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WHO2019

Ohren- und Hörversorgung: WHO-Indikatoren zur Überwachung

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Über 5 % der Weltbevölkerung leiden an einem einschränkenden Hörverlust.
  • Die WHO empfiehlt die Integration der Ohren- und Hörversorgung (EHC) in nationale Gesundheitssysteme basierend auf 6 Bausteinen.
  • Die Überwachung erfolgt anhand von Kern- (Core) und Zusatzindikatoren (Supplementary Indicators).
  • Zu den Kernindikatoren gehören Neugeborenen-Screenings, Facharztdichte und die Hörgeräteversorgung.
  • Prävalenzstudien zu Hörverlust und Ohrenerkrankungen sollten mindestens alle 10 Jahre durchgeführt werden.
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Hintergrund

Weltweit steigt die Prävalenz von Hörverlust. Mehr als 5 % der Weltbevölkerung leiden an einem einschränkenden Hörverlust, wobei die Mehrheit in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen lebt. Unbehandelter Hörverlust hat massive Auswirkungen auf Gesundheit, Kognition, Kommunikation, Bildung und den Lebensunterhalt. Die Resolution WHA 70.13 der Weltgesundheitsversammlung fordert die Mitgliedsstaaten auf, nationale Strategien für die Ohren- und Hörversorgung (Ear and Hearing Care, EHC) in ihre Gesundheitssysteme zu integrieren.

Um diese Integration zu überwachen, hat die WHO ein Set aus Kern- (Core) und Zusatzindikatoren (Supplementary Indicators) entwickelt.

Die 6 Bausteine des Gesundheitssystems

Die Indikatoren sind an die sechs grundlegenden Bausteine von Gesundheitssystemen der WHO angepasst:

BausteinFokus in der Ohren- und Hörversorgung
1. Führung und SteuerungStrategische politische Rahmenbedingungen, Gesetzgebung und Verantwortlichkeit.
2. LeistungserbringungEffektive, sichere und qualitativ hochwertige EHC-Interventionen (z. B. Screenings).
3. GesundheitspersonalLeistungsfähiges Personal (HNO-Ärzte, Audiologen, geschulte Gesundheitsfachkräfte).
4. Medizinprodukte & TechnologienGerechter Zugang zu Impfungen, Hörgeräten und Cochlea-Implantaten.
5. GesundheitsfinanzierungSchutz vor finanzieller Überlastung durch notwendige EHC-Leistungen.
6. GesundheitsinformationenZuverlässige Datenproduktion, Analyse und Nutzung (Prävalenzdaten).

Kernindikatoren (Core Indicators)

Kernindikatoren gelten als essenziell und sollten von allen Ländern in ihre Gesundheitsinformationssysteme (HIS) integriert werden.

BereichIndikatorMessgröße / Zielgruppe
Führung & SteuerungCI 1 & CI 2Prozentsatz der Bezirke mit EHC-Strategie & erreichter Bevölkerung.
LeistungserbringungCI 3Prozentsatz der Neugeborenen im Neugeborenen-Hörscreening.
LeistungserbringungCI 4Prozentsatz der Schulen mit Hörscreenings.
LeistungserbringungCI 5Prozentsatz der Tertiärzentren mit chirurgischen und audiologischen EHC-Diensten.
GesundheitspersonalCI 6, CI 7, CI 8Verhältnis von HNO-Ärzten, Audiologen und EHC-Fachkräften pro 100.000 Einwohner (urban/rural).
Produkte & TechnologieCI 9Impfquote der Zielgruppe für Röteln, Meningitis, Mumps und Masern.
Produkte & TechnologieCI 10Anzahl der Personen, die mit Hörgeräten und/oder Cochlea-Implantaten versorgt wurden.
FinanzierungCI 11Budget für die EHC-Strategie als Prozentsatz des gesamten Gesundheitsbudgets.
InformationenCI 12, CI 13, CI 14EHC-Indikatoren im HIS; Prävalenz von Hörverlust und Ohrenerkrankungen (z. B. Otitis media).

Zusatzindikatoren (Supplementary Indicators)

Zusatzindikatoren sind optional und können je nach nationalen Prioritäten erhoben werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Vorhandensein von Gesetzgebungen zu Lärmschutz (Beruf, Umwelt, Freizeit), Hörgeräteversorgung und Gebärdensprache.
  • Richtlinien zur Überwachung von Ototoxizität.
  • Anteil der auf Primärebene geschulten Ärzte im Bereich EHC.
  • Durchschnittliches Alter bei der Intervention nach einem auffälligen Neugeborenen-Screening.

Datenerhebung und Berichterstattung

Die Entwicklung und Überwachung der nationalen Indikatoren sollte durch ein nationales Komitee oder eine Task Force für Ohren- und Hörversorgung erfolgen.

  • Daten sollten regelmäßig (z. B. jährlich) gesammelt und bewertet werden.
  • Prävalenzstudien (CI 13, CI 14) sollten mindestens alle 10 Jahre bevölkerungsbasiert durchgeführt werden.
  • Die Ergebnisse sind in einem strukturierten Bericht zusammenzufassen, der Trends aufzeigt, Lücken identifiziert und praktische Empfehlungen zur Verbesserung der EHC-Dienste liefert.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Verschreibung potenziell ototoxischer Medikamente auf die Einhaltung von Überwachungsrichtlinien. Die Implementierung solcher Richtlinien ist ein wichtiger Zusatzindikator der WHO für die Versorgungsqualität.

Häufig gestellte Fragen

Impfungen gegen Röteln, Meningitis, Mumps und Masern (CI 9) sind entscheidend, da diese Infektionen zu den Hauptursachen für vermeidbaren Hörverlust gehören.
Die WHO empfiehlt, bevölkerungsbasierte Studien zur Prävalenz von Hörverlust und Ohrenerkrankungen (wie Otitis media) mindestens alle 10 Jahre durchzuführen.
Erfasst wird das Verhältnis von HNO-Ärzten, Audiologen und weiteren geschulten EHC-Fachkräften pro 100.000 Einwohner, idealerweise aufgeschlüsselt nach städtischen und ländlichen Gebieten.
Die Kernindikatoren fordern die Erfassung des Prozentsatzes der Neugeborenen im Neugeborenen-Hörscreening sowie den Anteil der Schulen, die Hörscreenings als Teil der Schulgesundheit anbieten.

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