Akute bakterielle Rhinosinusitis: Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Die akute bakterielle Rhinosinusitis (ABRS) ist eine Entzündung der Nasennebenhöhlen, die häufig als bakterielle Superinfektion im Anschluss an einen viralen Atemwegsinfekt auftritt. Eine präzise Diagnostik ist entscheidend, um virale von bakteriellen Verläufen zu unterscheiden und einen rationalen Antibiotikaeinsatz zu fördern.
Klinisch wird eine bakterielle Genese im Allgemeinen vermutet, wenn Symptome wie eitrige Nasensekretion und Gesichtsschmerz länger als 10 Tage ohne Besserung anhalten. Auch ein schwerer Krankheitsbeginn mit hohem Fieber oder eine erneute Verschlechterung nach initialer Besserung ("double sickening") gelten als typische klinische Hinweise.
Die Infectious Diseases Society of America (IDSA) hat 2012 eine evidenzbasierte Leitlinie zur Diagnose und initialen Behandlung der vermuteten ABRS veröffentlicht. Diese Zusammenfassung basiert ausschließlich auf dem Abstract der Leitlinie, weshalb spezifische Dosierungen oder detaillierte Diagnose-Scores im Text nicht abgebildet sind.
Klinischer Kontext
Die Rhinosinusitis gehört zu den häufigsten Vorstellungsgründen in der hausärztlichen und HNO-ärztlichen Praxis. Die akute Form betrifft jährlich einen großen Teil der Bevölkerung und wird meist durch virale Infekte der oberen Atemwege ausgelöst. Chronische Verläufe weisen eine Prävalenz von bis zu zehn Prozent auf und schränken die Lebensqualität der Betroffenen erheblich ein.
Pathophysiologisch liegt der Erkrankung eine Entzündung der Schleimhäute in der Nasenhöhle und den Nasennebenhöhlen zugrunde. Eine gestörte mukoziliäre Clearance und die Obstruktion der Ostien führen zu einer Sekretstauung, was einen idealen Nährboden für sekundäre bakterielle Infektionen bietet.
Die klinische Bedeutung liegt vor allem in der essenziellen Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Genese, um einen rationalen Antibiotikaeinsatz zu gewährleisten. Obwohl selten, können schwerwiegende Komplikationen wie orbitale Phlegmonen oder intrakranielle Abszesse auftreten, die ein rasches Handeln erfordern.
Die Diagnostik erfolgt primär klinisch anhand von Leitsymptomen wie purulenter Nasensekretion, Gesichtsschmerz und nasaler Obstruktion. Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie bleiben in der Regel Verdachtsfällen auf Komplikationen oder der präoperativen Planung bei chronischer Rhinosinusitis vorbehalten.
Wissenswertes
Die Unterscheidung erfolgt primär klinisch anhand des Krankheitsverlaufs. Eine Symptomdauer von über zehn Tagen ohne Besserung oder eine plötzliche Verschlechterung nach anfänglicher Besserung sprechen eher für eine bakterielle Genese. Virale Infekte klingen meist innerhalb einer Woche von selbst ab.
Ein Antibiotikum ist in der Regel nur bei Hinweisen auf einen schweren bakteriellen Verlauf indiziert. Dazu gehören hohes Fieber, starke einseitige Gesichtsschmerzen oder drohende Komplikationen. Bei leichten bis mittelschweren Verläufen steht die symptomatische Therapie im Vordergrund.
Zur Linderung der Beschwerden werden häufig topische Dekongestiva, Analgetika und isotonische Salzwasserspülungen eingesetzt. Topische Glukokortikoide können insbesondere bei protrahierten Verläufen oder chronischer Rhinosinusitis die Entzündung reduzieren. Die Anwendung abschwellender Nasentropfen sollte auf wenige Tage begrenzt werden, um einen Rebound-Effekt zu vermeiden.
Warnzeichen für gefährliche Verläufe sind periorbitale Ödeme, Visusminderungen, Doppelbilder oder starke frontale Kopfschmerzen. Auch neurologische Ausfälle oder Meningismus deuten auf eine orbitale oder intrakranielle Ausbreitung der Infektion hin. In diesen Fällen ist eine sofortige bildgebende Diagnostik und fachärztliche Vorstellung erforderlich.
Von einer chronischen Rhinosinusitis spricht man bei einer Symptomdauer von mehr als zwölf Wochen ohne vollständige Ausheilung. Die Ursachen sind multifaktoriell und umfassen anatomische Engstellen, allergische Dispositionen, immunologische Faktoren sowie das Vorhandensein von Nasenpolypen.
Bei einer unkomplizierten akuten Rhinosinusitis ist keine routinemäßige Bildgebung erforderlich. Eine Computertomografie der Nasennebenhöhlen wird empfohlen, wenn der Verdacht auf Komplikationen besteht oder eine operative Sanierung bei chronischer Erkrankung geplant ist.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Da der Abstract keine spezifischen Wirkstoffe nennt, wird im klinischen Alltag allgemein empfohlen, bei der empirischen Antibiose einer ABRS das lokale Resistenzmuster (insbesondere von Pneumokokken und Haemophilus influenzae) zu berücksichtigen. Es wird zudem angeraten, auf typische klinische Warnsignale wie einen biphasischen Krankheitsverlauf zu achten, um die Indikation zur Antibiose streng zu stellen.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Abstract richtet sich die Leitlinie an die Versorgung von sowohl Erwachsenen als auch Kindern mit vermuteter akuter bakterieller Rhinosinusitis.
Das Dokument umfasst evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnose, zu Laboruntersuchungen sowie zur empirischen antimikrobiellen und adjuvanten Therapie.
Die Leitlinie wurde von einem multidisziplinären Expertenpanel der IDSA erstellt. Dieses umfasste Fachleute aus der Inneren Medizin, Pädiatrie, Notfallmedizin, HNO-Heilkunde, Epidemiologie und Infektiologie.
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Quelle: IDSA: Rhinosinusitis (IDSA, 2012). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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