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WHO2021

Telemedizin bei Kindern und Jugendlichen: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Telekonsultationen bei Kindern erfordern besondere Aufmerksamkeit bezüglich rascher klinischer Verschlechterung und eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit.
  • Für akute medizinische Notfälle oder Zustände, die eine körperliche Untersuchung erfordern, ist die Telemedizin ungeeignet.
  • Eine Bandbreite von mindestens 384 Mbit/s wird für reibungslose Videokonsultationen empfohlen.
  • Datenschutz und Vertraulichkeit sind besonders bei Jugendlichen kritisch und erfordern spezifische Strategien (z. B. Kopfhörer, Chat-Funktion).
  • Ein detaillierter Sicherheitsplan für Notfälle (z. B. Codewörter bei Gefährdung) muss vorab etabliert werden.
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Hintergrund

Die Nutzung von Telekonsultationen hat weltweit stark zugenommen. Die WHO-Leitlinie bietet praxisnahe Empfehlungen für die telemedizinische Betreuung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. Telekonsultationen in dieser Altersgruppe unterscheiden sich maßgeblich von denen bei Erwachsenen, da Faktoren wie die Abhängigkeit von Betreuungspersonen und altersspezifische Kommunikationsbarrieren berücksichtigt werden müssen.

Besonderheiten in der Pädiatrie und Jugendmedizin

Die telemedizinische Betreuung von Kindern und Jugendlichen bringt spezifische Herausforderungen mit sich:

HerausforderungBeschreibung
Rasche klinische VerschlechterungSäuglinge und Kleinkinder können extrem schnell dekompensieren. Warnsignale sind über Video schwerer zu erkennen.
KommunikationBei sehr jungen Patienten ist der Arzt fast vollständig auf die Angaben der Betreuungspersonen angewiesen.
Datenschutz & PrivatsphäreBesonders bei Jugendlichen ein Hindernis. Die Gefahr des Mithörens durch Familienmitglieder ist hoch.
KinderschutzMissbrauch oder Vernachlässigung sind über den Bildschirm deutlich schwerer zu identifizieren.
Multiple AkteureOft müssen Gespräche mit mehreren Personen (Eltern, Kind, ggf. weitere Angehörige) gleichzeitig gesteuert werden.

Indikationen für Telekonsultationen

Nicht jede klinische Situation ist für eine Telekonsultation geeignet. Die Entscheidung muss individuell unter Berücksichtigung von Alter, Erkrankung und technischer Ausstattung getroffen werden.

EignungKlinische Szenarien
Gut geeignetTriage, Patientenaufklärung, psychologische Beratung/Therapie, Verlaufskontrollen chronischer Erkrankungen.
Mit VorsichtMedikamentenverschreibungen (lokale Gesetze beachten, besonders bei Betäubungsmitteln), sensorische/kognitive Tests.
Nicht geeignetNotwendigkeit einer körperlichen Untersuchung, akute medizinische Notfälle, Beurteilung von Genitalien/intimen Körperbereichen.

Technische und räumliche Voraussetzungen

Für eine sichere und effektive Videokonsultation müssen bestimmte technische Standards erfüllt sein:

  • Bandbreite: Eine Internetgeschwindigkeit von ≥ 384 Mbit/s wird für eine flüssige Audio- und Videoübertragung empfohlen.
  • Hardware: Große Bildschirme (≥ 68,6 cm) und hochwertige externe Mikrofone verbessern die Interaktion. Smartphones sollten im Querformat genutzt werden.
  • Datensicherheit: Es dürfen nur Plattformen verwendet werden, die den lokalen Datenschutzrichtlinien entsprechen.
  • Umgebung: Ein neutraler Hintergrund, gute Ausleuchtung (Licht von vorne) und eine ruhige Umgebung sind essenziell.

Vorbereitung und Sicherheitsplanung

Vor Beginn der Telekonsultation muss ein Sicherheitsplan erstellt werden. Dieser ist besonders wichtig, wenn sich der Patient zu Hause befindet.

  • Notfallkontakte: Aktuelle Nummern von Rettungsdiensten und lokalen Behörden müssen vorliegen.
  • Codewörter: Vereinbarung eines geheimen Wortes oder Satzes, falls das Kind oder der Jugendliche sich in Gefahr befindet.
  • Identitätsprüfung: Zu Beginn der Sitzung muss geklärt werden, wer sich im Raum befindet (auch außerhalb des Kamerawinkels).
  • Einverständniserklärung: Lokale Vorgaben zur Aufklärung und Einwilligung (verbal oder schriftlich) müssen zwingend eingehalten werden.

Durchführung und Kommunikation

Um die Privatsphäre, insbesondere bei Jugendlichen, zu wahren, sollten gezielte Kommunikationsstrategien angewendet werden:

  • Nutzung von Kopfhörern empfehlen.
  • Fragen so formulieren, dass sie mit Ja oder Nein beantwortet werden können.
  • Die Chat-Funktion der Plattform nutzen, damit Jugendliche sensible Antworten tippen können, ohne dass Haushaltsmitglieder mithören.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei Jugendlichen die Chat-Funktion der Telemedizin-Plattform für sensible Fragen und bitten Sie den Patienten, Kopfhörer zu tragen. So wahren Sie die Vertraulichkeit, auch wenn Eltern im Nebenraum sind.

Häufig gestellte Fragen

Die WHO empfiehlt eine Bandbreite von mindestens 384 Mbit/s, um eine flüssige Übertragung und die Beurteilung visueller und auditiver Signale zu gewährleisten.
Nein. Bei schweren Erkrankungen oder einem hohen Risiko für eine rasche klinische Verschlechterung ist eine Telekonsultation kontraindiziert. Sie darf in diesen Fällen höchstens zur Triage genutzt werden.
Empfehlen Sie die Nutzung von Kopfhörern, stellen Sie geschlossene (Ja/Nein) Fragen und nutzen Sie die Chat-Funktion für sensible Themen, um ein Mithören durch Dritte zu verhindern.
Nein. Die Übertragung von Bildern der Genitalien oder anderer sexueller Körperteile von Kindern und Jugendlichen sollte strikt abgelehnt werden, um rechtliche Risiken zu vermeiden.

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