WHO2023

Akute Mangelernährung: Prävention, Diagnostik, Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2023) adressiert die Prävention und das Management von Wasting (Auszehrung) und Ernährungsödemen bei Säuglingen und Kindern unter fünf Jahren. Weltweit sind Millionen von Kindern von akuter Mangelernährung betroffen, was mit einer hohen Morbidität und Mortalität einhergeht.

Ein besonderer Fokus liegt auf der ganzheitlichen Betrachtung des Mutter-Kind-Paares sowie der Einbindung des Gesundheitssystems in einen multisektoralen Ansatz. Die Leitlinie aktualisiert frühere Empfehlungen aus dem Jahr 2013 und integriert neue Evidenz zu Säuglingen unter sechs Monaten.

Zudem werden spezifische Kriterien für die stationäre Aufnahme, die ambulante Weiterbehandlung sowie den Abschluss der Therapie definiert. Präventive Maßnahmen und psychosoziale Unterstützung bilden weitere zentrale Säulen der Betreuung.

Empfehlungen

Klassifikation des Ernährungszustandes

Die Leitlinie definiert die Schweregrade der akuten Mangelernährung anhand spezifischer anthropometrischer Parameter. Es wird empfohlen, diese Kriterien zur Einteilung und Therapieplanung heranzuziehen.

KlassifikationKriterien (WHZ / WLZ)Kriterien (MUAC)Ödeme
Schweres Wasting< -3 SD< 115 mmJa / Nein
Moderates Wasting≥ -3 SD bis < -2 SD≥ 115 mm bis < 125 mmNein

Triage und Diagnostik

Laut Leitlinie wird eine sofortige Triage bei jedem Erstkontakt empfohlen, um Notfallzeichen zu erkennen. Die Erfassung des Ernährungszustandes ist essenziell für eine zeitnahe Therapie.

Für Säuglinge und Kinder (6–59 Monate) mit schwerem Wasting oder Ernährungsödemen wird eine stationäre Aufnahme empfohlen (bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz), wenn folgende Kriterien vorliegen:

  • Ein oder mehrere IMCI-Gefahrenzeichen (z. B. Trinkschwäche, Erbrechen, Lethargie)

  • Akute medizinische Probleme

  • Schwere Ernährungsödeme (+++)

  • Schlechter Appetit (Appetit-Test nicht bestanden)

Ernährungstherapie bei schwerem Wasting (6-59 Monate)

Bei ambulanter Behandlung von Kindern mit schwerem Wasting wird "Ready-to-use therapeutic food" (RUTF) empfohlen (bedingte Empfehlung). Die Leitlinie nennt hierfür eine initiale Energiezufuhr von 150–185 kcal/kg/Tag.

Diese Menge sollte laut Leitlinie bis zur anthropometrischen Erholung und dem Rückgang der Ödeme beibehalten werden. Alternativ kann die Menge auf 100–130 kcal/kg/Tag reduziert werden, sobald das schwere Wasting und die Ödeme abgeklungen sind.

Rehydratation

Bei dehydrierten Kindern ohne Schocksymptomatik wird primär die Rehydratationslösung für mangelernährte Kinder (ReSoMal) empfohlen. Ist diese nicht verfügbar, kann laut Leitlinie eine niederosmolare orale Rehydratationslösung (ORS) verwendet werden.

Säuglinge unter 6 Monaten

Bei stationär aufgenommenen Säuglingen unter sechs Monaten wird das Stillen priorisiert (starke Empfehlung). Ist dies nicht möglich, sollte abgepumpte Muttermilch, generische Säuglingsnahrung, F-75 oder verdünnte F-100-Milch zugefüttert werden.

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, unverdünnte F-100-Milch bei klinisch instabilen Säuglingen oder bei Vorliegen von Diarrhö, Dehydratation oder Ödemen einzusetzen. Dies begründet sich durch die hohe renale Molast und das Risiko einer hypernatriämischen Dehydratation.

Entlassungskriterien (Exit)

Ein Abschluss der Ernährungstherapie wird empfohlen, wenn der Gewicht-für-Größe-Z-Score (WHZ) ≥ -2 SD oder der mittlere Oberarmumfang (MUAC) ≥ 125 mm beträgt. Zudem muss das Kind bei mindestens zwei aufeinanderfolgenden Vorstellungen ödemfrei sein.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, unverdünnte F-100-Therapiemilch bei Säuglingen unter sechs Monaten einzusetzen, wenn diese klinisch instabil sind, an Diarrhö leiden oder Ernährungsödeme aufweisen. Es wird betont, dass die hohe renale Molast in diesen Fällen zu einer lebensbedrohlichen hypernatriämischen Dehydratation führen kann. Stattdessen wird die Gabe von F-75, verdünnter F-100-Milch oder handelsüblicher Säuglingsnahrung empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine stationäre Aufnahme empfohlen, wenn IMCI-Gefahrenzeichen, akute medizinische Probleme, schwere Ödeme (+++) oder ein schlechter Appetit vorliegen. Bei fehlenden Gefahrenzeichen und gutem Appetit kann eine ambulante Führung erfolgen.

Es wird primär die Verwendung von ReSoMal (Rehydration Solution for Malnourished children) empfohlen, sofern keine Schocksymptomatik vorliegt. Ist ReSoMal nicht verfügbar, rät die Leitlinie zu einer niederosmolaren ORS.

Die Leitlinie empfiehlt für die ambulante Therapie eine initiale Menge von 150 bis 185 kcal/kg/Tag. Diese Dosis sollte bis zur anthropometrischen Erholung und dem Rückgang der Ödeme beibehalten werden.

Nein, die Leitlinie spricht sich gegen eine routinemäßige Gabe von Cotrimoxazol-Prophylaxe bei HIV-negativen Kindern nach Abschluss der Ernährungstherapie aus. Dies dient unter anderem der Vermeidung von Antibiotikaresistenzen.

Ein Therapieabschluss wird empfohlen, wenn der WHZ ≥ -2 SD oder der MUAC ≥ 125 mm liegt und das Kind bei zwei aufeinanderfolgenden Terminen ödemfrei ist. Prozentuale oder absolute Gewichtszunahmen sollen laut Leitlinie nicht als Kriterium herangezogen werden.

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Quelle: WHO guideline on the prevention and management of wasting and nutritional oedema (‎acute malnutrition)‎ in infants and children under 5 years (WHO, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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