrebs zu achten. Bei Vorliegen solcher Warnzeichen ist laut Leitlinie eine sofortige Überweisung ins Krankenhaus oder die Einholung fachärztlichen Rates indiziert.
Symptomatische Therapie und Selbstpflege
Die Leitlinie rät von der routinemäßigen Verschreibung von Bronchodilatatoren, oralen oder inhalativen Kortikosteroiden sowie Mukolytika ab. Eine Ausnahme bilden Personen mit zugrunde liegenden Atemwegserkrankungen wie Asthma.
Zur Linderung der Symptome können laut Leitlinie folgende rezeptfreie Mittel erwogen werden:
-
Honig (für Personen ab 1 Jahr)
-
Pelargonium (für Personen ab 12 Jahren)
-
Guaifenesin-haltige Expektoranzien (für Personen ab 12 Jahren)
-
Hustenstiller ohne Codein (für Personen ab 12 Jahren ohne anhaltenden Husten oder übermäßige Sekretion)
Antibiotikatherapie
Es wird dringend davon abgeraten, Antibiotika bei akutem Husten im Rahmen einer unkomplizierten Infektion der oberen Atemwege oder einer akuten Bronchitis zu verschreiben. Die Leitlinie empfiehlt, Betroffene darüber aufzuklären, dass Antibiotika die Krankheitsdauer kaum verkürzen.
Eine sofortige Antibiotikagabe wird empfohlen, wenn die betroffene Person systemisch sehr krank ist.
Bei einem erhöhten Risiko für Komplikationen kann laut Leitlinie ein sofortiges oder ein Reserve-Rezept (Back-up-Rezept) für Antibiotika ausgestellt werden. Ein erhöhtes Risiko besteht unter anderem bei:
-
Vorbestehenden Komorbiditäten (z. B. Herz-, Lungen-, Nieren- oder Lebererkrankungen, Immunsuppression)
-
Frühgeborenen Kleinkindern
-
Personen über 65 Jahren mit mindestens zwei Risikofaktoren (z. B. Diabetes, Herzinsuffizienz, Steroidgebrauch, kürzliche Hospitalisierung)
-
Personen über 80 Jahren mit mindestens einem dieser Risikofaktoren
Dosierung
Wenn eine antibiotische Therapie indiziert ist, empfiehlt die Leitlinie eine Behandlungsdauer von 5 Tagen.
Erwachsene (ab 18 Jahren)
| Medikament | Dosierung | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Doxycyclin | Tag 1: 200 mg, dann 100 mg 1x täglich | Erste Wahl (nicht in der Schwangerschaft) |
| Amoxicillin | 500 mg 3x täglich | Alternative (bevorzugt in der Schwangerschaft) |
| Clarithromycin | 250-500 mg 2x täglich | Alternative |
| Erythromycin | 250-500 mg 4x täglich ODER 500-1000 mg 2x täglich | Alternative (bevorzugtes Makrolid in der Schwangerschaft) |
Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren)
| Medikament | Alter / Gewicht | Dosierung |
|---|---|---|
| Amoxicillin (Erste Wahl) | 1-11 Monate | 125 mg 3x täglich |
| Amoxicillin (Erste Wahl) | 1-4 Jahre | 250 mg 3x täglich |
| Amoxicillin (Erste Wahl) | 5-17 Jahre | 500 mg 3x täglich |
| Doxycyclin (Alternative) | 12-17 Jahre | Tag 1: 200 mg, dann 100 mg 1x täglich |
| Clarithromycin (Alternative) | < 8 kg | 7,5 mg/kg 2x täglich |
| Clarithromycin (Alternative) | 8-11 kg | 62,5 mg 2x täglich |
| Clarithromycin (Alternative) | 12-19 kg | 125 mg 2x täglich |
| Clarithromycin (Alternative) | 20-29 kg | 187,5 mg 2x täglich |
| Clarithromycin (Alternative) | 30-40 kg | 250 mg 2x täglich |
| Clarithromycin (Alternative) | 12-17 Jahre | 250-500 mg 2x täglich |
| Erythromycin (Alternative) | 1 Monat - 1 Jahr | 125 mg 4x täglich ODER 250 mg 2x täglich |
| Erythromycin (Alternative) | 2-7 Jahre | 250 mg 4x täglich ODER 500 mg 2x täglich |
| Erythromycin (Alternative) | 8-17 Jahre | 250-500 mg 4x täglich ODER 500-1000 mg 2x täglich |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
-
Doxycyclin darf nicht in der Schwangerschaft angewendet werden.
-
Honig ist bei Kindern unter 1 Jahr aufgrund des Risikos für Säuglingsbotulismus kontraindiziert.
-
Codein-haltige Hustenstiller werden nicht zur Behandlung von akutem Husten empfohlen.
-
Makrolide sollten bei Personen mit einer Prädisposition für eine QT-Zeit-Verlängerung mit Vorsicht eingesetzt werden.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die vorschnelle Verschreibung von Antibiotika bei akuter Bronchitis. Die Leitlinie betont, dass Antibiotika die Hustendauer im Durchschnitt nur um einen halben Tag verkürzen, aber signifikante Nebenwirkungen wie Diarrhö und Übelkeit verursachen können. Es wird empfohlen, stattdessen auf eine ausführliche Aufklärung über den natürlichen, oft mehrwöchigen Krankheitsverlauf zu setzen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist ein akuter Husten meist selbstlimitierend und klingt innerhalb von 3 bis 4 Wochen ab. Die durchschnittliche Dauer beträgt etwa 18 Tage.
Die Leitlinie erwähnt, dass Honig bei Personen über 1 Jahr die Hustensymptome lindern kann. Auch pflanzliche Mittel wie Pelargonium oder rezeptfreie Präparate mit Guaifenesin können ab 12 Jahren erwogen werden.
Eine Antibiotikatherapie wird gemäß Leitlinie nur empfohlen, wenn die betroffene Person systemisch sehr krank ist oder ein hohes Risiko für Komplikationen aufweist. Bei unkomplizierten viralen Infekten wird von Antibiotika abgeraten.
Für Erwachsene empfiehlt die Leitlinie Doxycyclin als Mittel der ersten Wahl für eine Dauer von 5 Tagen. Bei Kindern und Jugendlichen wird primär Amoxicillin empfohlen.
Die Leitlinie rät davon ab, Bronchodilatatoren wie Salbutamol oder inhalative Kortikosteroide bei akutem Husten zu verschreiben. Eine Ausnahme gilt nur, wenn eine zugrunde liegende Atemwegserkrankung wie Asthma besteht.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: NG120: Cough (acute): antimicrobial prescribing (NICE). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen