Akne vulgaris: Therapie und Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Akne vulgaris ist eine häufige Hauterkrankung, die vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betrifft. Die NICE-Leitlinie NG198 bietet strukturierte Vorgaben zur Diagnostik, Therapie und Überweisung bei dieser Indikation.
Das primäre Ziel der Behandlung ist es, die Schwere der Hautläsionen zu reduzieren sowie Rückfälle und Narbenbildung zu verhindern. Dabei wird die Wichtigkeit der psychologischen Begleitung der Betroffenen stark betont, da Akne zu erheblichen psychischen Belastungen führen kann.
Ein besonderer Fokus der Leitlinie liegt auf dem rationalen Einsatz von Antibiotika im Sinne des Antimicrobial Stewardships. Die Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen ist ein zentrales Kriterium bei der Auswahl der medikamentösen Therapie.
Empfehlungen
Basismaßnahmen und Hautpflege
Die Leitlinie empfiehlt die zweimal tägliche Reinigung der Haut mit einem nicht-alkalischen, synthetischen Detergens (Syndet). Es wird geraten, auf ölbasierte und komedogene Hautpflegeprodukte sowie entsprechendes Make-up zu verzichten.
Zudem wird betont, dass das Ausdrücken oder Kratzen von Läsionen das Risiko für Narbenbildung signifikant erhöht. Für spezifische Diäten zur Aknebehandlung gibt es laut Leitlinie derzeit keine ausreichende Evidenz.
Überweisung zum Spezialisten
Eine sofortige Überweisung (am selben Tag) an die Dermatologie wird bei Verdacht auf Akne fulminans empfohlen.
Eine reguläre Überweisung an einen Spezialisten sollte in folgenden Fällen erwogen werden:
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Diagnostische Unsicherheit, Akne conglobata oder nodulozystische Akne
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Milde bis moderate Akne, die auf zwei Therapiezyklen nicht anspricht
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Moderate bis schwere Akne, die trotz oraler Antibiotika nicht anspricht
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Einsetzende Narbenbildung oder anhaltende Pigmentveränderungen
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Erhebliche psychische Belastung oder begleitende psychische Erkrankungen
Medikamentöse Erstlinientherapie
Es wird primär ein 12-wöchiger Therapiezyklus empfohlen. Die Wahl der Wirkstoffe richtet sich nach dem Schweregrad:
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Jeder Schweregrad: Fixkombination aus topischem Adapalen und Benzoylperoxid (BPO) oder topischem Tretinoin und Clindamycin
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Milde bis moderate Akne: Fixkombination aus topischem BPO und Clindamycin
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Moderate bis schwere Akne: Topisches Adapalen plus BPO kombiniert mit oralem Lymecyclin oder Doxycyclin
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Alternative bei moderat-bis-schwerer Akne: Topische Azelainsäure kombiniert mit oralem Lymecyclin oder Doxycyclin
Die Leitlinie rät strikt davon ab, topische oder orale Antibiotika als Monotherapie einzusetzen. Auch die Kombination aus einem topischen und einem oralen Antibiotikum wird nicht empfohlen.
Verlaufskontrolle und Erhaltungstherapie
Eine Reevaluation der Erstlinientherapie wird nach 12 Wochen empfohlen. Bei vollständiger Abheilung unter einer antibiotikahaltigen Therapie sollte das Antibiotikum abgesetzt und die topische Therapie allein fortgeführt werden.
Antibiotika sollen nur in absoluten Ausnahmefällen länger als 6 Monate verabreicht werden. Als Erhaltungstherapie wird eine Fixkombination aus topischem Adapalen und BPO empfohlen.
Besondere Patientengruppen
Bei Patientinnen mit polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) wird primär die Standard-Erstlinientherapie empfohlen. Bei unzureichendem Ansprechen kann laut Leitlinie die Zugabe eines kombinierten oralen Kontrazeptivums (z. B. Co-Cyprindiol) erwogen werden.
Dosierung
| Wirkstoff | Dosierung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Isotretinoin (oral) | 0,5 - 1 mg/kg Körpergewicht täglich | Schwere, therapieresistente Akne; kumulative Zieldosis 120-150 mg/kg |
| Lymecyclin (oral) | 408 mg einmal täglich | Moderate bis schwere Akne (in Kombination mit topischer Therapie) |
| Doxycyclin (oral) | 100 mg einmal täglich | Moderate bis schwere Akne (in Kombination mit topischer Therapie) |
| Triamcinolonacetonid (intraläsional) | 0,1 ml pro cm Zystendurchmesser (0,6 mg/ml) | Schwere entzündliche Zysten (Off-Label-Use) |
Kontraindikationen
Topische Retinoide und orale Tetracycline sind während der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch streng kontraindiziert. Es wird auf die Notwendigkeit einer sicheren Kontrazeption während der Therapie hingewiesen.
Bei der Verordnung von oralem Isotretinoin muss das offizielle Schwangerschaftsverhütungsprogramm zwingend eingehalten werden. Zudem wird vor potenziellen psychiatrischen Nebenwirkungen gewarnt, weshalb die psychische Gesundheit engmaschig überwacht werden muss.
Topische Kombinationen mit Tretinoin und Clindamycin dürfen in der Stillzeit nicht angewendet werden. Die Kombination aus Adapalen und Benzoylperoxid sollte in der Stillzeit nur mit Vorsicht eingesetzt werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist der Einsatz von topischen oder oralen Antibiotika als Monotherapie bei Akne vulgaris obsolet, um Resistenzen zu vermeiden. Es wird empfohlen, Antibiotika immer mit Benzoylperoxid oder einem Retinoid zu kombinieren und die Notwendigkeit der oralen Antibiose nach spätestens 12 Wochen kritisch zu überprüfen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die zweimal tägliche Reinigung mit einem nicht-alkalischen, synthetischen Detergens (Syndet). Ölbasierte und komedogene Produkte sowie entsprechendes Make-up sollten vermieden werden.
Eine Überweisung wird unter anderem bei Akne conglobata, nodulozystischer Akne oder bei diagnostischer Unsicherheit empfohlen. Auch bei fehlendem Ansprechen auf zwei Therapiezyklen oder bei beginnender Narbenbildung ist eine fachärztliche Vorstellung indiziert.
Es wird empfohlen, die Therapie nach 12 Wochen zu reevaluieren und das Antibiotikum bei Abheilung der Läsionen abzusetzen. Eine Therapiedauer von über 6 Monaten sollte laut Leitlinie nur in absoluten Ausnahmefällen erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Standarddosis von 0,5 bis 1 mg/kg Körpergewicht täglich. Die Behandlung sollte in der Regel bis zu einer kumulativen Gesamtdosis von 120 bis 150 mg/kg fortgeführt werden.
Als Erstlinientherapie wird ein 12-wöchiger Zyklus mit einer topischen Fixkombination empfohlen. Dies kann Adapalen mit Benzoylperoxid, Tretinoin mit Clindamycin oder Benzoylperoxid mit Clindamycin sein.
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Quelle: NG198: Skin cancer (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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