Zustandsverschlechterung: NEWS-Score und Management
Hintergrund
Die SIGN-Leitlinie 139 befasst sich mit der Versorgung von erwachsenen Patienten, deren klinischer Zustand sich im akuten Krankenhausumfeld verschlechtert. Ziel ist es, eine zuverlässige Erkennung und eine angemessene Reaktion auf physiologische Veränderungen zu gewährleisten.
Die Empfehlungen basieren auf einem Expertenkonsens und sollen Krankenhäuser bei der Implementierung strukturierter Überwachungssysteme unterstützen. Ein zentrales Element ist dabei die standardisierte Erfassung von Vitalparametern.
Durch die frühzeitige Identifikation kritischer Patienten sollen schwerwiegende Komplikationen und die Krankenhausmortalität gesenkt werden. Die Leitlinie betont zudem die Wichtigkeit einer klaren Kommunikation und strukturierter Eskalationspfade.
Empfehlungen
Die SIGN-Leitlinie 139 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Patienten mit klinischer Zustandsverschlechterung:
Überwachung und Vitalparameter
Es wird empfohlen, physiologische Beobachtungen bereits bei der Aufnahme oder Erstbeurteilung zu erfassen. Die Leitlinie fordert einen klaren, schriftlichen Überwachungsplan, der festlegt, welche Parameter wie oft gemessen werden.
Als Minimum sollen laut Leitlinie folgende Parameter erhoben werden:
-
Herzfrequenz und Atemfrequenz
-
Blutdruck und Bewusstseinsgrad
-
Sauerstoffsättigung (inklusive prozentualer/Flussrate der Sauerstofftherapie)
-
Temperatur
-
Hydratationszustand (bei Patienten mit mittlerem oder hohem NEWS-Wert)
In spezifischen Situationen wird ein zusätzliches Monitoring empfohlen. Dies umfasst beispielsweise biochemische Analysen wie Blutzucker oder Laktat sowie eine Schmerzerfassung.
National Early Warning Score (NEWS)
Es wird die Implementierung des National Early Warning Score (NEWS) für alle erwachsenen Patienten im Akutkrankenhaus empfohlen. Für schwangere Frauen sollen spezifische geburtshilfliche Warnscores verwendet werden.
Die Leitlinie rät zu einer NEWS-Überwachung mindestens alle vier Stunden nach der Aufnahme. Eine Reduktion der Frequenz muss auf oberärztlicher Ebene entschieden und dokumentiert werden. Bei abweichenden physiologischen Werten sollte die Überwachungsfrequenz erhöht werden.
Sepsis-Screening und Therapie
Jeder Patient, dessen NEWS-Wert eine Maßnahme auslöst, sollte auf Sepsis und Delir gescreent werden. Bei einem positiven Sepsis-Screening wird der Start des "Sepsis Six"-Behandlungspfads innerhalb einer Stunde empfohlen.
Das "Sepsis Six"-Bündel umfasst:
-
Sauerstoffgabe (Ziel-SpO2 94–98 %, bei COPD 88–92 %)
-
Abnahme von Blutkulturen und Erwägung einer Herdsanierung
-
Intravenöse Antibiotikagabe gemäß lokalen Protokollen
-
Intravenöse Flüssigkeitsreanimation (mindestens 500 ml) mit anschließender Reevaluation
-
Kontrolle von Laktat und großem Blutbild
-
Genaue Messung der Urinausscheidung, gegebenenfalls mittels Blasenkatheter
Gestuftes Reaktionsschema (Graded Response)
Für Patienten mit klinischer Verschlechterung wird ein lokal abgestimmtes, gestuftes Reaktionsschema empfohlen.
| NEWS-Wert | Reaktionszeit | Empfohlene Maßnahmen |
|---|---|---|
| Niedrig | Nicht spezifiziert | Erhöhung der Überwachungsfrequenz, Information der zuständigen Pflegekraft |
| Mittel | Innerhalb von 30 Minuten | Dringender Ruf an das primär zuständige Ärzteteam, Hinzuziehen einer Person mit Kernkompetenzen für akute Erkrankungen |
| Hoch | Sofort | Notfallruf an ein Team mit intensivmedizinischen Kompetenzen und diagnostischen Fähigkeiten |
Bei Patienten mit mittlerem oder hohem Score müssen entsprechende Interventionen eingeleitet und deren Wirkung beurteilt werden. Zudem wird ein schriftlicher Behandlungsplan gefordert, der den Ort und das Niveau der weiteren Versorgung festlegt.
Patienten mit eingeschränkter Reversibilität
Für Patienten mit eingeschränkter Reversibilität der Erkrankung wird ein schriftlicher Managementplan empfohlen. Dieser sollte unter anderem den Reanimationsstatus, standardisierte Therapieziele (Ceilings of Care) sowie Diskussionen mit dem multidisziplinären Team und den Angehörigen umfassen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei jedem Patienten, dessen National Early Warning Score (NEWS) einen Schwellenwert erreicht, zwingend ein Screening auf Sepsis und Delir erfolgen sollte. Wird eine Sepsis festgestellt, wird die vollständige Umsetzung des "Sepsis Six"-Pfades innerhalb von nur einer Stunde empfohlen, um die Prognose des Patienten maßgeblich zu verbessern.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Erhebung des National Early Warning Score (NEWS) mindestens alle vier Stunden nach der Krankenhausaufnahme. Eine seltenere Überwachung muss ärztlich auf Senior-Ebene entschieden und dokumentiert werden.
Es wird empfohlen, standardmäßig Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Bewusstseinsgrad, Sauerstoffsättigung und Temperatur zu erfassen. Bei mittlerem oder hohem NEWS-Wert sollte laut Leitlinie zusätzlich der Hydratationszustand beurteilt werden.
Gemäß Leitlinie wird bei einem mittleren Score eine Reaktion innerhalb von 30 Minuten empfohlen. Es sollte ein dringender Ruf an das primär zuständige Ärzteteam erfolgen und eine Person mit Kompetenzen für akute Erkrankungen hinzugezogen werden.
Im Rahmen des "Sepsis Six"-Pfades empfiehlt die Leitlinie bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) einen Zielbereich für die Sauerstoffsättigung (SpO2) von 88 bis 92 Prozent. Bei Patienten ohne COPD liegt der Zielbereich bei 94 bis 98 Prozent.
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Quelle: SIGN 139: Care of Deteriorating Patients (SIGN, 2014). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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