NICE

Wirbelsäulentrauma: Diagnostik und Erstversorgung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Ein Wirbelsäulentrauma umfasst Verletzungen der Wirbelsäule, die in einigen Fällen zu einer Schädigung des Rückenmarks führen. Die Hauptursachen sind Verkehrsunfälle, Stürze, Gewalteinwirkungen und Sportverletzungen.

In Großbritannien erleiden jährlich etwa 1000 Menschen eine neue Rückenmarksverletzung. Diese Verletzungen sind mit schweren neurologischen Schäden verbunden und können zu Paraplegie, Tetraplegie oder zum Tod führen.

Die vorliegende NICE-Leitlinie NG41 behandelt die Beurteilung, Bildgebung und das frühe Management von Erwachsenen und Kindern mit traumatischen Wirbelsäulen- oder Rückenmarksverletzungen. Sie deckt sowohl die präklinische als auch die klinische Akutversorgung ab.

Empfehlungen

Präklinische Beurteilung und Immobilisation

Die NICE-Leitlinie NG41 empfiehlt bei Eintreffen am Unfallort eine priorisierte Beurteilung nach dem ABCDE-Schema. Die Halswirbelsäule sollte dabei durch manuelle In-line-Immobilisation geschützt werden, insbesondere während Atemwegsinterventionen.

Eine vollständige In-line-Immobilisation wird empfohlen, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen oder eine Beurteilung nicht möglich ist. Zu den Faktoren zählen unter anderem ablenkende Verletzungen, Intoxikationen, Bewusstseinsminderung, Wirbelsäulenschmerzen oder neurologische Ausfälle.

Risikostratifizierung der Halswirbelsäule

Für die Beurteilung des Risikos einer Halswirbelsäulenverletzung wird die Anwendung der Canadian C-spine Rule empfohlen. Bei Kindern ist die Anwendung erschwert, weshalb der Entwicklungsstand berücksichtigt werden sollte.

RisikostufeKriterien nach Canadian C-spine Rule
Hohes RisikoAlter ≥ 65 Jahre, gefährlicher Unfallmechanismus (z. B. Sturz > 1m, axialer Druck), Parästhesien in den Extremitäten
Niedriges RisikoLeichter Auffahrunfall, sitzende Position komfortabel, gehfähig, keine mittige HWS-Druckschmerzhaftigkeit, verzögerter Schmerzbeginn
Kein RisikoEin Niedrigrisiko-Faktor liegt vor UND der Hals kann aktiv um 45 Grad nach links und rechts gedreht werden

Beurteilung der thorakolumbalen Wirbelsäule

Für die Beurteilung der thorakalen oder lumbosakralen Wirbelsäule nennt die Leitlinie folgende Kriterien für eine Immobilisation:

  • Alter ab 65 Jahren mit berichteten Schmerzen

  • Gefährlicher Unfallmechanismus (z. B. Sturz aus über 3 Metern Höhe, axiale Stauchung)

  • Vorbestehende Wirbelsäulenerkrankungen oder Osteoporose

  • Abnorme neurologische Symptome wie Parästhesien oder Schwäche

Schmerzmanagement

Zur Schmerzkontrolle in der Akutphase wird intravenöses Morphin als Analgetikum der ersten Wahl empfohlen. Die Dosis sollte nach Bedarf angepasst werden, um eine adäquate Schmerzlinderung zu erreichen.

Falls kein intravenöser Zugang besteht, kann laut Leitlinie eine intranasale Gabe von Diamorphin oder Ketamin erwogen werden. Ketamin in analgetischer Dosierung wird als Zweitlinien-Wirkstoff genannt.

Bildgebung im Krankenhaus

Die Leitlinie formuliert spezifische Empfehlungen für die Bildgebung, die dringend und von geschultem Personal befundet werden sollte:

  • Bei Kindern (unter 16 Jahren) wird ein MRT empfohlen, wenn ein starker Verdacht auf eine zervikale Rückenmarks- oder Wirbelsäulenverletzung besteht.

  • Bei Erwachsenen (ab 16 Jahren) wird ein CT empfohlen, wenn dies durch die Canadian C-spine Rule indiziert ist oder ein starker Verdacht auf eine thorakolumbale Verletzung mit neurologischen Auffälligkeiten besteht.

  • Ein MRT sollte bei Erwachsenen nach dem CT erfolgen, wenn neurologische Auffälligkeiten vorliegen, die auf eine Rückenmarksverletzung hindeuten könnten.

  • Bei Verdacht auf eine rein thorakale oder lumbosakrale Wirbelsäulenverletzung ohne neurologische Symptome wird primär ein Röntgenbild empfohlen.

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dem Einsatz folgender Medikamente in der Akutphase nach einem traumatischen Rückenmarkstrauma zur Neuroprotektion:

  • Methylprednisolon

  • Nimodipin

  • Naloxon

Zudem wird darauf hingewiesen, dass ein Spineboard (Longboard) ausschließlich zur Rettung (Extrikation) und nicht für den Transport von Personen mit Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung verwendet werden darf.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein zentraler Praxis-Hinweis der Leitlinie ist der Verzicht auf hochdosierte Glukokortikoide wie Methylprednisolon in der Akutphase eines Rückenmarkstraumas. Entgegen früherer Praktiken wird der Einsatz zur Neuroprotektion nicht mehr empfohlen. Zudem betont die Leitlinie, dass Patienten nicht auf einem harten Spineboard transportiert werden sollten, da dieses ausschließlich der Rettung aus der Gefahrenzone dient.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt bei Erwachsenen ein CT, wenn die Kriterien der Canadian C-spine Rule auf ein hohes Risiko hindeuten. Bei Kindern wird bei starkem Verdacht auf eine zervikale Verletzung primär ein MRT empfohlen.

Nein, die Leitlinie rät explizit vom Einsatz von Methylprednisolon zur Neuroprotektion in der Akutphase ab. Auch Nimodipin und Naloxon werden nicht empfohlen.

Laut Leitlinie wird intravenöses Morphin als Analgetikum der ersten Wahl empfohlen. Als Zweitlinien-Wirkstoff oder bei fehlendem i.v.-Zugang kann Ketamin erwogen werden.

Die Leitlinie betont, dass ein Spineboard (Longboard) ausschließlich als Rettungsgerät (Extrikation) genutzt werden darf. Ein Transport von Patienten auf dem Spineboard wird nicht empfohlen.

Bei Erwachsenen wird ein MRT im Anschluss an ein CT empfohlen, wenn neurologische Auffälligkeiten vorliegen, die auf eine Rückenmarksverletzung hindeuten. Bei Kindern ist das MRT oft die primäre Bildgebung bei Verdacht auf zervikale Verletzungen.

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Quelle: NG41: Spinal injury: assessment and initial management (NICE). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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