Akute Nierenschädigung (AKI): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die akute Nierenschädigung (AKI) ist ein häufiges klinisches Problem, das bei 13 bis 18 Prozent aller Krankenhausaufnahmen auftritt. Sie ist mit einer signifikant erhöhten Morbidität und einer stationären Mortalitätsrate von oft über 25 Prozent verbunden.
Historische Untersuchungen zeigen, dass systemische Mängel in der Versorgung maßgeblich zu schlechten klinischen Verläufen beitragen. Eine frühzeitige Intervention und ein strukturiertes Risikomanagement sind daher essenziell.
Die NICE-Leitlinie NG148 fokussiert sich auf die Früherkennung, die Vermeidung von Komplikationen und die Optimierung der Diagnostik. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Reduktion unnötiger eGFR-Bestimmungen vor der Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln.
Empfehlungen
Risikobewertung und Screening
Bei akuter Erkrankung wird eine Überprüfung des Serumkreatinins empfohlen, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen unter anderem:
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Chronische Nierenerkrankung (CKD)
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Herzinsuffizienz oder Lebererkrankungen
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Oligurie (Urinausscheidung unter 0,5 ml/kg/h)
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Kürzliche Einnahme nephrotoxischer Medikamente (z. B. NSAR, ACE-Hemmer)
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Sepsis oder ein Alter ab 65 Jahren
Jodhaltige Kontrastmittel
In Notfallsituationen sollte die Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln nicht verzögert werden. Für elektive Untersuchungen wird empfohlen, einen eGFR-Wert aus den letzten 6 Monaten zur Entscheidungsfindung heranzuziehen.
Ein erhöhtes Risiko für eine kontrastmittelassoziierte AKI besteht insbesondere bei einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m².
Diagnostik
Die Diagnose einer AKI wird gemäß den Kriterien von (p)RIFLE, AKIN oder KDIGO gestellt. Eine AKI liegt vor bei:
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Anstieg des Serumkreatinins um mindestens 26 µmol/l innerhalb von 48 Stunden
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Anstieg des Serumkreatinins um 50 Prozent oder mehr innerhalb der letzten 7 Tage
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Abfall der Urinausscheidung auf unter 0,5 ml/kg/h für mehr als 6 Stunden (Erwachsene)
Zudem wird bei Verdacht auf eine AKI eine sofortige Urinstreifentestung auf Blut, Protein, Leukozyten, Nitrit und Glukose empfohlen.
Bildgebung
Ein routinemäßiger Ultraschall der Harnwege wird nicht empfohlen, wenn die Ursache der AKI bereits bekannt ist.
Bei Verdacht auf eine Pyonephrose sollte die Sonografie innerhalb von 6 Stunden erfolgen. Ist die Ursache unklar, wird eine Bildgebung innerhalb von 24 Stunden angeraten.
Therapie und Management
Vom routinemäßigen Einsatz von Schleifendiuretika zur Behandlung der AKI wird abgeraten. Diese sollten nur zur Behandlung einer Volumenüberladung eingesetzt werden.
Ebenso wird der Einsatz von niedrig dosiertem Dopamin zur AKI-Therapie explizit nicht empfohlen.
Eine sofortige Überweisung zur Nierenersatztherapie wird empfohlen bei:
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Therapieresistenter Hyperkaliämie
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Metabolischer Azidose
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Urämie-Symptomen (z. B. Perikarditis)
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Refraktärer Volumenüberladung oder Lungenödem
Stadien der chronischen Nierenerkrankung (CKD)
Zur Einordnung des Risikos werden die folgenden CKD-Stadien definiert:
| Stadium | eGFR (ml/min/1,73 m²) | Beschreibung |
|---|---|---|
| 1 | >= 90 | Nierenschaden, normale oder erhöhte GFR |
| 2 | 60 bis 89 | Nierenschaden, leicht verringerte GFR |
| 3A | 45 bis 59 | Moderat verringerte GFR |
| 3B | 30 bis 44 | Moderat verringerte GFR |
| 4 | 15 bis 29 | Stark verringerte GFR |
| 5 | < 15 | Terminales Nierenversagen |
Kontraindikationen
Es wird empfohlen, ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB) vorübergehend abzusetzen bei:
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Personen mit Durchfall, Erbrechen oder Sepsis (bis zur klinischen Stabilisierung)
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Erwachsenen vor der Gabe von jodhaltigen Kontrastmitteln, sofern eine chronische Nierenerkrankung mit einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² vorliegt
💡Praxis-Tipp
Bei elektiven CT-Untersuchungen mit jodhaltigem Kontrastmittel ist ein eGFR-Wert aus den letzten 6 Monaten ausreichend, sofern die betroffene Person klinisch stabil ist. Eine routinemäßige Neubestimmung vor jeder Untersuchung wird nicht empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Eine AKI wird diagnostiziert bei einem Kreatinin-Anstieg um mindestens 26 µmol/l in 48 Stunden oder um 50 Prozent in 7 Tagen. Auch ein Abfall der Urinausscheidung unter 0,5 ml/kg/h für mehr als 6 Stunden ist diagnostisch wegweisend.
Ein routinemäßiger Einsatz von Schleifendiuretika zur Behandlung der AKI wird nicht empfohlen. Sie sollten ausschließlich zur Therapie einer Volumenüberladung oder von Ödemen verwendet werden.
Ein Ultraschall wird nicht routinemäßig empfohlen, wenn die Ursache der AKI bekannt ist. Bei unklarer Ursache sollte die Bildgebung innerhalb von 24 Stunden erfolgen, bei Verdacht auf Pyonephrose bereits innerhalb von 6 Stunden.
Ein erhöhtes Risiko für eine kontrastmittelassoziierte akute Nierenschädigung besteht insbesondere bei einer eGFR von unter 30 ml/min/1,73 m². In Notfällen sollte die Kontrastmittelgabe jedoch nicht verzögert werden.
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Quelle: NG148: Spasticity in under 19s: management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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