WHO2025

Akute Meningitis: Diagnostik, Therapie und Nachsorge

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2025) adressiert die akute, ambulant erworbene Meningitis bei Kindern ab einem Monat, Jugendlichen und Erwachsenen. Trotz Fortschritten bei der Kontrolle stellt die Erkrankung weltweit weiterhin eine erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar.

Besonders in ressourcenschwachen Regionen und bei Epidemien ist die Krankheitslast durch hohe Mortalität und neurologische Langzeitfolgen enorm. Aufgrund ähnlicher klinischer Präsentationen und initialer Diagnosepfade umfasst das Dokument sowohl bakterielle als auch virale Ursachen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Reduktion von Sterbefällen, der Minimierung von Behinderungen und der Eindämmung von Antibiotikaresistenzen. Die Empfehlungen richten sich primär an medizinisches Fachpersonal in Erst- und Zweitversorgungseinrichtungen.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das klinische Management:

Diagnostik

Laut Leitlinie sollte eine Lumbalpunktion so schnell wie möglich und vor Beginn der Antibiotikatherapie erfolgen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Eine routinemäßige kraniale Bildgebung vor der Punktion wird nicht empfohlen (starke Empfehlung gegen den Einsatz).

Eine Bildgebung vor der Lumbalpunktion wird nur bei spezifischen Warnzeichen wie einem Glasgow Coma Score unter 10, fokalen neurologischen Defiziten oder Papillenödem empfohlen (starke Empfehlung).

Für die Untersuchung des Liquor cerebrospinalis (CSF) empfiehlt die Leitlinie zwingend folgende Basisdiagnostik (starke Empfehlung, moderate Evidenz):

  • Gram-Färbung

  • Zellzahl (gesamt und differenziert)

  • Proteinkonzentration

  • Glukosekonzentration und CSF-Blut-Glukose-Quotient

Zusätzlich sollten PCR-basierte molekulare Tests und Liquorkulturen zur Erregeridentifikation durchgeführt werden. Die Leitlinie nennt folgende typische Liquorbefunde zur Differenzierung:

ParameterBakterielle MeningitisVirale Meningitis
AussehenTrüb oder wolkigKlar
ZellzahlAusgeprägte Pleozytose (Neutrophile)Moderate Pleozytose (Lymphozyten)
CSF-Blut-GlukoseNiedrigNormal
ProteinDeutlich erhöhtNormal oder leicht erhöht
Laktat (vor Antibiotika)ErhöhtNormal

Therapie

Es wird eine schnellstmögliche empirische intravenöse Antibiotikatherapie empfohlen, idealerweise innerhalb der ersten Stunde nach Aufnahme (starke Empfehlung). Als empirische Erstlinientherapie bei Verdacht auf akute bakterielle Meningitis nennt die Leitlinie:

  • Ceftriaxon oder Cefotaxim intravenös (starke Empfehlung)

  • Zusätzlich Ampicillin oder Amoxicillin bei Risikofaktoren für Listeria monocytogenes (z. B. Alter über 60 Jahre, Schwangerschaft, Immunsuppression)

  • Zusätzlich Vancomycin in Regionen mit hoher Prävalenz von Penicillin- oder Cephalosporin-Resistenzen

In nicht-epidemischen Settings wird die Gabe von intravenösen Kortikosteroiden (wie Dexamethason) zeitgleich mit der ersten Antibiotikadosis empfohlen (starke Empfehlung). Wenn die Liquorbefunde nicht auf eine bakterielle Meningitis hindeuten, sollten die Kortikosteroide laut Leitlinie umgehend abgesetzt werden.

Nachsorge

Die Leitlinie empfiehlt eine klinische Überprüfung auf Folgeerscheinungen durch medizinisches Personal noch vor der Entlassung sowie bei Nachsorgeuntersuchungen (starke Empfehlung).

Zudem wird ein formelles audiologisches Screening vor der Entlassung oder spätestens innerhalb von vier Wochen nach Entlassung empfohlen, um einen potenziellen Hörverlust frühzeitig zu erkennen (starke Empfehlung). Bei festgestellten Defiziten sollte unverzüglich eine Rehabilitation eingeleitet werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise für bestimmte Maßnahmen:

Lumbalpunktion

Eine Lumbalpunktion ist laut Leitlinie kontraindiziert bei:

  • Bekannter oder vermuteter Blutungsneigung

  • Haut- oder Weichteilinfektionen an oder nahe der Einstichstelle

  • Hämodynamischer oder respiratorischer Instabilität, die eine klinische Stabilisierung erfordert

Kortikosteroide

Während Meningokokken-Epidemien wird von der routinemäßigen Gabe von intravenösen Kortikosteroiden abgeraten (starke Empfehlung gegen den Einsatz). Zudem dürfen Kortikosteroide nicht bei Personen mit zerebraler Malaria angewendet werden, da dies mit einer verlängerten Koma-Dauer assoziiert ist.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie darf die Einleitung der empirischen Antibiotikatherapie unter keinen Umständen durch eine ausstehende kraniale Bildgebung oder eine verzögerte Lumbalpunktion hinausgezögert werden. Es wird betont, dass bei Vorliegen von Kontraindikationen für eine sofortige Punktion zunächst Blutkulturen abgenommen und die Antibiotika unverzüglich verabreicht werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine kraniale Bildgebung vor der Punktion nur bei spezifischen Warnzeichen. Dazu gehören ein Glasgow Coma Score unter 10, fokale neurologische Ausfälle, Papillenödem oder neu aufgetretene Krampfanfälle bei Erwachsenen.

Es wird eine sofortige intravenöse Therapie mit Ceftriaxon oder Cefotaxim empfohlen. Bei Risikofaktoren für eine Listerien-Infektion, wie einem Alter über 60 Jahren oder Immunsuppression, sollte laut Leitlinie zusätzlich Ampicillin oder Amoxicillin verabreicht werden.

In nicht-epidemischen Settings kann die empirische Therapie bei unbekanntem Erreger nach 7 Tagen beendet werden, sofern eine klinische Erholung vorliegt. Bei Meningokokken-Epidemien wird eine 5-tägige, bei Pneumokokken-Epidemien eine 10-tägige Therapie mit Ceftriaxon empfohlen.

Die Leitlinie empfiehlt die Gabe von intravenösen Kortikosteroiden zeitgleich mit der ersten Antibiotikadosis bei Verdacht auf akute bakterielle Meningitis in nicht-epidemischen Settings. Bestätigt sich der Verdacht im Liquor nicht, sollten die Steroide wieder abgesetzt werden.

Es wird empfohlen, engen Kontaktpersonen von laborbestätigten Meningokokken-Fällen eine Einmaldosis Ceftriaxon (parenteral) oder Ciprofloxacin (oral) zu verabreichen. Die Gabe sollte so früh wie möglich erfolgen, da ein Nutzen nach 14 Tagen als unwahrscheinlich gilt.

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Quelle: WHO guidelines on meningitis diagnosis, treatment and care (WHO, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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