Zöliakie: Diagnostik, Antikörper und No-Biopsy-Ansatz
Hintergrund
Die aktualisierte Leitlinie der European Society for the Study of Coeliac Disease (ESsCD) aus dem Jahr 2025 befasst sich mit der Diagnostik der Zöliakie bei Erwachsenen. Sie integriert neue Evidenz, um diagnostische Strategien zu verfeinern, Überdiagnostik zu vermeiden und die Versorgungsqualität zu verbessern.
Zöliakie ist eine chronische, immunvermittelte Enteropathie des Dünndarms, die bei genetisch prädisponierten Personen durch die Aufnahme von Gluten ausgelöst wird. Die weltweite Prävalenz ist in den letzten Jahrzehnten signifikant gestiegen, wobei ein erheblicher Teil der Fälle weiterhin undiagnostiziert bleibt.
Die Erkrankung kann sich durch klassische Malabsorptionssymptome äußern, zeigt aber zunehmend auch atypische oder asymptomatische Verläufe. Eine enge Assoziation besteht zu anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes und Autoimmunthyreoiditis sowie zu bestimmten genetischen Syndromen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, die Zöliakie-Diagnostik unter einer bereits begonnenen glutenfreien Diät durchzuführen, da dies zu falsch-negativen Ergebnissen führt. Zudem wird betont, dass bei einem selektiven IgA-Mangel die Standard-IgA-Antikörpertests versagen, weshalb immer das Gesamt-IgA mitbestimmt und bei einem Mangel auf IgG-basierte Tests ausgewichen werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird die Bestimmung der IgA-anti-Gewebe-Transglutaminase (IgA-anti-TG2) als einziger Initialtest empfohlen. Gleichzeitig muss das Gesamt-IgA gemessen werden, um einen IgA-Mangel auszuschließen.
Die Leitlinie formuliert eine bedingte Empfehlung für einen Verzicht auf die Biopsie bei Patienten unter 45 Jahren. Voraussetzung ist ein IgA-anti-TG2-Wert von mindestens dem 10-fachen der oberen Normgrenze, der in einer zweiten Blutprobe bestätigt wird.
Es wird empfohlen, mindestens vier Biopsien aus dem distalen Duodenum sowie zwei weitere aus dem Bulbus duodeni zu entnehmen. Dies erhöht laut Leitlinie die diagnostische Genauigkeit, da die Schleimhautveränderungen fleckförmig auftreten können.
Gemäß Leitlinie ist in diesem Fall eine erneute Glutenbelastung (Gluten Challenge) mit mindestens 3 g Gluten pro Tag über 6 Wochen erforderlich. Vorab sollte eine HLA-DQ2/8-Typisierung erfolgen, da ein negatives Ergebnis eine Zöliakie bereits im Vorfeld ausschließt.
Die Leitlinie rät vom Einsatz von Speichel- und Stuhltests in der klinischen Praxis ab. Diese Tests weisen eine zu geringe Sensitivität und Spezifität auf, um verlässliche Ergebnisse zu liefern.
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Quelle: European Society for the Study of Coeliac Disease 2025 Updated Guidelines on the Diagnosis and Management of Coeliac Disease in Adults. Part 1: Diagnostic Approach (European Society for the Study of Coeliac Disease, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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