Morbus Crohn: Leitlinie zur Therapie (ACG)
📋Auf einen Blick
- •Fäkales Calprotectin hilft bei der Abgrenzung zum Reizdarmsyndrom.
- •MRE ist bei Patienten unter 35 Jahren zur Vermeidung von Strahlenbelastung der CTE vorzuziehen.
- •Orale Mesalamin-Präparate sind bei aktivem Morbus Crohn nicht wirksam und sollten nicht eingesetzt werden.
- •Budesonid (9 mg/Tag) ist Mittel der Wahl zur Induktionstherapie bei leichtem bis mittelschwerem ileozökalem Befall.
- •Eine Kombinationstherapie aus Infliximab und Thiopurinen ist wirksamer als eine Monotherapie.
Hintergrund
Morbus Crohn ist eine chronische, fortschreitende und destruktive entzündliche Darmerkrankung. Die Leitsymptome umfassen Bauchschmerzen, Diarrhö und Fatigue. Die Erkrankung verläuft meist in Schüben und kann zu Komplikationen wie Strikturen, Fisteln und Abszessen führen.
Risikofaktoren für einen schweren Verlauf umfassen:
- Junges Alter bei Erstdiagnose
- Ausgedehnter Darmbefall
- Ileale oder ileokolonische Beteiligung
- Perianale Erkrankung
- Penetrierender oder stenosierender Phänotyp
Diagnostik
Die Diagnose wird klinisch anhand einer Kombination aus Endoskopie, Radiologie und Histologie gestellt.
| Diagnostik-Tool | Indikation / Bemerkung | Evidenz / Empfehlung |
|---|---|---|
| Fäkales Calprotectin | Abgrenzung von IBD zum Reizdarmsyndrom | Starke Empfehlung |
| Ileokoloskopie | Standard zur Erstdiagnose inkl. Stufenbiopsien | Standardverfahren |
| Kapselendoskopie | Bei Verdacht auf Dünndarmbefall (vorab Patency-Kapsel bei Obstruktionsverdacht) | Sinnvolle Ergänzung |
| Chromoendoskopie | Dysplasie-Surveillance bei hohem Risiko (z. B. PSC) | Bedingte Empfehlung |
Bildgebung des Dünndarms
| Modalität | Einsatzgebiet | Besonderheit |
|---|---|---|
| CTE (CT-Enterographie) | Standard-Dünndarmbildgebung | Hohe Sensitivität, aber Strahlenbelastung |
| MRE (MR-Enterographie) | Bevorzugt bei Patienten <35 Jahren und für serielle Verläufe | Keine Strahlenbelastung |
| Becken-MRT / Endosonographie | Perianaler Morbus Crohn, perirektale Abszesse | Hohe Genauigkeit (>90%) |
Krankheitsmodifikatoren
- NSAR: Können Krankheitsschübe auslösen und sollten vermieden werden (Starke Empfehlung).
- Rauchen: Verschlechtert die Krankheitsaktivität und beschleunigt Rezidive. Raucherentwöhnung ist essenziell (Starke Empfehlung).
- Stress und Depression: Führen zu verminderter Lebensqualität und schlechterer Therapieadhärenz. Ein entsprechendes Management sollte Teil der Behandlung sein.
Medikamentöse Therapie
Die Therapie richtet sich nach Befallsmuster, Schweregrad und Risikoprofil.
Leichte bis mittelschwere Erkrankung
| Wirkstoff | Indikation | Empfehlung / Evidenz |
|---|---|---|
| Budesonid (9 mg/Tag) | Induktionstherapie bei ileozökalem Befall | Starke Empfehlung |
| Sulfasalazin | Symptomatische Therapie bei rein kolonischem Befall | Bedingte Empfehlung |
| Mesalamin (oral) | Nicht konsistent wirksam | Sollte nicht verwendet werden |
| Metronidazol / Ciprofloxacin | Nicht wirksam als Primärtherapie für luminale Entzündungen | Sollte nicht verwendet werden |
Mittelschwere bis schwere Erkrankung
| Wirkstoff | Indikation | Bemerkung |
|---|---|---|
| Systemische Kortikosteroide | Kurzzeitige Symptomkontrolle bei Schüben | Starke Empfehlung. Keine Schleimhautheilung, nicht zur Erhaltungstherapie. |
| Thiopurine (Azathioprin, 6-MP) | Steroideinsparung und Remissionserhaltung | Starke Empfehlung. Vorab TPMT-Testung empfohlen. |
| Methotrexat | Steroidabhängiger Morbus Crohn, Remissionserhaltung | Bedingte Empfehlung. Teratogenität beachten. |
| Anti-TNF-Antikörper (Infliximab, Adalimumab, Certolizumab) | Steroid- oder Thiopurin-refraktäre Verläufe | Starke Empfehlung. Vorab TB- und Hepatitis-B-Screening. |
Kernaussage zur Kombinationstherapie: Die Kombination von Infliximab mit Thiopurinen ist bei therapienaiven Patienten wirksamer als die jeweilige Monotherapie (Starke Empfehlung).
💡Praxis-Tipp
Führen Sie vor dem Einsatz von Thiopurinen (Azathioprin, 6-MP) stets eine TPMT-Testung durch. Bevorzugen Sie bei Patienten unter 35 Jahren die MR-Enterographie (MRE) gegenüber dem CT, um die kumulative Strahlenbelastung zu minimieren.